VIER PFOTEN - Stiftung für Tierschutz
Pelzlobby statt Tierschutz? Neues Schlupfloch gefährdet wirksames Pelzimportverbot
Pelzlobby statt Tierschutz? Neues Schlupfloch gefährdet wirksames Pelzimportverbot
WBK-S spricht sich für eine Lösung aus, die sich an Standards der Pelzindustrie orientiert
Zürich, 19. August 2026 – Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerats (WBK-S) beriet gestern über den Gegenvorschlag zur sogenannten Pelz-Initiative, die ein Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte fordert. VIER PFOTEN in der Schweiz und die Organisationen Stiftung für das Tier im Recht (TIR), Schweizer Tierschutz STS, Zürcher Tierschutz, Sentience und Animal Rights Switzerland bedauern die Beschlüsse der WBK-S, da diese eine Hintertür schaffen, über die tierquälerisch gewonnener Pelz auch weiterhin in die Schweiz gelangen könnte. Damit verliert der indirekte Gegenvorschlag aus Sicht des Tierschutzes jegliche Wirksamkeit und verfehlt sein Ziel komplett.
Der ursprüngliche Gegenvorschlag des Bundesrats zur Pelz-Initiative – der sowohl vom Nationalrat gutgeheissen als auch von Tierschutzseite begrüsst wurde – sieht vor, dass das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) im Rahmen eines Zertifizierungsprogramms festlegt, welche Methoden der Pelzproduktion als tierquälerisch gelten und vom Importverbot betroffen sind.
Eine Mehrheit der WBK-S hat sich nun unter dem Deckmantel der Klärung des Verfahrens dafür ausgesprochen, dass stattdessen die Standards eines «international anerkannten Zertifizierungsprogramms» massgeblich dafür sein sollen, welche Pelzprodukte weiterhin in die Schweiz importiert werden dürfen. Das Problem dabei: Eine unabhängige international anerkannte Pelzzertifizierung existiert nicht. Die einzigen bestehenden internationalen Zertifizierungssysteme stammen vielmehr von der Pelzindustrie selbst und bilden lediglich den tierquälerischen Status quo der industriellen Pelztierhaltung ab. Aus diesem Grund wurde ein ähnliches Unterfangen der Pelzlobby bereits im vergangenen Jahr vom Nationalrat sehr deutlich abgelehnt.
Risiko für den Schweizer Markt
Die von der WBK-S vorgeschlagene Anpassung würde Tür und Tor dafür öffnen, dass Pelzprodukte aus Haltungs- oder Tötungsmethoden, die nach Schweizer Verständnis als tierquälerisch gelten, weiterhin in die Schweiz importiert werden könnten. Damit würde das angestrebte Importverbot zahnlos.
94% der Stimmbevölkerung wünscht ein wirksames Pelzimportverbot
Der Entscheid steht im Widerspruch zur klaren Haltung der Schweizer Bevölkerung, die strengere Regeln für den Handel mit Pelzprodukten unterstützt. Dies zeigt eine aktuelle Studie von gfs-zürich. Darin wird auch gefragt, wer bestimmen soll, welche Produktionsmethode als tierquälerisch gilt: Nur 1% der Befragten unterstützt hier eine Lösung, nach der die Pelzindustrie die Standards festlegt. Die Befragten trauen in dieser Frage entweder den Schweizer Behörden (45%) oder Tierschutzorganisationen (52%).
Klare Forderung an den Ständerat, an der Version des Nationalrates festzuhalten und den Willen der Bevölkerung zu respektieren.
Nur die Fassung von National- und Bundesrat gewährleistet einen wirksamen Vollzug und setzt das Anliegen der Initiative verhältnismässig, glaubwürdig und rechtssicher um. Das Zertifizierungsprogramm des BLV ist bis Ende 2026 einsatzbereit, erfüllt die Anforderungen des Tierschutzes und ermöglicht eine praktikable und wirksame Umsetzung des Anliegens der Volksinitiative. Sollte dem Vorschlag der WBK-S gefolgt werden, würde eine bereits weit fortgeschrittene und sorgfältig erarbeitete Lösung der Bundesverwaltung durch eine Scheinlösung ersetzt. Falls der Gegenentwurf in der von der WBK-S vorgeschlagenen abgeschwächten Form angenommen werden sollte, würden VIER PFOTEN und die eingangs genannten Organisationen die Volksinitiative unterstützen.
Über VIER PFOTEN VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichen Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heimtiere, sogenannte Nutztiere und Wildtiere – wie Bären, Grosskatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemässer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in 13 Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen. In der Schweiz ist die Tierschutzstiftung ein Kooperationspartner vom Arosa Bärenland, dem ersten Bärenschutzzentrum, welches geretteten Bären aus schlechten Haltungsbedingungen ein artgemässes Zuhause gibt. www.vier-pfoten.ch
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