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IWC70 in Hobart: 40 Jahre Moratorium, doch Walen drohen alte – und neue – Gefahren

IWC70 in Hobart:

40 Jahre Moratorium, doch den Walen drohen alte – und neue – Gefahren

  • Zwei Jubiläen: 80 Jahre Internationale Walfangkommission (IWC) und 40 Jahre weltweites Moratorium für den kommerziellen Walfang, das Hunderttausenden Walen das Leben gerettet hat. Die IWC70 tagt vom 28. September bis 2. Oktober 2026 in Hobart, Australien.
  • Alte Gefahren: Antigua und Barbuda, dessen Position seit Langem mit der Walfangnation Japan in Verbindung gebracht wird, hat mit Unterstützung einer Handvoll weiterer Staaten eine Resolution eingereicht. Wird sie angenommen, könnte sie zur Aushöhlung des Moratoriums führen. OceanCare fordert Antigua und Barbuda sowie die Mitantragsteller auf, die Resolution zurückzuziehen.
  • Neue Gefahren: Wale leiden darunter, dass der Klimawandel ihr Nahrungsangebot verändert. Auch Schiffskollisionen, das Verheddern in Fischereigerät, Plastikverschmutzung und Unterwasserlärm sind nach wie vor große Bedrohungen, die das langfristige Überleben der Wale gefährden.
  • OceanCare vor Ort in Hobart: OceanCare nimmt seit 1992 an den IWC-Tagungen teil und appelliert an die Staaten, weltweit ihre Anstrengungen zu verstärken, um Wale besser vor Bedrohungen zu schützen und das Moratorium zu verteidigen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die Ausweisung eines Walschutzgebiets im Südatlantik, Maßnahmen gegen Schiffskollisionen und die Frage, wie kleinere Walarten besser vor der Jagd geschützt werden können.

Am Montag feiert die Internationale Walfangkommission (IWC) zwei Jubiläen: 80 Jahre ihres Bestehens und 40 Jahre weltweites Moratorium für den kommerziellen Walfang. Letzteres hat Hunderttausenden Walen das Leben gerettet. Dennoch drängen Antigua und Barbuda und seine Verbündeten erneut darauf, dieses so wichtige Schutzinstrument zu kippen.

Abgesehen vom Walfang sind Wale, Delfine und Schweinswale Bedrohungen ausgesetzt, für die das Moratorium nie gedacht war. Daher ist es an der Zeit, dass die IWC umfassend gegen alle neuen – und alten – Bedrohungen vorgeht, denen die Tiere ausgesetzt sind.

OceanCare hat seit 1992 Beobachterstatus bei der IWC und wird an der Tagung in Hobart teilnehmen. Ziel ist es, das Schutzmandat der IWC zu stärken und erneute Versuche, das Moratorium abzuschaffen, abzuwehren.

Die 1946 gegründete IWC stand zunächst für 40 Jahre Blutvergießen. Darauf folgten 40 Jahre, in denen ihr einer der eindrucksvollsten Erfolge des Artenschutzes gelang. Zwischen 1946 und 1985 wurden fast 2 Millionen Großwale im kommerziellen Walfang getötet. Das globale Moratorium wurde 1982 von der IWC beschlossen und trat 1986 in Kraft. Es führte zu einem drastischen Rückgang der Waltötungen.

Übrig blieben nur wenige Länder, die entweder einen Vorbehalt gegen den Beschluss des Moratoriums eingelegt hatten oder ihren kommerziellen Walfang als „wissenschaftliche Forschung“ deklarierten, um die international geächtete Praxis fortzusetzen. In den 40 Jahren seit Inkrafttreten des Moratoriums fielen rund 46.000 Wale dem kommerziellen Walfang zum Opfer. Das sind etwa 45-mal weniger als in den vier Jahrzehnten zuvor.

„Das weltweite Verbot des kommerziellen Walfangs ist eine der größten Errungenschaften des modernen Artenschutzes. Dennoch ist jeder Wal, der für kommerzielle Zwecke einer Explosivharpune zum Opfer fällt, einer zu viel. Umso wichtiger ist es, dass das Moratorium vollständig bestehen bleibt und nicht ausgehöhlt wird“, sagt Fabienne McLellan, CEO von OceanCare.

Eine Walfang-Resolution von einem Land, das nie Wale gejagt hat

Drei Länder – Island, Norwegen und Japan – jagen insgesamt noch immer rund 1.000 Großwale pro Jahr. Japan ist 2019 aus der IWC ausgetreten, nimmt aber weiterhin Einfluss auf das Geschehen: in enger Abstimmung mit anderen IWC-Ländern wie Antigua und Barbuda. Der Inselstaat hat nie kommerziellen Walfang betrieben und soll in den vergangenen Jahren über 200 Millionen US-Dollar an japanischer Finanzhilfe erhalten haben.

