Medienmitteilung: Während über Zuwanderung gestritten wird, wollen 92’400 Romands die Schweiz verlassen
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Medienmitteilung
Zweite Wohnstudie von Comparis über den Kostendruck in der Westschweiz
Während über Zuwanderung gestritten wird, wollen 92’400 Romands die Schweiz verlassen
Hohe Wohnkosten machen Frankreich für viele Westschweizerinnen und Westschweizer zur Wohnalternative. Rund sieben von zehn Befragten bezeichnen Miete oder Kaufpreis in ihrer Region als teuer. 4,2 Prozent der Befragten – hochgerechnet rund 92’400 Westschweizer – sind aktiv auf der Suche nach einer Immobilie in Frankreich. «Während in der Schweiz über die Begrenzung der Zuwanderung diskutiert wird, denken viele Romands aus Kostengründen darüber nach, selbst die Grenze zu überschreiten. Das zeigt, wie stark die Wohnkosten inzwischen in den Alltag hineinwirken», sagt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser.
Zürich, 30. Juli 2026 – Die Romands ächzen unter hohen Wohnkosten. Das zeigt die repräsentative Umfrage des Internet-Vergleichsdienstes Comparis mit dem grössten Immobilienportal der Schweiz. Rund 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Miete oder Kaufpreis in ihrer aktuellen Region teuer finden. Kein Wunder, dass ein Wegzug über die Grenze nach Frankreich für viele finanziell attraktiv ist.
Befragt wurden alle französischsprachigen Regionen, also etwa auch Gemeinden im Kanton Bern. Dabei zeigen sich starke regionale Unterschiede. Während im Kanton Genf die Hälfte der Befragten die Wohnkosten nicht nur als teuer, sondern sogar als sehr teuer einstuft, sind es in Bern nur 10 Prozent, im Jura 11 Prozent und im Wallis 12 Prozent.
Besorgniserregend ist die finanzielle Belastung, die Wohnkosten im Haushaltsbudget hinterlassen: Jeder vierte Befragte gab an, 36 Prozent oder mehr vom Haushaltsbudget für Wohnkosten aufzuwenden. Acht Prozent geben sogar mehr als die Hälfte des Haushaltseinkommens für Wohnkosten aus. Entsprechend attraktiv ist für die Welschen das Auswanderungsland Frankreich, wo die Wohnkosten oft nur einen Bruchteil von dem betragen, was man in der Schweiz bezahlen muss.
Tiefere Wohnkosten sind der Hauptgrund für die Attraktivität von Frankreich
Wie in der Umfrage vor einem Jahr, zeigt sich auch dieses Jahr wieder, dass fast jeder dritte Erwachsene in der Romandie (30 Prozent) sich mit einem Umzug nach Frankreich anfreunden kann. 4,2 Prozent aller Befragten geben an, derzeit aktiv auf der Suche nach einer Wohnung oder einem Haus in Frankreich zu sein - das sind 92’400 Romands.
Das Motiv ist im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlicher ausgeprägt: Mehr Befragte als 2025 rechnen bei einem Grenzübertritt mit tieferen Mieten oder günstigeren Kaufpreisen für Wohneigentum (38 Prozent gegenüber 34 Prozent im Vorjahr).
Die Hürden für den Umzug nach Frankreich
Auch wenn Frankreich attraktiv ist, gibt es doch einen starken Hinderungsgrund für einen Umzug: 4 von 10 Romands akzeptieren keine längeren Pendelwege, um günstiger zu wohnen. Weitere 34 Prozent würden höchstens eine halbe Stunde mehr Arbeitsweg in Kauf nehmen. Damit akzeptieren rund drei Viertel der Befragten gar keine oder nur sehr begrenzte zusätzliche Pendelzeit. «Viele Romands sitzen in der Pendelfalle, weil Frankreich finanziell attraktiv wäre, ein längerer Arbeitsweg aber kaum akzeptiert ist», sagt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser.
Viele Romands pendeln heute relativ kurz: 38 Prozent brauchen eine Viertel- bis halbe Stunde, 21 Prozent weniger als eine Viertelstunde. Weitere 21 Prozent liegen bei 31 bis 60 Minuten, etwas über 6 Prozent pendeln mehr als eine Stunde.
Noch wichtiger als Pendelzeit sind soziale und organisatorische Hürden. Am häufigsten nennen die Befragten die Entfernung zu Familie und Freunden. Danach folgen Pendelzeit und Verkehrsanbindung sowie Unsicherheiten bei Verwaltung, Steuern und Krankenkasse. Frankreich ist damit für viele finanziell interessant, aber alltagspraktisch anspruchsvoll.
«Der Preis zieht. Aber Alltag, Familie und Administration entscheiden mit», sagt Büsser. «Frankreich kann für Romands finanziell attraktiv sein. Ob ein Umzug funktioniert, entscheidet sich aber daran, ob er im täglichen Leben tragbar bleibt.»
