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Stadtmuseum Aarau

Sport – was uns bewegt | Ausstellung blickt hinter Rekorde und Resultate

Sport – was uns bewegt | Ausstellung blickt hinter Rekorde und Resultate
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Sport – was uns bewegt

Höher, schneller, weiter. Wer startet mit Rückenwind? Und wer kämpft mit Gegenwind? Die neue Ausstellung im Stadtmuseum Aarau blickt hinter Resultate und Rekorde und fragt, was Sport mit uns allen zu tun hat. Sie erzählt von Menschen, die gewinnen, scheitern, Gemeinschaft finden und an Grenzen stossen. Ein neuer Blick auf die Sportwelt, der zeigt, wie viel Sport über uns als Gesellschaft verrät.

Ausstellung bis 7. März 2027 im Stadtmuseum Aarau

Liebe Medienschaffende, wir freuen uns, wenn Sie über die Ausstellung im Stadtmuseum Aarau berichten. Falls Sie mit einer Person, die in der Ausstellung zu Wort kommt, einen Rundgang machen möchten, vermitteln wir gerne den Kontakt. Benötigen Sie weiteres Material aus der Ausstellung? Melden Sie sich gerne bei mir.

Beste Grüsse, Meret Radi

Bilder, die bleiben

Jubelnde Menschenmassen an der Tour de Suisse, Xherdan Shaqiri, der den Doppeladler macht oder die Schweizer Eishockey-Mannschaft, die schon wieder «nur» WM-Zweite wird. Solche Bilder bewegen uns und bleiben in Erinnerung. Die Ausstellung «Sport – was uns bewegt» geht diesen Emotionen nach und schöpft aus einem besonderen Bilderschatz: dem Ringier Bildarchiv, welches vom Stadtmuseum Aarau dem Publikum präsentiert wird. Es hält hochemotionale und historische Sportmomente fest – zum Beispiel den Black-Power-Salute an den Olympischen Spielen 1968, als die Athleten Tommie Smith und John Carlos mit erhobener Faust gegen die Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung protestierten.

Sportbilder erzählen nicht nur von Siegen und Niederlagen. Sie zeigen auch, was eine Gesellschaft bewegt, wen sie feiert und wem sie Aufmerksamkeit schenkt. Die Ausstellung bringt aussergewöhnliche Leistungen auf Augenhöhe mit Erfahrungen, die viele aus dem eigenen Leben kennen: Freude an Bewegung, Zugehörigkeit, der Kampf mit dem eigenen Schweinehund, Körper- und Rollenbilder oder die Frage, wann Ehrgeiz zur Belastung wird.

Erfolg ist nicht gleich Goldmedaille. Athlet:innen präsentieren in der Ausstellung Auszeichnungen, die ihnen persönlich besonders viel bedeuten: einen der ersten Pokale aus Lia Wältis Jugend, Marcel Hugs ersten Olivenkranz von den Paralympics oder einen vierten Platz, der Dominique Gisin mehr Zufriedenheit gab als viele Spitzenresultate.

Wer Grenzen sprengt und wer sie setzt

«Um zu wissen, wo deine Grenzen liegen, musst du über die 100% gehen», sagt der ehemalige Skirennfahrer Niels Hintermann. Ultraradfahrer Robin Gemperle hingegen meint: «Niemand will wirklich die eigenen Grenzen erfahren.» Er legte an zuletzt an einem Ultraradrennen eine Distanz von 4700 km in etwas mehr als 10 Tagen zurück. Menschen, die solche Leistungen erbringen und ihre körperlichen und mentalen Grenzen immer wieder verschieben, faszinieren.

Doch Leistung entsteht nicht allein aus Talent, Schweiss und Willenskraft. Das Beispiel der 800-Meter-Läuferin Valentina Rosamilia zeigt, wie viele Rädchen ineinandergreifen müssen: von der Unterstützung der Familie über Verein und Verband bis zu Sport-Kanti, Armee und Sponsoring.

Und was steht dem Erfolg im Weg? Eishockeytorhüter Reto Berra bezeichnet seinen Kopf als seinen grössten Gegner. Fussballerin Coumba Sow hörte in ihrer Kindheit einen Satz immer wieder: «Fussball ist eher etwas für Jungs, Coumba.» Sie schnitt sich die Haare, um wenigstens so auszusehen wie die Jungs, mit denen sie Fussball spielen wollte.

Überwindet Sport gesellschaftliche Vorstellungen oder Ungleichheiten? Oder macht er sie erst sichtbar? Die «Athlete Studies» des Fotografen Howard Schatz zeigen die enorme Vielfalt von Körpern, die im Spitzensport zu Höchstleistungen fähig sind. Daneben führt der Blick in die Welt einer Fitness-Influencerin mitten in die Gegenwart: Wie verändern soziale Medien unseren Blick auf den trainierten Körper – und auf uns selbst?

