Alle Meldungen
Folgen
Keine Meldung von comparis.ch AG mehr verpassen.

comparis.ch AG

Medienmitteilung: Die nächste Prämienrunde tut weh – plus 5,0 Prozent

Ein Dokument

Medienmitteilung

Comparis-Kommentar zu den Krankenkassen-Grundversicherungsprämien 2027

Die nächste Prämienrunde tut weh – plus 5,0 Prozent

Nach dem Plus von 4,4 Prozent für 2026 bleibt die erhoffte Entspannung bei den Krankenkassenprämien auch 2027 aus. Sie steigen im kommenden Jahr durchschnittlich um 5,0 Prozent. Dafür gibt es gemäss Comparis-Versicherungsexperten Harry Büsser drei Hauptgründe: «Erstens werden laufend neue Medikamente, Therapien und andere medizinische Leistungen von der Grundversicherung bezahlt. Zweitens dürften die tatsächlichen Kosten 2026 höher ausfallen, als bei der Festlegung der diesjährigen Prämien erwartet wurde. Und drittens wissen wir wegen der Abrechnungsverzögerungen nach der Einführung von TARDOC und den ambulanten Pauschalen noch nicht genau, wie teuer 2026 tatsächlich wird. Die Versicherer mussten den Preis für 2027 also festlegen, obwohl ein Teil der Rechnung für 2026 noch gar nicht auf dem Tisch liegt.»

Zürich, 29. September 2026 – Die Hoffnung auf eine nachhaltige Entspannung bei den Krankenkassenprämien erfüllt sich nicht. Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil ein wichtiger Verstärker der Prämienanstiege der vergangenen Jahre an Bedeutung verliert: 2022 waren die Gesundheitskosten deutlich höher als die Prämieneinnahmen, gleichzeitig verloren die Krankenversicherer viel Geld an den Finanzmärkten. Dadurch schrumpften ihre Reserven stark. Inzwischen haben sich diese wieder deutlich stabilisiert. Trotzdem bleibt der Prämienanstieg hoch.

«Der Blick muss deshalb dorthin, wo die Rechnung entsteht: in die medizinische Versorgung. Immer mehr Leistungen werden von der Grundversicherung bezahlt, bestehende Leistungen werden häufiger beansprucht und einzelne Behandlungen werden teurer. Wer die Prämien bremsen will, muss das Kostenwachstum bremsen», sagt Comparis-Versicherungsexperte Harry Büsser.

Mehr Leistungen, höhere Kosten

Laut Kostenmonitoring des Bundes wachsen mehrere Leistungsbereiche weiter stark: Die Kosten für Spitex-Leistungen lagen im zweiten Quartal 2026 rund 15 Prozent über dem Vorjahr, jene für psychologische Psychotherapie rund 11 Prozent und jene für Physiotherapie rund 7 Prozent.

Auch für das Gesamtjahr zeichnet sich keine deutliche Entspannung ab: Gemäss BAG rechnen die Krankenversicherer für 2026 aktuell mit einem Kostenanstieg von knapp über 5 Prozent. Das Bundesamt sieht derzeit keine Hinweise darauf, dass sich das Kostenwachstum deutlich abschwächt.

«Die Bevölkerung wird älter, und der medizinische Fortschritt ermöglicht neue Medikamente und Therapien. Das ist eine gute Nachricht für Patientinnen und Patienten. Aber gratis ist es nicht», sagt Büsser. Hinzu kommt die Teuerung, die sich erst mit Verzögerung in höheren Löhnen, Preisen und Tarifen im Gesundheitswesen niederschlägt.

Prämien 2026 dürften die Kosten nicht ganz decken

Die Reserven der Krankenversicherer sind mit 8,6 Milliarden Franken wieder deutlich stabiler als noch vor wenigen Jahren. Das klingt nach enorm viel Geld, entspricht aber nur grob zweieinhalb Monatsprämien. Bran­chenweit besteht damit kein vergleichbarer Druck mehr, die Reserven stark aufzustocken wie nach dem Einbruch von 2022.

Das BAG rechnet damit, dass die Prämieneinnahmen 2026 die Kosten leicht unterschreiten – für Fachleute: Die geschätzte Combined Ratio liegt bei knapp 101 Prozent. Damit entsteht für 2027 ein kleiner Nachholbedarf: Die Prämien müssen nicht nur das erwartete Kostenwachstum finanzieren, sondern auch einen Teil der Unterdeckung aus dem laufenden Jahr auffangen.

