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03.11.2021 – 08:00

Schweizerischer Nationalfonds / Fonds national suisse

Heterosexuelle Normen belasten gleichgeschlechtliche Paare

Bern (ots)

Die Gesellschaft stigmatisiert Homosexuelle. Personen, die dieses Stigma verinnerlichen, zeigen sich in Stresssituationen kritischer gegenüber dem Partner oder der Partnerin. Dies zeigt eine vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Studie.

Paare bewältigen Stresssituationen leichter, wenn sich die Beteiligten gegenseitig unterstützen und zuhören. Das gilt auch für homosexuelle Paare. Anders ist bei ihnen allerdings, dass sie permanent mit der Stigmatisierung durch die Gesellschaft konfrontiert sind. In Zeiten mit erhöhtem Stress kann dies zur Folge haben, dass Homosexuelle die Unterstützung durch ihren Partner oder ihre Partnerin kritischer wahrnehmen. Dies zeigt Nathalie Meuwly von der Universität Freiburg und Erstautorin eines Artikels, der kürzlich in der Zeitschrift Couple and Family Psychology: Research and Practice (*) erschienen ist. Ihre Arbeit wurde vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt.

Die Psychologin beschäftigte sich mit dem Bild, das Homosexuelle von ihrer sexuellen Identität haben. Dieses kann negativ gefärbt sein, weil sie aufgrund ihrer sexuellen Identität diskriminiert werden. Man spricht in diesem Fall von einem verinnerlichten Heterosexismus - die homosexuellen Personen leiden unter dem Nichtentsprechen der heterosexuellen Norm. Meuwly wollte wissen, wie dies die gegenseitige Unterstützung bei Paaren beeinflusst.

Stress ruft Stigmatisierung wach

Ihre Studie hat gezeigt, dass sich verinnerlichter Heterosexismus normalerweise nicht auf die Zufriedenheit in der Beziehung und die Wahrnehmung der gegenseitigen Unterstützung auswirkt. Besteht hingegen eine Stresssituation, zum Beispiel am Arbeitsplatz oder aufgrund der Gesundheit, nehmen die stärker betroffenen Personen die Unterstützung durch ihren Partner oder ihre Partnerin negativer wahr. "Stressreiche Situationen scheinen die verinnerlichte Stigmatisierung durch die sexuelle Identität zu aktivieren, was wiederum die Stressbewältigung des Paares erschweren kann", sagt Nathalie Meuwly. "Im Moment wissen wir aber noch nicht, ob der Partner oder die Partnerin tatsächlich weniger Unterstützung bietet, oder ob die Unterstützung von der gestressten Person lediglich negativer wahrgenommen wird".

Noch müssen diese Ergebnisse mit einer grösseren Studiengruppe verifiziert werden, doch bereits jetzt tragen sie dazu bei, die Ursachen und Folgen eines verinnerlichten Heterosexismus bei homosexuellen Paaren besser zu verstehen. "Obwohl die Toleranz gegenüber Personen, die nicht der Norm entsprechen, zugenommen hat, beispielsweise gegenüber Homosexuellen oder Angehörigen ethnischer Minderheiten, sollten sich Psychologinnen und Psychologen sowie die Mehrheitsgesellschaft stärker bewusst werden, welche Folgen Stigmatisierung hat", ergänzt die Forscherin.

(*) Meuwly, N., Davila, J.: Associations between internalized heterosexism and perceived and observed support in same-gender couples. Couple and Family Psychology: Research and Practice (2021)

Artikel auf Anfrage verfügbar.

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Analyseinstrumente zum besseren Verständnis von homosexuellen Beziehungen

Für die Studie wurden 68 gleichgeschlechtliche Paare (26 Männer- und 42 Frauenpaare) über Websites, E-Mails, Organisationen und einen Aufruf in einer Zeitschrift rekrutiert. Die Befragten mussten in der Schweiz wohnhaft, mindestens 20 Jahre alt und seit mehr als 6 Monaten in der Beziehung sein.Um die Paarmechanismen zu erfassen, verwendeten die Forschenden mehrere Instrumente: verschiedene Fragebögen, tägliche Messungen der Unterstützung während 2 Wochen und Beobachtung der Interaktionen zwischen den Partnern und Partnerinnen.

Um den Grad des verinnerlichten Heterosexismus der einzelnen Personen zu bestimmen, verwendeten die Forschenden einen Fragebogen - eine der 9 Fragen lautete zum Beispiel: Positionieren Sie sich auf einer Skala von 1 ("überhaupt nicht einverstanden") bis 6 ("vollkommen einverstanden") gegenüber der folgenden Aussage: "Ich frage mich oft, ob andere mich wegen meiner sexuellen Orientierung verurteilen."

Die Studie wurde zwischen 2015 und 2017 durchgeführt.

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Ambizione: Unterstützung für eigenständige Forschung

Dieses Projekt wurde mit dem Förderinstrument Ambizione unterstützt. Die Ambizione-Beiträge richten sich an junge Forscherinnen und Forscher, die ein selbstständig geplantes Projekt an einer Schweizer Hochschule durchführen, verwalten und leiten möchten.

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Der Text dieser Medienmitteilung und weitere Informationen stehen auf der Webseite des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung.

Pressekontakt:

Nathalie Meuwly
Universität
Freiburg
Tel.: +41 26 300 74 86
E-Mail: nathalie.meuwly@unifr.ch

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