Wie der live-Moment Mediengeschichte(n) schreibt

Auch das Mitfiebern zuhause gehört zum Sport. Sportjournalismus hat mit der Übertragung von Live-Momenten die Medienberichterstattung entscheidend weiterentwickelt. SRF-Moderatorin Annette Fetscherin erzählt in der Ausstellung, wie schnell Sportjournalismus heute reagieren muss und wie ausgewählt wird, welche Geschichten erzählt werden. Ausserdem stellt sie die Frage, ob etwa dreistündige Tennisspiele unseren veränderten Sehgewohnheiten künftig noch entsprechen.

Ein Blick ins Regiestudio einer Eishockey-WM zeigt, wie Kameras und immer neue Perspektiven das Erlebnis für ein Millionenpublikum inszenieren. Doch die Wirkung funktioniert auch umgekehrt: Was wir sehen wollen, beeinflusst, was gezeigt wird. Und der Sport verändert sich dementsprechend. Denn gezeigt wird, was die Leute am Bildschirm hält. Und was sich verkaufen lässt.

Warum bewegt Sport mich selber?

Als Seraina Zgraggen in die Stadt zog, kannte sie kaum jemanden. Im Unihockeyverein fand sie Anschluss und ein Umfeld, in dem sie sich zugehörig fühlte. Heute spielt sie noch immer im Verein und koordiniert als Vereinsfunktionärin alle Helfendeneinsätze. Ihre Geschichte zeigt, was Sport jenseits von Training und Wettkampf bewirken kann – und wie aus Mitmachen Zugehörigkeit und aus Zugehörigkeit Engagement entstehen kann.

Sport bewegt uns alle und das Publikum kann in der Ausstellung selbst aktiv werden: Der eigene Schweinehund bekommt ein Gesicht, beim Unter-dem-Tisch-Fussball werden gerechte Spielregeln ausgehandelt und Ideen für mehr Bewegung im Alltag können mitgenommen werden. Für Kinder und Familien führt ein Parcours durch die Ausstellung, der Lach- und Denkmuskeln trainiert.

Weitere Stimmen aus der Ausstellung

«Aber rein für eine olympische Medaille alleine lohnt sich der Aufwand nicht. Wofür es sich am meisten lohnt ist die Mannschaft» Scott Bärlocher, ehemaliger Ruderer

«Ich gehe jetzt ins Gym und hole mir meine Gesundheit zurück». Die Fitness-Influencerin Simona Coppola, simsallagym kritisiert die Glorifizierung vom Abnehmen und erntet mit ihren Klimmzug-Videos auf Social Media Bewunderung und Ablehnung zugleich.

«Ich möchte als Sportler und Mensch respektiert werden und nicht als behindert bewundert»

Marcel Hug, Para-Sportler

«Ich habe nicht erwartet, dass mein Coming-Out als Basketballspieler viral um die Welt geht, weil der Sport in der Schweiz nicht besonders populär ist»

Marco Lehmann, Basketballspieler

«Ich kann gut mit Nicht-Parasportlern trainieren und wir bringen uns gegenseitig zu Höchstleistungen. Es gibt auch gemeinsame Wettkämpfe.»

Nora Meister, Para-Schwimmerin

«Die Hürde ist das Zusammenbringen von Sport und Beruf. Verzicht gehört leider auch dazu. Fürs soziale Leben bleibt meist sehr wenig Zeit.»

Leonie Wieland, Unihockey-Weltmeisterin

«Definitiv fühle ich mich mit Sport als Teil der Gesellschaft. Dank Sport kann ich Kontakt knüpfen und Freundschaften aufbauen»

Rashid Yari von SPORTGERATION, einem Verein, der Sportangebote für Personen mit Flucherfahrung und Einheimische organisiert.

(Info-Box zum Ringier Bildarchiv)

Ein Blick in das Ringier Bildarchiv als Spiegel der Gesellschaft

Das Ringier Bildarchiv ist das grösste Pressebildarchiv der Schweiz in öffentlicher Hand. Es bildet die Schweiz und das Weltgeschehen ab, mit einem Schwerpunkt auf die Jahrzehnte 1950 bis 2000. Der Bilderschatz, der rund 7 Millionen Pressefotografien umfasst, wird von Bibliothek und Archiv Aargau am Standort Staatsarchiv erschlossen und im Stadtmuseum Aarau der Öffentlichkeit präsentiert. Rund ein Drittel der Bilder sind Sportfotografien – und diese halten der Gesellschaft den Spiegel vor: Das Dossier zum Schweizer Frauenfussball ist nur etwa ein Drittel so umfangreich wie jenes der FC Aarau Männer. Und es zeigt auch, dass der Blick in die Wohn- und Schlafzimmer der Sportstars ebenso interessierte, wie ihre sportlichen Leistungen im Wettkampf.

Meret Radi . Teamleiterin Stabsdienst
Stadtmuseum Aarau
Schlossplatz 23 . 5000 Aarau 
T direkt 062 843 42 54 (Di, Do, Fr)
 Stadtmuseum.ch
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