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Steinbrücks "Restzucken": Hajo Schumacher über die umstrittene Geste des SPD-Kanzlerkandidaten

Berlin (ots) - Der Kanzlerkandidat der SPD reckte auf die Frage, wie er Verballhornungen seines Vornamens finde, eine klare Antwort empor - den Stinkefinger. Die Regel dieses speziellen Interview-Typs besagt, dass der Befragte nur mit Gesten antworten darf. Insofern hat Steinbrück genau das getan, was das Land von ihm erwartete: Kante gezeigt.

Dass das Bild auf dem Titel landete war Steinbrück ebenso wurscht wie der Versuch seines Sprechers, das Foto zu verhindern. Und er hat völlig Recht.

Seit seiner Kandidatur werde ihr Mann in einer widerwärtigen Art verzeichnet, hat Gertrud Steinbrück unlängst beklagt. Das mediale Geiern nach der nächsten Panne hatte ja tatsächlich pathologische Züge angenommen. Peer Steinbrück gebührt Dank für sein Restzucken der Normalität, der Ironie, die offenbar doch in ihm wohnt.

Mag Steinbrücks Stinkefinger auch einer speziellen Frage gegolten haben, so darf man den Hinweis durchaus etwas globaler verstehender. Der Finger kam von Herzen und war einer für alle: für die illoyale Parteiführung, die hysterischen Medienwelt, den politischen Gegner. Da hat sich einer Luft gemacht, der ohne diese Kandidatur eine halbe Million mehr an Vortragshonoraren kassiert hätte, mit seiner Gertrud jederzeit Scrabble spielen oder seine historischen Schiffsmodelle abstauben könnte. Ob er Kanzler kann? Ob er Kanzler will? Das weiß Peer Steinbrück wahrscheinlich selbst nicht so genau. Ob der Finger nun die entscheidenden Prozente bringt, einige Krümel kostet oder am Ende völlig egal ist - wer weiß das schon. Die gute Nachricht lautet: Peer Steinbrück hat den Irrsinn namens Wahlkampf erstaunlich lässig überlebt.

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