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IWC70: Verbot des kommerziellen Walfangs bleibt bestehen

IWC70: Verbot des kommerziellen Walfangs bleibt bestehen

Auf der 70. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Hobart, Tasmanien, wurden wegweisende Entscheidungen zu mehreren strittigen Themen getroffen.

OceanCare ist erleichtert, dass die Internationale Walfangkommission (IWC) an dem 1986 von ihr eingeführten Moratorium für den kommerziellen Walfang festgehalten hat. Die Kommission beging damit ihr 40-jähriges Bestehen des Verbotes des kommerziellen Walfanges. Das Moratorium war jedoch erneut Angriffen einer Handvoll Staaten ausgesetzt, die Walfang befürworten – angeführt von dem karibischen Inselstaat Antigua & Barbuda. Doch diese Bedrohung konnte abgewendet werden.

„Während der gesamten Tagung agierten Antigua und Barbuda und ihre Verbündeten in einer Reihe von Fragen als Unruhestifter“, sagt Fabienne McLellan, Geschäftsführerin von OceanCare. „Ihr Resolutionsentwurf gab großen Anlass zur Sorge. Doch auch nachdem dieser zurückgezogen worden war, spielte Antigua und Barbuda einen weiteren destruktiven Trumpf aus, um eine dringend benötigte Budgeterhöhung für die IWC zu verhindern und die Verabschiedung des Haushalts zu blockieren. Beide Versuche scheiterten glücklicherweise.“

„Letztendlich sind die Gesamtergebnisse der Tagung zufriedenstellend, da die Mehrheit der Länder entschlossen für die Verteidigung des Verbots des kommerziellen Walfangs eintrat – eines der herausragendsten Beispiele für erfolgreiche weltweite Bemühungen zum Schutz der Tierwelt.

Angesichts der Erholung zumindest einiger Walpopulationen – der Beweis, dass das Moratorium für die Tiere ein Erfolg war – müssen wir uns auch bewusst sein, dass die weltweiten Bedrohungen für die Wale und der sich verschlechternde Zustand der Ozeane dringend weitaus mehr Ehrgeiz und gemeinsame globale Anstrengungen erfordern“, so McLellan abschließend.

Nachfolgend die Themen auf der Tagesordnung der IWC sowie ein Bericht darüber, wie sie jeweils entschieden wurden:

Resolution zur Untergrabung des Moratoriums

Der Resolutionsentwurf, der von den karibischen Inselstaaten Antigua und Barbuda und St. Lucia sowie einigen weiteren Ländern eingebracht wurde, zielte darauf ab, das Moratorium für den kommerziellen Walfang zu untergraben. Ähnliche Vorstöße von Walfang-befürwortenden Nationen sind in der Vergangenheit gescheitert. Auch bei dieser Tagung mussten die Befürworter ihren Resolutionsentwurf schließlich aufgrund des massiven Widerstands zahlreicher anderer Mitgliedsstaaten zurückziehen.

„OceanCare ist erleichtert, dass die IWC erneut gezeigt hat, dass sie dieses ‚Trojanische Pferd‘ – einen Versuch, das Moratorium für den kommerziellen Walfang zu untergraben – nicht akzeptiert. Eine Handvoll Walfang-befürwortender Nationen, die selbst weder Walfang betreiben noch eine entsprechende Tradition aufweisen, versucht seit Jahren, die IWC zur Legalisierung der Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs zu bewegen. Die Mehrheit der Staaten hat sich jedoch klar dagegen ausgesprochen, als der Vorschlag bei der IWC eingebracht wurde“, erklärt Fabienne McLellan, Geschäftsführerin von OceanCare.

Auch in Antigua und Barbuda selbst regte sich starker öffentlicher Widerstand: mehrere lokale und internationale Gruppen forderten den Premierminister auf, den Vorschlag zurückzuziehen. Überraschenderweise wurde die Resolution dennoch von Antigua und Barbuda eingereicht, wobei der Kommissar des Landes den Vorschlag nicht selbst präsentierte, sondern den Mitantragsteller St. Lucia damit beauftragte, ihn mündlich vor der IWC vorzustellen. Später war es dann Mitunterstützer Grenada, das den Antrag zurückzog.

Walschutzgebiet im Südatlantik

Andererseits ist OceanCare enttäuscht darüber, dass die Einrichtung eines Walschutzgebiets im Südatlantik – ein von Brasilien und anderen südamerikanischen Staaten eingebrachter sowie von Gabun und Südafrika unterstützter Vorschlag – bei der Abstimmung erneut die erforderliche Dreiviertelmehrheit verfehlt hat.

