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Schweiz. Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin - SGAIM

SGIM: Kein Handlungsbedarf bei den "Wechseljahren" des Mannes - Nutzen der Testosteron-Ersatztherapie medizinisch nicht belegt

(ots)

76. Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin (SGIM), 21.- 23. Mai 2008, Lausanne: Grösster Schweizer Ärztekongress unter dem Motto "Medizin und Gesellschaft"

Radrennsportler wissen es: Das Sexualhormon Testosteron eignet
sich bestens, um die Regeneration müder Muskeln zu beschleunigen. In
den USA erfreut sich Testosteron als Bestandteil von
Anti-Aging-Präparaten für den gesunden Mann ab 50 seit Jahren einer
rasant wachsenden Beliebtheit. Auch in der Schweiz verknüpfen Männer
in der zweiten Lebenshälfte den Gang zum Hausarzt oder Urologen immer
öfter mit dem Wunsch nach einer Testosteronbestimmung und einer mehr
Vitalität und Manneskraft verleihenden Behandlung. Ob das Hormon - in
diesem Fall legal angewandt - als Therapeutikum tatsächlich in der
Lage ist, diverse Befindlichkeitsstörungen des in die Jahre kommenden
Mannes zu beheben, ist aus medizinischer Sicht zurzeit eher fraglich.
Hormonmangel als Teil des natürlichen Alterungsprozesses
"Es liegen keine Studien vor, die den klinischen Nutzen der
Testosteron-Ersatztherapie bei Männern mit altersbedingtem
Testosteronmangel anhand quantifizierbarer Kritierien belegen", sagte
Prof. Christoph A. Meier, Chefarzt Innere Medizin am Zürcher
Triemlispital und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für
Endokrinologie und Diabetologie an der Jahresversammlung der
Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin (SGIM) in Lausanne.
Die Rede ist von der "Andropause", dem sogenannten Klimakterium oder
den "Wechseljahren" des Mannes. Unter diesem Begriff fassen Mediziner
verschiedene Symptome bei männlichen Individuen in der zweiten
Lebenshälfte zusammen: nachlassende Muskelkraft, abnehmendes
sexuelles Interesse, erektile Dysfunktion, depressive Verstimmungen,
vermehrte Fettanlagerung an Bauch und Hüften und Schlafstörungen.
Anders als bei der Menopause der Frau, bei der eine rapide Abnahme
weiblicher Geschlechtshormone das Ende der Fruchtbarkeit markiert,
nimmt die Produktion des Testosterons beim Mann ab dem 50. Lebensjahr
kontinuierlich ab - etwa um 1% pro Jahr. "Es gibt jedoch ältere
Männer, die mit nur leicht reduzierten Testosteronwerten mehrere der
genannten Symptome aufweisen, während andere trotz auffällig tiefer
Testosteronspiegel symptomfrei sind", berichtet der Meier. Etwa 20%
der 60- bis 70-Jährigen weisen Testosteronwerte auf, die gemäss den
Kriterien einzelner Experten als (zu) gering zu bezeichnen sind. Bei
den über 80-Jahrigen ist es sogar jeder zweite.
Gefahren überwiegen
Trotz allem rät Christoph A. Meier von routinemässigen,
medizinisch unbegründeten Testosterontests ab. Zurzeit lägen weder
Grenzwerte für einen behandlungsbedürftigen altersbedingten
Testosteronmangel noch validierte Vorgaben für therapeutische
Interventionen vor. Überhaupt sollte die Testosteron-Ersatztherapie
nach Meinung des Zürcher Internisten und Endokrinologen nur dann in
Betracht gezogen werden, wenn die geschilderten Beschwerden eindeutig
auf einen Testosteronmangel hinweisen und die Serumspiegel klar
erniedrigt sind. Zu den gefährlichsten Nebenwirkungen einer
inadäquaten Testosterontherapie zählen gutartige
Prostatavergrösserungen und Thrombosen, herbeigeführt durch eine
übermässige Vermehrung roter Blutkörperchen. Solange aber noch keine
Langzeitstudien durchgeführt wurden, die sowohl den Nutzen und als
auch die Unbedenklichkeit der Testosteron-Ersatztherapie belegen,
sind vorläufig die potenziellen Gefahren der "Andropause-Behandlung"
von grösserer klinischer Relevanz als ihr Nutzen.
Die Jahresversammlung der SGIM und ihrer Gastgesellschaften ist
mit rund 3500 Teilnehmern der grösste Schweizer Ärztekongress
(www.congress-info.ch/sgim2008). Weitere Informationen über die
Schweizerische Gesellschaft für Innere Medizin (SGIM) sind unter
www.sgim.ch erhältlich.

Kontakt:

Pressestelle der SGIM Jahresversammlung
Dr. Winfried Suske
Dr. Schlegel Healthworld AG, Steinhausen
Tel.: +41/41/748'76'29
E-Mail: w.suske@schlegelhealth.ch

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