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02.04.2020 – 15:33

Fastenopfer

Das Virus fliegt mit

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Das Leben steht still. Die Medien berichten ausführlich über ausgestorbene Städte und die Situation in Europa, die in uns vertrauten Verhältnissen leben. Doch die Pandemie rollt auf den globalen Süden zu. Was heisst das für die Menschen in den Ländern, in denen Fastenopfer arbeitet?

Im Stundentakt wird derzeit berichtet, welche Auswirkungen das Coronavirus auf Europa hat. Seuchenherde im Skigebiet, Angesteckt am Fussballmatch, Lockdown in der Schweiz, in Grossbritannien, Spanien, Italien, nur noch eine Stunde täglich Joggen in Frankreich, Einkaufen mit Masken in Österreich. Schlagzeilen, die uns ohne Ende um die Ohren fliegen. Und immer wieder die Aufforderung die Hände zu waschen, Abstand zu halten und am besten zuhause zu bleiben.

Noch mitten drin in der Ökumenischen Kampagne zum Thema Saatgut, musste Fastenopfer-Kampagnengast Mercia Andrews zurück nach Südafrika reisen. Die mit ihr geplanten Anlässe waren abgesagt worden. Es fiel ihr schwer untätig herumzusitzen, während ungewiss war, wie ihr eigenes Land auf die Krise reagieren würde. Sie hatte auch Angst, sich in der Schweiz anzustecken und die Covid-19 nach Südafrika zu bringen. Schliesslich ist Mercia Andrews, die das Bäuerinnen-Netzwerk Rural Women‘s Assembly mitbegründet hat, mit einem der letzten Flüge am 10. März von Zürich Kloten zurückgeflogen.

Händewaschen – doch wie, ohne Wasser?

Inzwischen ist der Virus in Südafrika angekommen: Lockdown auch dort, ein Versammlungsverbot wurde ausgesprochen. Auch hier die Empfehlung; Händewaschen, Abstand halten, zuhause bleiben. Doch wo bleiben die Menschen, die kein Zuhause haben? Staatspräsident Cyril Ramaphosa hat Hilfe versprochen, aber wie wird sie aussehen? Die gleichen Fragen stellen sich die Menschen in Nepal, Senegal, Kenia, Burkina Faso, und den Philippinen, wo für die nächsten sechs Monate der Ausnahmezustand ausgerufen wurde. In Madagaskar wurden 900 Personen, die mit drei Flugzeugen aus Frankreich ankamen, unter Quarantäne gestellt. In Indien gibt es eine Ausgangssperre für 1,3 Milliarden Menschen. Doch in Scharen strömen sie aus den Städten. Sie wollen nach Hause aufs Land, zu ihren Familien. Dafür sind sie auch bereit hunderte von Kilometern zu Fuss zu gehen. Eine Tragödie. Die Demokratische Republik Kongo kämpfte bereits mit Röteln und anderen Viruserkrankungen, an denen zahlreiche Menschen sterben. Nun kommt das Corona-Virus dazu.

Ausnahmezustand herrscht inzwischen in allen Ländern, in denen Fastenopfer arbeitet. Doch wie sollen Menschen, die keinen Zugang zu Wasser haben, sich regelmässig die Hände waschen? Und wenn – wie in Südafrika – zusätzlich eine grosse Dürre dem Land zu schaffen macht, woher soll das Wasser genommen werden? Notabene fehlt auch das Wasser, das die Bäuerinnen und Bauern brauchen, um ihre Felder zu bewässern. Im Senegal steigen die Nahrungsmittelpreise und machen es für die Ärmsten immer schwieriger, sich Essen kaufen zu können. Vorräte anlegen kann nur der reichste Teil der Bevölkerung. Wie soll der verlangte Abstand und das Social Distancing eingehalten werden, wenn die ganze Familie gemeinsam auf engstem Raum lebt?

Menschenrechte unter Druck

Fastenopfer ist tätig in Ländern, in denen die Menschenrechte zunehmend unter Druck sind. Versammlungsverbote und Überwachung der Handys erschwerten bereits vorher den Aufbau von Widerstandsbewegungen. «Einige Regimes nutzen den Ausnahmezustand nun, um repressive Massnahmen zu ergreifen und Freiheit und Menschenrechte einzuschränken», sagt Bernd Nilles, Geschäftsleiter von Fastenopfer. Bereits melden die Partnerorganisationen, dass die Mitarbeitenden vielerorts nicht mehr in die Dörfer gehen können, keine Ausbildungen mehr stattfinden und die Solidaritätsgruppen sich nicht mehr versammeln dürfen. «Unsere Projektmitarbeitenden helfen trotzdem wo es geht, einfach per Telefon – sofern dies möglich ist». Sie verbreiten Informationen und Verhaltensregeln und beraten die Dorfgemeinschaften bei Schwierigkeiten. Die Notkredite, über die die Solidaritätskalebassen verfügen, funktionieren im Moment weiter, denn um diese zu sprechen, muss sich nicht die ganze Gruppe versammeln. Dass die Solidaritätsgruppen aber keine Grosseinkäufe mehr tätigen können, trifft die Gemeinschaften schwer, sie wären in dieser Zeit ein nützliches Mittel gegen die überhöhten Nahrungsmittelpreise.

Zu den bereits bestehenden Krisen wie Gewalt, Unterdrückung, Hunger, Armut, die Folgen des Klimawandels und Krankheiten wird diese Situation der Menschen im globalen Süden durch Corona nun vielerorts noch prekärer: „Umso wichtiger ist es nun, dorthin zu schauen und diesen Menschen so gut es geht unsere Unterstützung zu bieten“, sagt Nilles. Unterstützung wird in den nächsten Wochen darin bestehen, via WhatsApp-Gruppen gegen Fake News anzukämpfen, Informationen über den Schutz vor dem Virus zu verbreiten und trotz eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten die Partnerorganisationen zu finanzieren, damit sie weiterhin ihre Mitarbeitenden bezahlen können.

Fastenopfer wird regelmässig über die Situation in den Projektländern informieren. Der nächste Text wird Eindrücken aus Südafrika schildern. Autorin wird unser Kampagnengast Mercia Andrews, die Gründerin von Rural Women Assembly sein. Wir freuen uns wenn dieser Text oder Auszüge daraus verwendet werden.

Weitere Informationen: Colette Kalt, Verantwortliche Medien, 079 352 38 04

Fastenopfer, Alpenquai 4, Postfach 2856, 6002 Luzern