Alle Storys
Folgen
Keine Story von OceanCare mehr verpassen.

OceanCare

NGOs appellieren an Tropenparadies Antigua und Barbuda: Kein neuer Vorstoß für Walfang

NGOs appellieren an Tropenparadies Antigua und Barbuda: Kein neuer Vorstoß für Walfang

  • Neue Umfrage in Antigua und Barbuda: 64 Prozent der Bürgerinnen und Bürger lehnen kommerziellen Walfang ab – und 68 Prozent wussten gar nicht, dass ihre Regierung diesen in der Internationalen Walfangkommission (IWC) unterstützt.
  • Frist läuft diese Woche ab: Die IWC tagt Ende September in Australien. Initiativen müssen in den kommenden Tagen eingereicht werden. Antigua und Barbuda hat sich in den vergangenen Jahren aktiv für die Aufhebung des Walfang-Moratoriums eingesetzt.
  • NGO-Bündnis appelliert an Premierminister Browne: 22 internationale Organisationen, darunter OceanCare, fordern die Regierung auf, keine Initiative zugunsten des kommerziellen Walfangs zu unterstützen und sich stattdessen für die Einrichtung eines Walschutzgebiets im Südatlantik auszusprechen.
  • Reputationsrisiko vor dem CHOGM: 62 Prozent glauben, dass die fortgesetzte Unterstützung des kommerziellen Walfangs dem internationalen Ansehen des Landes schaden könnte – wenige Monate bevor Antigua und Barbuda das Treffen der Commonwealth-Regierungschefs (CHOGM) ausrichtet.

Naturschutzorganisationen befürchten, dass Antigua und Barbuda einen neuen Vorstoss zur Aufhebung des weltweiten Verbots des kommerziellen Walfangs durch die Internationale Walfangkommission (IWC) unternimmt. Die Frist für die Einreichung entsprechender Initiativen endet am Donnerstag, dem 30. Juli.

Eine soeben veröffentlichte Meinungsumfrage zeigt: Die Regierung des Karibikstaats verfolgt diesen Kurs weitgehend ohne das Wissen – und gegen den Willen – der eigenen Bevölkerung. In einem Brief an Premierminister Gaston Browne fordern 22 internationale Naturschutzorganisationen, darunter OceanCare, die Regierung nun zum Kurswechsel auf.

Zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) wussten nicht, dass ihr Land den kommerziellen Walfang bei den IWC-Tagungen unterstützt. Das zeigt die Umfrage, die CoreConsult Inc. im Auftrag des Antigua and Barbuda Ocean Trust durchgeführt hat. Zugleich ist die Ablehnung des Walfangs eindeutig:

  • 64 Prozent der Menschen in Antigua und Barbuda lehnen kommerziellen Walfang ab;
  • 60 Prozent sind dagegen, dass ihr Land eine Resolution einbringt, die zur Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs führen könnte;
  • 62 Prozent glauben, dass die fortgesetzte Unterstützung des kommerziellen Walfangs dem internationalen Ansehen Antigua und Barbudas schaden könnte;
  • 56 Prozent lehnen die anhaltende Blockade des Südatlantischen Walschutzgebiets durch ihr Land ab;
  • 52 Prozent glauben, dass der Widerstand gegen die Einrichtung des Südatlantischen Walschutzgebiets dem Tourismus des Landes schaden könnte.

Der Bericht selbst kommt zu dem Schluss, dass die öffentliche Meinung in weiten Teilen im Widerspruch zur aktuellen Position Antigua und Barbudas beim kommerziellen Walfang und der damit verbundenen IWC-Politik steht.

Ein Tropenparadies als Fürsprecher des Walfangs

Antigua und Barbuda hat selbst nie kommerziellen Walfang betrieben – und zählt dennoch seit vielen Jahren zu den prominentesten Fürsprechern einer Aufhebung des Moratoriums, das Wale seit 1986 vor der kommerziellen Jagd schützt. Diese Haltung wird seit Langem mit der Beziehung des Landes zu Japan in Verbindung gebracht, der treibenden Kraft hinter den Bestrebungen, den kommerziellen Walfang wieder zu legalisieren. Auf die Frage nach einem möglichen Gegengeschäft mit Japan verwies Antigua und Barbudas IWC-Kommissar Daven Joseph 2024 auf mehr als 200 Millionen US-Dollar an japanischer Unterstützung innerhalb von zwei Jahrzehnten – und fragte: „Is that wrong?“ („Ist das falsch?“)

Bei den vergangenen beiden IWC-Tagungen brachte das Land Resolutionen ein, die auf die Aufhebung des Moratoriums zielten. Die Vorstösse fanden keine Unterstützung – doch der Vertreter Antigua und Barbudas kündigte 2024 an, die Initiative bei der IWC70 erneut einzubringen, die vom 27. September bis 2. Oktober 2026 im australischen Hobart stattfindet. Initiativen zur Aufhebung oder Aufweichung des Moratoriums würden unweigerlich zu einer Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs in grösserem Massstab führen. Die Naturschutzorganisationen verweisen auf die zahlreichen Gefahren, denen Wale heute ausgesetzt sind – der Walfang sei davon am einfachsten zu verhindern: Er ist unnötig, grausam und aus der Zeit gefallen.

Antigua und Barbuda agiert in der Internationalen Walfangkommission als verlängerter Arm der japanischen Walfanginteressen – offenbar weitgehend unbemerkt von der eigenen Bevölkerung. Die Umfrage lässt daran keinen Zweifel: Die Menschen im Land lehnen kommerziellen Walfang klar ab“, sagt Nicolas Entrup, Director International Relations bei OceanCare.

Die Welt schaut hin – beim CHOGM

In ihrem Brief verweisen die 22 Organisationen – die weltweit Millionen von Unterstützerinnen und Unterstützern vertreten – auf den Zeitpunkt: Noch in diesem Jahr empfängt Antigua und Barbuda Regierungen, Wirtschaftsvertreter und internationale Medien – im Oktober zum Caribbean Blue Economy Summit, im November zum Gipfel der Commonwealth-Regierungschefs (CHOGM). Die fortgesetzte Vorreiterrolle bei den Versuchen, das weltweite Walfangverbot aufzuweichen, werde damit zunehmend zur Belastung für das Ansehen des Landes.

Die internationalen Organisationen fordern die Regierung auf zu erklären, dass Antigua und Barbuda keine Vorschläge einbringen, mittragen oder unterstützen wird, die eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs ermöglichen sollen – und sich stattdessen für die Einrichtung des Südatlantischen Walschutzgebiets einzusetzen.

Hinweise für Redaktionen

Medienkontakte

Anton Mattmüller, International Media Relations Officer, OceanCare, amattmueller@oceancare.org, +43 681 10619366

Thomas Schweiger, Medienarbeit IWC70, OceanCare, tschweiger@oceancare.org, +43 660 7046088 (nur WhatsApp)

Über OceanCare

OceanCare setzt sich seit 1989 weltweit für die Meerestiere und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie intensivem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. OceanCare ist vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen als Sonderberaterin für den Meeresschutz anerkannt und ist offizielle Partnerorganisation in zahlreichen UN-Abkommen und internationalen Konventionen. OceanCare engagiert sich zudem in internationalen zivilgesellschaftlichen Bündnissen wie der High Seas Alliance, Seas at Risk, oder der #BreakFreeFromPlastic-Koalition.

--

OceanCare
Gerbestrasse 6
CH-8820 Wädenswil
 www.oceancare.org