«Das lässt sich mit einer Haushaltskasse vergleichen», erklärt Büsser. «Wenn dauerhaft 101 Franken ausgegeben werden, aber nur 100 Franken hereinkommen, kann man die Differenz eine Zeit lang aus dem Ersparten decken. Auf Dauer müssen die Einnahmen aber wieder zu den Ausgaben passen.»

Neues Tarifsystem TARDOC vernebelt die Kostenstatistik

Seit Anfang 2026 gilt für ambulante ärztliche Leistungen das neue Tarifsystem mit TARDOC und ambulanten Pauschalen. Die Umstellung hat zu Verzögerungen bei der Abrechnung geführt, vor allem bei den Spitälern. Das verzerrt derzeit das Bild der tatsächlichen Kostenentwicklung: Im zweiten Quartal 2026 wies das BAG auf Basis der von den Versicherern bereits verarbeiteten Rechnungen lediglich ein Kostenwachstum von 0,4 Prozent aus. Wann die verzögerten Abrechnungen aufgeholt werden und wie stark die Kosten dann tatsächlich gestiegen sein werden, kann das BAG derzeit noch nicht abschätzen.

«Medizinische Leistungen werden nicht billiger, nur weil ihre Rechnungen später gestellt oder verarbeitet werden», warnt Büsser. «Die ausgewiesenen 0,4 Prozent vermitteln deshalb ein trügerisch ruhiges Bild. Fällt der Nachholeffekt grösser aus als erwartet, könnte er sogar noch die Prämien 2028 belasten.»

4 bis 5 Prozent pro Jahr führen zu exponentiellem Wachstum und einer Prämienexplosion

Ein kontinuierlicher jährlicher Anstieg von 4,5 Prozent bedeutet, dass sich eine Prämie innerhalb von 10 Jahren um rund 55 Prozent erhöht. «Ein dauerhaftes Prämienwachstum über dem Lohnwachstum ist für die Haushalte gefährlicher als ein einzelnes schlechtes Jahr», sagt Büsser. «Gesundheitspolitik ist dann erfolgreich, wenn sie das langfristige Kostenwachstum bremst, nicht, wenn eine einzelne Prämienrunde etwas weniger schmerzhaft ausfällt.»

Trotz Prämienanstieg gibt es Sparpotenzial

Auf eine Lösung des Kostenproblems müssen Versicherte nicht warten, wenn sie ihre persönliche Belastung reduzieren wollen. Ein Kassen- oder Modellwechsel kann helfen. Denn die Leistungen der Grundversicherung sind gesetzlich vorgeschrieben, die Prämien unterscheiden sich je nach Krankenkasse, Wohnort, Versicherungsmodell und Franchise trotzdem erheblich.

«Die Gesundheitskosten kann der Einzelne kaum beeinflussen. Wie viel er persönlich für die Grundversicherung bezahlt, dagegen schon», sagt Büsser. «Gerade nach einer weiteren kräftigen Prämienerhöhung lohnt sich ein Vergleich.» Je nach Ausgangslage lassen sich dadurch mehrere hundert Franken pro Jahr sparen, ohne dass sich der gesetzliche Leistungsumfang der Grundversicherung verändert.

Wer seine Grundversicherung auf den 1. Januar 2027 wechseln will, kann nach Mitteilung der neuen Prämie bis zum 30. November 2026 kündigen. Die Kündigung muss spätestens an diesem Tag bei der bisherigen Krankenkasse eingetroffen sein; der Poststempel genügt nicht.

Weitere Informationen:

Harry Büsser
Krankenversicherungsexperte
Telefon: 044 360 53 91
E-Mail:  media@comparis.ch
comparis.ch

Über comparis.ch

Mit über 80 Millionen Besuchen im Jahr zählt comparis.ch zu den meistgenutzten Schweizer Websites. Das Unternehmen vergleicht Tarife und Leistungen von Krankenkassen, Versicherungen, Banken sowie Telecom-Anbietern und bietet das grösste Schweizer Online-Angebot für Autos und Immobilien. Dank umfassender Vergleiche und Bewertungen bringt das Unternehmen Transparenz in den Markt. Dadurch stärkt comparis.ch die Entscheidungskompetenz von Konsumentinnen und Konsumenten. Das Unternehmen wurde 1996 vom Ökonomen Richard Eisler gegründet und ist in Privatbesitz. Das Unternehmen gehört heute noch dem Gründer Richard Eisler. Es sind keine anderen Unternehmen oder der Staat an Comparis beteiligt.

Weitere Meldungen: comparis.ch AG
Weitere Meldungen: comparis.ch AG