„Die anhaltende Blockadehaltung bei der Einrichtung des Walschutzgebiets im Südatlantik offenbart die bösen Absichten eines Staatenblocks, der die Bemühungen von Ländern beiderseits des Atlantiks um wirksamere Schutzmaßnahmen vereitelt. Handeln im guten Glauben sieht anders aus!“, so Fabienne McLellan.

Brasilien hat angekündigt, den Vorschlag bei der nächsten IWC-Tagung erneut einzubringen.

Hobart-Erklärung

Das Gastgeberland Australien war entschlossen, anlässlich des 80-jährigen Bestehens der IWC die sogenannte Hobart-Erklärung zu verabschieden, und erreichte schließlich, dass eine solche Erklärung im Konsens angenommen wurde.

OceanCare betrachtet dies als einen weitgehend symbolischen Akt, der kaum konkrete Auswirkungen auf den Walschutz hat. Die Verhandlungen hierzu haben viel Zeit und Mühe gekostet, um diesen Konsens zu erzielen.

Vielmehr feiert OceanCare das 40-jährige Bestehen des Moratoriums für den kommerziellen Walfang: wie die Ereignisse während der IWC-Tagung erneut gezeigt haben, muss dieses Moratorium ständig verteidigt werden. Für OceanCare ist die 2018 in Brasilien verabschiedete Erklärung von Florianópolis das weitaus wichtigere Leitprinzip für die IWC.

Resolution zu Kleinwalen

Diese von der Schweiz eingebrachte Resolution zielte darauf ab, den Zusammenhang zwischen kommerzieller Fischerei und der Jagd auf Delfine zu untersuchen. Leider hat die Schweiz ihren Vorschlag bereits in einem frühen Stadium des Prozesses zurückgezogen.

Im Gegensatz zu den Großwalen fallen Kleinwale nicht unter das Verbot des kommerziellen Walfangs. Ihr Schutz innerhalb der IWC ist seit Langem Gegenstand von Kontroversen zwischen verschiedenen Staaten. Die Schweiz hat stets eine konstruktive Haltung zum Schutz von Kleinwalen eingenommen und die Resolution hätte diesen Schutz gestärkt. OceanCare bedauert daher diese Entscheidung, die auf vermeintlichen Schwierigkeiten bei der Umsetzung beruhte. Unserer Ansicht nach müssen neue Wege gefunden werden, um die in der Resolution beschriebene wichtige Analyse dennoch durchführen zu können.

Der Rückzug weist zudem auf ein umfassenderes Problem hin: Die finanziellen Mittel, die Staaten für Umweltschutz, Artenschutz und – in diesem Fall – Meeresschutz bereitstellen, schrumpfen. Dies hat Auswirkungen, die weit über eine einzelne Resolution hinausgehen. Wir fordern nicht nur die Schweizer Regierung, sondern alle IWC-Mitgliedsstaaten auf, eine ausreichende Finanzierung sicherzustellen. Nur so können die IWC sowie ihre Wissenschafts- und Naturschutzausschüsse ihre wichtige Arbeit fortsetzen und wissenschaftlich fundierte internationale Entscheidungen treffen, um Kleinwale besser vor der Jagd zu schützen. Dies bedeutet auch, sich zu einer soliden finanziellen Basis für die umfassende Naturschutzarbeit der IWC zu bekennen.

Kollisionen mit Schiffen

Überraschenderweise zählte die von den EU-Mitgliedsstaaten eingebrachte Resolution zu Schiffskollisionen zu den umstritteneren Vorlagen. Sie zielte darauf ab, Zusammenstöße zwischen Schiffen und Walen durch Maßnahmen wie Geschwindigkeitsreduzierungen und alternative Routenführungen zu verringern. Trotz zahlreicher Konsultationen zwischen den Staaten konnte kein Konsens erzielt werden – vor allem aufgrund des Widerstands der USA gegen Formulierungen mit Bezug zum „Klimawandel“ sowie ihrer allgemeinen, umweltfeindlichen Agenda.

Daher wurde eine Abstimmung durchgeführt, bei der die Resolution die erforderliche Mehrheit erhielt. Eine Abschwächung der Formulierungen in Bezug auf den Klimawandel hätte einen riskanten politischen Präzedenzfall schaffen können. OceanCare begrüßt es sehr, dass die EU standhaft blieb und nicht zuließ, dass wissenschaftlich fundierte Fakten durch die USA untergraben wurden. Zudem freut sich die Organisation, dass die Resolution von der IWC per Abstimmung angenommen wurde.

