Das Kunstmuseum St.Gallen präsentiert Beyond the Manosphere. Masculinities Today
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Beyond the Manosphere. Masculinities Today
3. Oktober 2026 bis 24. Januar 2027
Kunstmuseum St.Gallen Stadtpark
Das Stedelijk Museum Amsterdam und das Kunstmuseum St.Gallen freuen sich, Beyond the Manosphere. Masculinities Today zu präsentieren. Die internationale Gruppenausstellung war im Stedelijk Museum Amsterdam vom Frühjahr bis Sommer 2026 zu sehen (17. April bis 2. August 2026) und wird nun im Kunstmuseum St.Gallen vom Herbst 2026 bis Winter 2027 (3. Oktober 2026 bis 24. Januar 2027) gezeigt.
Was bedeutet Männlichkeit heute? Mit dem Aufstieg der Manosphere hat diese Frage neue Dringlichkeit erhalten. Gemeint ist ein loses Netzwerk von Online-Räumen, in denen eine dominante, frauenfeindliche Männlichkeit behauptet wird. Befeuert durch die Verbreitung des Trumpismus hat diese Form von Männlichkeit zunehmend den Mainstream durchdrungen.
Diese patriarchale heterosexuelle Männlichkeit ist nicht neu. Sie ist alt. Das Patriarchat ist vielleicht eines der ältesten Systeme überhaupt. Es gab einen Moment, in dem es schien, als würde sich diese Art von Männlichkeit als Machtanspruch zurückziehen, nachdem sie nach den langen Kämpfen verschiedener feministischer Bewegungen im letzten Jahrhundert mit #MeToo zumindest ansatzweise zur Rechenschaft gezogen wurde. Nun, da diese Bewegung an Momentum verloren hat, lässt sich Männlichkeit in ihrer den Status quo bestätigenden und dominanten Form als etwas begreifen, das einfach bestehen geblieben ist: eine fundamentale Grundlage, die eine Hierarchie der Geschlechter aufrechterhält, in der Männer oben und Frauen (sowie alle Anderen) unten sind. Diese Art von Maskulinität, die nun wieder Auftrieb hat, wird aktuell als Fortschritt neu definiert und für kapitalistische und faschistische Zwecke mobilisiert.
Wie kann man also Männlichkeit heute verstehen? Wie soll man sie definieren, wenn sie immer schon da ist und ihre Bedeutungen immer schon vorausgesetzt werden? Männlichkeit mag sich als Macht erweisen, als etwas, das verletzen kann, das ein Können vorgibt und eine Quelle von Angst und Trauma sein kann. Aber sie ist auch, wie diese Ausstellung zu zeigen hofft, mehr als das. Sie umfasst auch Begierde, Schutz, Trost und Stärke. Wie Judith Butler in einem Gespräch, das in der Begleitpublikation zur Ausstellung enthalten ist, sagt: «es könnte keine Debatte über Männlichkeit geben, wenn es nicht verschiedenste Formen von Männlichkeit gäbe: vielfältige Arten, Mannsein oder Männlichkeit zu leben. In den vergangenen Jahrzehnten sind nicht nur feministische und anti-militaristische Formen von Männlichkeit entstanden; sondern schwule und trans Männer und butchige Lesben haben die blosse Definition des Mannseins herausgefordert und [ihre] Männlichkeit häufig mit fortschrittlichen Freiheitsbewegungen und neuen Formen verkörperten Lebens verbündet.» Die Ausstellung fragt also auch danach, wie unterschiedlich Männlichkeiten aussehen und sich anfühlen können.
Der Titel der Ausstellung wurde denn auch nicht gewählt, um die Manosphere zu bestätigen, sondern um sie aufzubrechen. Die Ausstellung setzt beim Begriff der Manosphere an und liest ihn gegen den Strich: Wenn wir Männlichkeit als «Sphäre» begreifen, was lässt sich darin erkennen? Welche kulturellen Vorstellungen und Realitäten prägen Männlichkeiten heute und welchen Raum nehmen sie ein? Beyond the Manosphere. Masculinities Today erweitert und hinterfragt bestehende Vorstellungen von Männlichkeit. Indem die Ausstellung Kunstwerke zusammenbringt, die ebenso von Macht, Dominanz und Gewalt sprechen, wie von deren Unterwanderung und Verkehrung, eröffnet sie eine kritische Perspektive. In dieser Ausstellung tauchen immer wieder Typen, Klischees und kulturelle Tropen auf. Es sind die Sedimentschichten des Terrains, unsere überlieferten Vorstellungen von Maskulinität – beständig, klebrig und zäh. Aber auch Geschichten von Liebe und Verlangen sind präsent, die zeigen, wie unsere Sichtweisen von Männlichkeit unseren Umgang miteinander prägen – und die Art und Weise, wie wir andere wertschätzen und selbst beurteilt werden.
