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BERLINER MORGENPOST: "Unfaire Diskriminierung" Thomas Fülling über Autoführer-Tauglichkeitstests für Senioren

Berlin (ots) - Eine generelle Pflicht zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit ab einem bestimmten Alter wäre nicht nur eine bürokratische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Ärzte und Rechtsanwälte, sie wäre vor allem eine unfaire Diskriminierung einer ganzen Altersgruppe. Mehr Sicherheit, so zeigen die Erfahrungen in Ländern wie Spanien und den Niederlanden, schaffen solche Zwangstests nicht. Auch wenn die öffentliche Wahrnehmung manchmal eine andere ist: Die meisten Unfälle auf den Straßen werden von jungen Autofahrern - zumeist Männern im Alter von 18 bis 24 Jahren - verursacht. Und das nicht nur in ihrer absoluten Zahl, sondern auch gemessen an ihrer Fahrleistung. So legen die Fahranfänger laut Statistischem Bundesamt knapp neun Prozent aller gefahrenen Kilometer in Deutschland zurück, sind aber für 24 Prozent der Unfälle mit Personenschäden verantwortlich. Wenn die einen verbindliche Tauglichkeitstests ab 75 Jahren fordern, könnten andere mit der gleichen Berechtigung nach einem Mindestalter von 25 Jahren für den Führerscheinerwerb rufen. Doch solche populistischen Forderungen lösen keines der Sicherheitsprobleme im Straßenverkehr.

Der Weg, den der ADAC und die Dekra beschreiten, ist daher richtig. Sie wollen mit gezielten Angeboten der stetig größer werdenden Gruppe älterer Autofahrer helfen, fit zu bleiben und sich verantwortungsbewusst im Straßenverkehr zu verhalten. Gerade für sie ist die Freiheit, selbstbestimmt unterwegs zu sein, ein wichtiger Aspekt der Lebensqualität. Zur Verantwortung jedes Einzelnen gehört aber auch der ernste, aber gut gemeinte Hinweis an den Vater oder die Großmutter: "Lass das Auto stehen, wenn du dich nicht mehr sicher fühlst."

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