Rekordernte 2025 in einem angespannten Marktumfeld
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Infoschreiben der Interprofession vom 7. Juli 2026
Rekordernte 2025 in einem angespannten Marktumfeld
Die Interprofession Zucker hat den definitiven Preis für die Ernte 2025 festgelegt. Trotz einer Rekordernte und einer höheren Vergütung für die Produzenten bleiben die Aussichten auf dem Zuckermarkt sehr angespannt.
Definitiver Preis 2025: Eine Rekordernte zur Freude der Rübenpflanzer
Dank einer Anbaufläche von über 17'000 Hektaren erreicht der Grundpreis 54.50 CHF pro Tonne. Der Grundpreis von 53.00 CHF wird somit gemäss dem von der Interprofession eingeführten progressiven Flächenmodell um 1.50 CHF pro Tonne erhöht. Hinzu kommt im Durchschnitt eine Qualitätsprämie von 5.22 CHF pro Tonne, wodurch sich die Vergütung für Zuckerrüben (ohne Transportentschädigungen) auf 59.72 CHF pro Tonne erhöht. Eine variable Komponente kann aufgrund des angespannten Marktumfelds nicht ausbezahlt werden. Trotz diesem Umfeld kommt die Auszahlung für die Kampagne 2025 mit einer Steigerung von mehr als einem Franken pro Tonne gegenüber der Kampagne 2024 und stellt damit ein ausgezeichnetes Ergebnis für die Produzenten dar.
Ein angespanntes Marktumfeld
Die positive Entwicklung beim Rübenpreis darf jedoch nicht über die wirtschaftliche Realität der Zucker- und Lebensmittelbranche hinwegtäuschen. Der europäische Zuckermarkt befindet sich in einer besonders schwierigen Phase, die von einem deutlichen Rückgang der Zuckerpreise geprägt ist. Für diese Entwicklung sind mehrere Faktoren verantwortlich. Erstens haben die hohen Erntemengen des Jahres 2025 zu einem deutlichen Anstieg der Lagerbestände geführt. Zweitens setzt das resultierende Überangebot die Zuckerpreise zusätzlich unter Druck. Drittens haben sich gleichzeitig die Absatzmöglichkeiten der Schweizer Lebensmittelindustrie verschlechtert. Insbesondere die Nachfrage nach Schokolade ist infolge der von den USA erhobenen Zöllen als auch der sich verschlechternden Währungskurse zurückgegangen.
Zudem verlagern einzelne Unternehmen der Lebensmittelindustrie Teile ihrer Produktion an wettbewerbsfähigere Standorte im Ausland. Zuckerproduzenten in ganz Europa stehen deshalb vor ähnlichen Herausforderungen. Mehrere Länder haben bereits angekündigt, die Anbauflächen und Produktionsmengen zu reduzieren, um den Markt schrittweise wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Die preistreibenden Auswirkungen der jüngsten geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten dürften sich erst in einigen Monaten bemerkbar machen. Nach heutiger Einschätzung ist mit einer nachhaltigen Erholung des Marktes erst für 2028/2029 zu rechnen. Gewisse grundlegende Marktindikatoren deuten mittelfristig auf eine positive Entwicklung hin, doch müssen die derzeit produzierten Mengen in einem Umfeld mit anhaltend tiefen Preisen zunächst noch Absatz finden. Insgesamt liegen die Preise heute deutlich unter den Höchstwerten der Jahre 2023/24. Damals erreichte der europäische Zuckerpreis bis zu 1'000 Euro pro Tonne, aktuell bewegt er sich bei rund 500 Euro pro Tonne.
Aufgrund der beschriebenen herausfordernden Marktbedingungen ist eine Senkung des Grundpreises für die Kampagne 2027 daher unvermeidlich.
Notwendige Anpassungen
Vor diesem Hintergrund hat die Interprofession Zucker beschlossen, die Gespräche über den Richtpreis für die Kampagne 2027 auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Nach der zweiten Proberodung von Mitte August findet die nächste Interprofession Zucker statt.
Gleichzeitig sind sich die Branchenpartner einig, dass der Rübenpreis künftig stärker an die Entwicklung der Zuckerpreise auf den Märkten gekoppelt werden muss. Das heutige Modell ist zu wenig auf die Dynamik der Märkte ausgerichtet und reagiert auf starke Preisschwankungen zu träge. Die Interprofession arbeitet deshalb an neuen, flexibleren und marktnäheren Modellen. Über die nächsten Schritte wird sie zu gegebener Zeit informieren.
Gemeinsam die Herausforderungen meistern
Angesichts der aktuellen Situation verfolgen die Partner der Branche weiterhin ein gemeinsames Ziel: die Schweizer Zuckerproduktion langfristig zu sichern.
Dazu braucht es einen Selbstversorgungsgrad bei Zucker von >50 Prozent, den Erhalt der beiden Produktionsstandorte in der Schweiz sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die einen erfolgreichen Betrieb der Werke während der Kampagne ermöglichen. Ebenso wichtig sind Rübenpreise, die den Gegebenheiten des Marktes entsprechen und gleichzeitig für die Produzentinnen und Produzenten attraktiv sind.
Zusätzliche Informationen:
- Martin Flury, Präsident Schweizerischer Verband der Zuckerrübenpflanzer, Tel. 079 720 89 51
- Oliver Nussli, CEO Schweizer Zucker AG, Tel. 032 391 67 57