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Menschen mit Behinderungen im Libanon: die unsichtbaren Leidtragenden der Krise

Menschen mit Behinderungen im Libanon: die unsichtbaren Leidtragenden der Krise
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Genf (ots)

Menschen mit Behinderungen gehen in der humanitären Nothilfe nach wie vor oft vergessen. Obwohl sie in grosser Zahl in Notunterkünften und den betroffenen Gebieten leben, werden sie von Hilfsmassnahmen und Entscheidungsprozessen ausgeschlossen, was die ohnehin katastrophale Situation weiter verschlimmert. Handicap International schlägt Alarm und fordert Sofortmassnahmen, die niemanden ausschliessen.

Hinweis an die Redaktion:

  • Gerne vermitteln wir auf Anfrage Interviews mit unseren Kolleg:innen im Libanon.
  • Link zum letzten Bericht von Handicap International LEAVING NO ONE BEHIND: Making Persons with Disabilities Visible in Lebanon's Crisis (auf Englisch)

Die humanitäre Krise im Libanon trifft Menschen mit Behinderungen besonders hart, obwohl sie in offiziellen Statistiken kaum auftauchen. Laut Angaben der libanesischen Regierung (Disaster Risk Management (DRM) - Shelter Tracking Data, März 2026) wurden in Sammelunterkünften mehr als 1600 Haushalte erfasst, die von einer Person mit Behinderungen geführt werden.

Laut offiziellen Angaben wurden mindestens 2469 Menschen mit Behinderungen in Sammelunterkünften gezählt. Diese Zahl spiegelt jedoch nicht die Realität wider. Die verfügbaren Daten (Shelter Monitoring) belegen ihre Präsenz in den Aufnahmegebieten, darunter 1300 Menschen mit körperlichen Behinderungen, 761 mit kognitiven Behinderungen, 481 mit Hörbehinderungen und 338 mit Sehbehinderungen.

Doch wie viele andere, die sich in informellen Unterkünften, Autos oder unfertigen Gebäuden verstecken, bleiben unsichtbar? Der Handlungsbedarf ist enorm, denn über 400'000 Menschen, das sind 10 % der libanesischen Bevölkerung, leben mit einer Behinderung (Schätzung von UNICEF, Oktober 2025 Future of Children Report Oct 2025 EN.pdf)

Doch die humanitäre Hilfe ist nicht auf die Bedürfnisse dieser Menschen ausgerichtet: Oft sind die Unterkünfte für sie nicht zugänglich, es fehlt an Stromversorgung, die Toiletten sind unbenutzbar und es mangelt an Medikamenten sowie Mobilitätshilfen wie Rollstühlen und Prothesen. Ihr Leben ist in Gefahr und ihre Menschenwürde wird mit Füssen getreten.

Eine Krise mit gravierenden Folgen

Diese offiziellen Daten zeigen nur einen Teil der Realität, doch die Not ist konkret und unmittelbar:

  • Die Notunterkünfte, selbst solche, die als inklusiv bezeichnet werden, weisen grosse physische Barrieren auf: überfüllte Gänge, nur über Treppen erreichbare Toiletten, kein Licht, keine Privatsphäre.
  • Das ohnehin geschwächte Gesundheitssystem bietet keine Rehabilitation mehr an. Menschen mit Behinderungen verlieren somit den Zugang zu grundlegender Versorgung.
  • Bei Evakuierungen müssen viele Menschen mit Behinderungen Rollstühle und Krücken zurücklassen. Das macht sie noch verletzlicher und abhängiger.

Der Waffenstillstand vom 16. April 2026 bietet eine Chance, das Leid zu begrenzen. Doch die Rückkehr muss sicher, freiwillig und barrierefrei gestaltet werden. Ohne inklusive Planung besteht die Gefahr, dass Menschen mit Behinderungen von nachhaltigen Lösungen ausgeschlossen bleiben.

Jetzt handeln: für eine inklusive Nothilfe

Handicap International ist/Wir sind seit 1992 im Libanon tätig und fordert/fordern die humanitären Akteure, Spender:innen und libanesischen Behörden auf:

  • 15 % der Mittel für humanitäre Hilfe für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen bereitzustellen - wie es internationalen Verpflichtungen entspricht;
  • in allen Erhebungen systematisch nach Behinderungen aufzuschlüsseln;
  • alle Sammelunterkünfte barrierefrei zu gestalten - gemäss den geltenden Mindeststandards
  • Behindertenorganisationen auf allen Ebenen an der Entscheidungsfindung zu beteiligen.

Pressekontakt:

Pauline Wilhelm
p.wilhelm@hi.org
022 710 93 36

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