Wolfsregulierung: BAFU verteilt Abschussbewilligungen wie Gratislose
Der Verein Wolfs-Hirten und Wildtierschutz Schweiz kritisiert die erneute präventive Tötung von Welpen
Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bewilligt erneut wieder weitreichende Eingriffe in Wolfsfamilien. In Graubünden dürfen in zwölf Wolfsfamilien bis zu zwei Drittel der diesjährigen Welpen getötet werden. Bei vier weiteren Wolfsfamilien ist dies nach bestätigtem Nachwuchs möglich. Zusätzlich beantragt der Kanton die vollständige Entnahme der Calderas-Familie.
Die Kantone begründen die Abschüsse mit der Verhütung möglicher künftiger Schäden und dem Erhalt der natürlichen Scheu des Wolfs. Diese banale Argumentation reicht nicht aus, um Wolfsfamilien sozial zu destabilisieren und Welpen zu töten. Es ist hinlänglich bekannt, dass vom Wolf ein sehr geringes Risiko für Menschen ausgeht und nicht die Anzahl Wölfe, sondern die Anzahl ungeschützter Weidetiere für die Anzahl Risse verantwortlich ist.
Auch die bisherigen Erfahrungen rechtfertigen keine Fortsetzung dieser Politik. Der BAFU-Bericht zeigt, dass die Zahl der Wolfsfamilien trotz bewilligter Abschüsse von rund 115 Wölfen weiter gestiegen ist. Gleichzeitig sind die Risszahlen nach dem Höchststand von 2022 zurückgegangen. Gerade der Kanton Graubünden zeigt auch auf, dass geeignete Territorien von Wölfen wieder besiedelt werden und dass Verluste meist im nächsten Jahr kompensiert werden. Die gewählte Strategie ist nicht zielführend und ist ein Kostentreiber ohne Nutzen.
Jeder Eingriff muss verhältnismässig, wissenschaftlich abgestützt und rechtlich überprüfbar sein. Letztlich erwartet die Bevölkerung auch eine Abwägung nach ethischen Gesichtspunkten. Auch nach der Herabstufung im Rahmen der Berner Konvention bleibt der Wolf eine geschützte Art und die Schweiz hat sich verpflichtet die Art langfristig zu erhalten – was nach unserer Einschätzung nicht gegeben ist.
Was Frau Schneeberger vom Bundesamt für Umwelt, der Amtsleiter des Amtes für Jagd und Fischerei Graubünden, Hr. Arquint und seine Departementsleiterin, Frau Regierungsrätin Carmelia Maissen bei der Regulation als grosser Wirkungstreffer verkaufen wirft Fragen auf. Anhand welcher wissenschaftlich fundierter Datenlage wurde was genau gemessen? Anhand welcher Daten wird die Scheu beurteilt und wie wurden andere Einflussfaktoren ausgeschlossen? Das wird nicht erklärt. Das Wohlergehen der Wölfe, ihre ökologische Aufgabe, die Stabilität ihrer Wolfsfamilien und die Folgen zerstörter Strukturen gehen einfach vergessen.
Das AJF ist in den letzten Jahren immer mehr von einer fachlich unabhängiger Wildtierbehörde zu einem Vollzugsorgan einer deplatzierten rechtskonservativ dominierten Ausrottungspolitik geworden. Dies notabene in einem selbsternannten Naturkanton. Statt den lern- und hüteresistenten Teilen der Landwirtschaft wirksamen Herdenschutz abzuverlangen, werden Wolfsfamilien zerschossen und die Ursachen ungenügenden Schutzes mit dem Gewehr verwaltet. Aussagen von Koexistent seitens Amts sind hohle Frasen, da diese in dieser Konstellation maximaler Regulierung nie ernsthaft in Betracht gezogen worden ist.
Ein Amt, dass nach maximaler Regulierung ruft, hat Wesen, Sozialstruktur und ökologische Aufgabe des Wolfs nicht verstanden und sich bewusst der Politik geopfert, beides ist ein Armutszeugnis. So schützt man längerfristig keine Natur.
Wir kämpfen für einen sofortigen Stopp präventiver Abschüsse, die Offenlegung sämtlicher Gesuchs- und Entscheidungsgrundlagen sowie eine unabhängige und wissenschaftlich belastbare Evaluation der bisherigen Regulierung. Herdenschutz muss eingefordert und alternative Konfliktlösungen konsequent geprüft werden.
Friedliche, unauffällige Wolfsfamilien vorsorglich zu dezimieren, widerspricht klar dem Sinn des Artenschutz.
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