Die Resolution von Antigua und Barbuda wird von einer Handvoll weiterer Staaten unterstützt. Eingereicht wurde sie trotz Widerstands im eigenen Land: Eine im Juli veröffentlichte unabhängige Meinungsumfrage ergab, dass 64 Prozent der Inselbevölkerung gegen den kommerziellen Walfang sind und 60 Prozent auch die Einbringung der Resolution durch ihr Land ablehnen. 68 Prozent der Befragten wussten gar nicht, dass ihre Regierung diese Position überhaupt vertritt. OceanCare hat die Regierung von Antigua und Barbuda wiederholt aufgefordert, die Resolution zurückzuziehen, zuletzt in einem offenen Brief gemeinsam mit 21 weiteren internationalen Organisationen.

„Einst betrieben Dutzende Nationen kommerziellen Walfang, heute sind es noch drei. Es gibt keine einzige Rechtfertigung mehr. Während die Weltgemeinschaft alle Kräfte bündeln sollte, um Wale und ihre Lebensräume vor dem Cocktail an neuen und alten Bedrohungen zu schützen, drängen einige wenige Länder weiter darauf, das Moratorium auszuhöhlen – etwa Antigua und Barbuda als Verbündeter Japans. Im Jahr 2026 gehört das in die Geschichtsbücher, nicht in die Politik. Vorwärts zum Schutz der Wale, nicht rückwärts zum kommerziellen Walfang“, sagt Nicolas Entrup, Leiter der Internationalen Zusammenarbeit bei OceanCare.

Alte und neue Bedrohungen: Klimawandel, Schiffe und Hunger

Weltweit sind Forschende zunehmend alarmiert, weil sie Wale dokumentieren, die sichtbar dünner sind, als sie sein sollten. Südkaper vor Südafrika zeigen Anzeichen einer deutlich verschlechterten körperlichen Verfassung. Vielerorts schrumpft das Nahrungsangebot aufgrund der Erwärmung der Meere. Es gibt Hinweise darauf, dass auch Grauwale im östlichen Nordpazifik leiden, weil Veränderungen in ihren arktischen Nahrungsgründen das Futterangebot verringern. Der Klimawandel verändert marine Ökosysteme schneller, als sich Walpopulationen anpassen können.

Und wo Schifffahrtsrouten Nahrungs- oder Fortpflanzungsgebiete kreuzen, sind zudem Schiffskollisionen zu einer der Haupttodesursachen von Großwalen geworden. Intensive Fischerei führt zu Beifang und zum Verheddern in Fischereigerät, woran jedes Jahr Tausende Klein-, aber auch Großwale sterben. Hinzu kommt die Verschmutzung durch Plastik, Chemikalien oder Unterwasserlärm, die weltweit eine ernste Bedrohung für die Wale darstellt.

Was die IWC70 erreichen könnte

Der Wandel der IWC hin zu einer Organisation, die sich den vielfältigen Bedrohungen für Wale widmet, hat bereits begonnen. Doch es muss noch mehr passieren. OceanCare fordert die IWC und ihre Mitgliedstaaten auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, alle Wale umfassend zu schützen und die gravierenden Bedrohungen anzugehen, denen sie ausgesetzt sind. Konkret fordert OceanCare:

  • die Stärkung der wissenschaftlichen Grundlage für Schutzentscheidungen
  • die Ausweitung nicht-letaler Schutzprioritäten im Wissenschafts- und im Schutzausschuss
  • den Ausbau regionaler Schutzbemühungen und
  • entschlossene Anstrengungen, damit künftige Initiativen den Schutz von Walen, Delfinen und Schweinswalen stärken und nicht schwächen

Weitere Informationen

OceanCare: Ausblick auf die IWC70

Alle Vorschläge und Resolutionen für die IWC70 sind im Volltext auf der Tagungsseite der IWC veröffentlicht.

Die Sitzungen werden live auf dem YouTube-Kanal der IWC übertragen.

Pressemitteilung: NGOs appellieren an Tropenparadies Antigua und Barbuda: Kein neuer Vorstoß für Walfang, 27. Juli 2026

Pressemitteilung: Kaum verhüllter Angriff auf Moratorium: Antigua und Barbuda bringt erneut Walfang-Resolution ein, 4. August 2026

Medienkontakte

Vor Ort in Hobart (AEST: UTC+11 bis 4. Oktober)

Thomas Schweiger, Medienkoordinator IWC70, OceanCare

+43 660 7046088, tschweiger@oceancare.org

Er versorgt Sie mit Live-Informationen und vermittelt Ihnen Fabienne McLellan für kurze Statements oder ausführlichere Analysen.

Europäische Zeit (MESZ: UTC+2)

Anton Mattmüller, International Media Relations Officer, OceanCare

+43 681 10619366, amattmueller@oceancare.org

Über OceanCare

OceanCare setzt sich seit 1989 weltweit für die Meerestiere und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie intensivem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. OceanCare ist vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen als Sonderberaterin für den Meeresschutz anerkannt und ist offizielle Partnerorganisation in zahlreichen UN-Abkommen und internationalen Konventionen. OceanCare engagiert sich zudem in internationalen zivilgesellschaftlichen Bündnissen wie der High Seas Alliance, Seas at Risk, oder der #BreakFreeFromPlastic-Koalition.

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Gerbestrasse 6
CH-8820 Wädenswil
 www.oceancare.org
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