Mit ausgewählten Arbeiten aus der Sammlung des Stedelijk Museum Amsterdam und des Kunstmuseum St.Gallen sowie Leihgaben und neuen Auftragsarbeiten untersucht die Ausstellung Männlichkeit als Träger und Inszenierung von Macht, aber auch als gelebte Realität, die widersprüchlich, banal, instabil und zärtlich zugleich sein kann.
Das Projekt vereint eine generationenübergreifende Gruppe von 36 Künstler*innen. Neben jüngeren Positionen und eigens für die Ausstellung entstandenen Arbeiten versammelt es Werke aus den 1960er-, 1970er-, 1990er- und 2000er-Jahren. Trotz ihrer unterschiedlichen Entstehungszeiten verhandeln sie allesamt Aspekte von Männlichkeit, die bis heute relevant geblieben sind. Die Verbindung von Sexualität und Einsamkeit in Melles Gemälden erinnert an jene jungen Männer, die in digitalen Räumen als isoliert und mit ihrer sexuellen Energie alleingelassen erscheinen. Die kitschigen neoklassizistischen Ruinen in John Millers Arbeiten rufen Assoziationen zu Trumps architektonischen Ambitionen hervor. Tetsumi Kudos radikale Philosophie der Impotenz bildet einen Gegenpol zu den pronatalistischen Fantasien von Figuren wie Elon Musk. In den Arbeiten von Mike Kelley & Paul McCarthy wird Trauma mit missbräuchlichen Mustern männlicher Dominanz verknüpft, die von Vätern an ihre Söhne weitergegeben werden. Diese Werke arbeiten spezifische Dimensionen von Männlichkeit heraus und zeigen, wie sie unsere zeitgenössischen kulturellen Imaginationen geprägt haben – und weiterhin prägen.
Doch kulturelle Vorstellungswelten sind niemals bloss abstrakt. Sie prägen unsere Bewegung durch die Welt und beeinflussen unsere Erwartungen, Wünsche und Verhaltenscodes – was wir lieben und fürchten, was uns unglücklich macht oder erregt. Diese Zusammenhänge treten hervor in Sven Gex’ OnlyFans-Performern, in Sara Sadiks Film, der in der Welt eines Videospiels spielt und eine Liebesgeschichte aus der Perspektive eines Uber-Fahrers der maghrebinischen Diaspora in Marseille erzählt, in den jungen Männern in Amanda van Hesterens Filmen, ihren Gruppendynamiken und den performativen Inszenierungen von Männlichkeit in sozialen Medien sowie in der Zärtlichkeit und Intimität von Salman Toors Gemälden.
Mit: Arlette, Karimah Ashadu, Sophie Calle, Miguel-Ángel Cárdenas, Sam Durant, Hans Eijkelboom, EMIRHAKIN, Hamishi Farah, Sylvie Fleury, Julio Galán, Solomon Garçon, Sven Gex, Jasmine Gregory, Amanda van Hesteren, Zhana Ivanova, Mike Kelley & Paul McCarthy, Tetsumi Kudo, Basir Mahmood, Reba Maybury, Lucy McKenzie, Melle, John Miller, Marlie Mul, Sands Murray-Wassink, Eduardo Paolozzi, Paul Pfeiffer, Pope.L, Sara Sadik, P. Staff, Diamond Stingily, SoiL Thornton, Salman Toor, Alex Vivian, Bruno Zhu, Selina Zürrer.
Kuratiert von Melanie Bühler, Kuratorin für zeitgenössische Kunst am Stedelijk Museum Amsterdam
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Bierke Books, gestaltet von Sabo Day. Er enthält einen kuratorischen Essay von Melanie Bühler, künstlerische Beiträge von Amanda van Hesteren, Tetsumi Kudo, Reba Maybury, Sands Murray-Wassink, und Bruno Zhu, Essays von Hannah Black, Maurits de Bruijn, und Asa Seresin sowie ein Interview mit Judith Butler.
Pressekonferenz:
Freitag, 2. Oktober 2026, 11 Uhr
Kunstmuseum St.Gallen Stadtpark, Museumstrasse 32, 9000 St.Gallen
Bitte melden Sie sich unter kommunikation@kunstmuseumsg.ch an.
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Pressekontakt:
Nadine Sakotic, Leitung Kommunikation & Marketing