„Kollisionen mit Schiffen stellen ein zunehmendes, ernstes Problem für den Schutz und das Wohlergehen von Walen weltweit dar. Diese Resolution stärkt koordinierte Maßnahmen, um die Risiken für Wale besser zu verstehen. Es ist hinlänglich bekannt, dass die beiden wichtigsten Maßnahmen zur Verringerung des Kollisionsrisikos darin bestehen, Schiffe außerhalb wichtiger Walhabitate zu führen oder die Schiffsgeschwindigkeit zu drosseln – ein Punkt, der durch die verabschiedete Resolution bekräftigt wurde. Die IWC kann in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Gremien klare Hinweise darauf geben, wo Gebiete mit hohem Kollisionsrisiko liegen“, so McLellan.

OceanCare-Bericht vorgestellt

Die Waljagd ist nicht nur eine Frage des Artenschutzes, sondern auch des Tierschutzes. OceanCare teilt die Besorgnis vieler anderer über die Grausamkeit, die mit dem fortgesetzten kommerziellen Walfang einhergeht. Zudem sind wir der Ansicht, dass die IWC dem Wohlergehen der Wale auch jenseits der Jagdthematik weit mehr Aufmerksamkeit widmen sollte – etwa im Hinblick auf Unterwasserlärm, chemische Belastung und Plastikverschmutzung, Beifang, Verfangen in Fischereigerät, schwindendes Nahrungsangebot sowie weitere Faktoren, die Wale sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamtwirkung beeinträchtigen.

Daher hat OceanCare die Kommission über ihren neuen Bericht „Beneath the Surface: Marine Mammal Welfare in a Challenging World“ informiert und stellt weitere wissenschaftliche Informationen bereit.

„Mit Sorge beobachten wir zudem die zunehmenden Berichte über abgemagerte Wale aus verschiedenen Populationen weltweit sowie die potenziell schwerwiegenden Folgen für deren Wohlergehen, Gesundheit und Fortpflanzung. Die IWC betreibt über ihren Wissenschaftsausschuss erstklassige wissenschaftliche Forschung, und wir fordern die IWC auf, der Wissenschaft und Politik rund um das Wohlergehen der Tiere deutlich mehr Beachtung zu schenken“, erklärt McLellan.

Finanzen

Bemühungen, das Budget der IWC durch eine erstmals seit zehn Jahren erfolgende Erhöhung der Mitgliedsbeiträge aufzustocken, stießen bei mehreren Ländern aus verschiedenen Regionen auf Widerstand. In letzter Minute versuchten Antigua und Barbuda eine Budgeterhöhung um 3 Prozent zu verhindern und blockierten damit die Verabschiedung des Haushalts. Dies hätte die wichtige Arbeit der IWC-Ausschüsse für Wissenschaft und Naturschutz gefährdet.

Die IWC führte somit eine schwierige Debatte über ihren Betriebshaushalt, fand jedoch schließlich durch eine Abstimmung einen Weg, voranzukommen. OceanCare ruft die Staaten dazu auf, nicht auf ihre finanziellen Beiträge (einschließlich freiwilliger Zuwendungen) zu verzichten, um sicherzustellen, dass die wichtige wissenschaftliche Arbeit und die Naturschutzmaßnahmen durchgeführt werden können.

Weitere Informationen

OceanCare: Ausblick auf die IWC70

Alle Vorschläge und Resolutionen für die IWC70 sind im Volltext auf der Tagungsseite der IWC veröffentlicht.

Pressemitteilung: IWC70 in Hobart: 40 Jahre Moratorium, doch den Walen drohen alte – und neue – Gefahren

Pressemitteilung: Kaum verhüllter Angriff auf Moratorium: Antigua und Barbuda bringt erneut Walfang-Resolution ein, 4. August 2026

Pressemitteilung: NGOs appellieren an Tropenparadies Antigua und Barbuda: Kein neuer Vorstoß für Walfang, 27. Juli 2026

Medienkontakte

Vor Ort in Hobart (AEST: UTC+11 bis 4. Oktober)

Thomas Schweiger, Medienkoordinator IWC70, OceanCare

+43 660 7046088, tschweiger@oceancare.org

Europäische Zeit (MESZ: UTC+2)

Anton Mattmüller, International Media Relations Officer, OceanCare

+43 681 10619366, amattmueller@oceancare.org

Über OceanCare

OceanCare setzt sich seit 1989 weltweit für die Meerestiere und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie intensivem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. OceanCare ist vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen als Sonderberaterin für den Meeresschutz anerkannt und ist offizielle Partnerorganisation in zahlreichen UN-Abkommen und internationalen Konventionen. OceanCare engagiert sich zudem in internationalen zivilgesellschaftlichen Bündnissen wie der High Seas Alliance, Seas at Risk, oder der #BreakFreeFromPlastic-Koalition.

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 www.oceancare.org
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