Grenzgänger im Umfeld senken die Hemmschwelle
Ganz abstrakt ist der Schritt über die Grenze allerdings nicht. Rund 68 Prozent der Befragten kennen Freunde oder Bekannte, die als Grenzgängerinnen oder Grenzgänger in Frankreich leben. Das senkt die Schwelle. Wer solche Beispiele im eigenen Umfeld kennt, nimmt einen Umzug eher als machbar wahr und weniger als Sprung ins Ungewisse.
«Grenzgänger im Bekanntenkreis machen aus einer abstrakten Idee eine reale Option», sagt Büsser. «Man sieht dann nicht nur den Preisvorteil, sondern auch, wie der Alltag auf der anderen Seite der Grenze tatsächlich funktioniert.»
Wohnungen auf dem Markt sind oft zu teuer zum Wechseln
Weil Wohnungen auf dem Markt oft deutlich teurer sind als bestehende Mietverhältnisse, bleiben viele Romands lange in ihrer aktuellen Wohnsituation. 44 Prozent der Befragten wohnen länger als 10 Jahre in derselben Wohnung oder im selben Haus. Besonders ausgeprägt ist diese Sesshaftigkeit bei den älteren Romands: 70 Prozent der über 56-Jährigen wohnen seit mehr als zehn Jahren am gleichen Ort. Auch bei den 36- bis 55-Jährigen sind es 39 Prozent – und selbst bei den 18- bis 35-Jährigen bereits 29 Prozent. «Wer schon lange in der gleichen Wohnung lebt, hat wenig Anreiz umzuziehen, wohl auch nicht über die Grenze hinweg», vermutet Büsser.
Der entscheidende Hebel bleibt mehr Wohnraum in den Zentren
Die Analyse zeigt keine einfache Abwanderungsgeschichte, sondern einen Zielkonflikt: Bleiben ist teuer, Wegziehen kompliziert. Für viele Romands ist Frankreich eine mögliche finanzielle Entlastung, aber kein müheloser Ausweg.
Für Büsser liegt die wirtschaftliche Pointe deshalb nicht allein auf der Nachfrageseite. «Zur Wohnungsnot wird hohe Nachfrage erst dann, wenn das Angebot nicht mitwächst», sagt er. «Wenn viele Menschen dort wohnen wollen, wo die Jobs, die Infrastruktur und das soziale Umfeld sind, dann muss genau dort mehr gebaut werden.»
Tipps fürs Auswandern
Gesamtkosten statt nur Wohnkosten vergleichen
Eine tiefere Miete oder ein günstigerer Kaufpreis reicht nicht als Entscheidungsgrundlage. Die aktuelle Wohnsituation sollte einem Umzug innerhalb der Schweiz und einem Umzug nach Frankreich gegenübergestellt werden, inklusive Kalkulation von Steuern, Krankenversicherung, Energie, Mobilität, Versicherungen, Gebühren und Wechselkursrisiken.
Pendelzeit realistisch testen
Nicht nur die Distanz auf der Karte prüfen. Entscheidend sind Fahrzeiten zu Stosszeiten, Grenzverkehr, ÖV-Anschluss, Parkplatzsituation und Homeoffice-Regeln.
Szenarien prüfen
Eine günstigere Alternative muss nicht nur heute passen, sondern auch bei veränderten Arbeitswegen, Familienpflichten, Zinsen, Nebenkosten oder Energiepreisen tragbar bleiben.
Soziales Umfeld mitberücksichtigen
Nähe zu Familie, Freunden, Kinderbetreuung, Schule oder Pflege kann einen finanziellen Vorteil relativieren. Ein Umzug verändert nicht nur Wohnkosten, sondern auch Alltagsorganisation und persönliche Unterstützung.
Methodik
Die repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut Innofact durchgeführt, im Auftrag des Online-Vergleichsdienstes comparis.ch, welcher das grösste unabhängige Immobilienportal der Schweiz betreibt. Die Erhebung fand im Mai 2026 statt. Befragt wurden 1’001 Personen in den Westschweizer Kantonen Genf, Jura, Neuenburg und Waadt sowie den französischsprachigen Teilen der Kantone Bern, Freiburg und Wallis
Weitere Informationen:
Harry Büsser Immobilienexperte Telefon: 044 360 53 91 E-Mail: media@comparis.ch comparis.ch
Über comparis.ch
Mit über 80 Millionen Besuchen im Jahr zählt comparis.ch zu den meistgenutzten Schweizer Websites. Das Unternehmen vergleicht Tarife und Leistungen von Krankenkassen, Versicherungen, Banken sowie Telecom-Anbietern und bietet das grösste Schweizer Online-Angebot für Autos und Immobilien. Dank umfassender Vergleiche und Bewertungen bringt das Unternehmen Transparenz in den Markt. Dadurch stärkt comparis.ch die Entscheidungskompetenz von Konsumentinnen und Konsumenten. Das Unternehmen wurde 1996 vom Ökonomen Richard Eisler gegründet und ist in Privatbesitz. Das Unternehmen gehört heute noch zur Mehrheit dem Gründer Richard Eisler. Es sind keine anderen Unternehmen oder der Staat an Comparis beteiligt.

