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MEDIENMITTEILUNG: Klimakompensation in Sierra Leone - Bericht zeigt schwerwiegende Bedenken vor Ort 

Zürich, 3. September 2026

Klimakompensation in Sierra Leone:

Bericht zeigt schwerwiegende Bedenken vor Ort 

Ein aktueller Bericht von Swedwatch, HEKS und Silnorf analysiert die lokalen Auswirkungen eines Kohlenstoffkompensationsprojekts in Sierra Leone. Das Projekt basiert auf einer bestehenden, kommerziellen Holzplantage des britischen Unternehmens Miro Forestry Developments Limited (Miro). Die Zürcher Beratungsfirma South Pole spielte darin als technische Beraterin eine wichtige Rolle. Obwohl das Projekt bei der Zertifizierungsstelle Verra registriert ist, dokumentiert der Bericht schwerwiegende Bedenken vor Ort.  

Die Holzplantage von Miro in Sierra Leone wurde ursprünglich für die kommerzielle Holzproduktion angelegt. Später ergänzte das Unternehmen Teile der Plantage um ein Kohlenstoffprojekt zur Klimakompensation. Durch nachhaltige Bewirtschaftung der Plantage soll dieses CO₂-Zertifikate erzeugen. Die Grundidee solcher Klimakompensationsprojekte ist, ausgestossenes CO₂ an anderer Stelle wieder aus der Atmosphäre zu binden und so die Emissionen der Verursacher rechnerisch auszugleichen. Solche Projekte schüren die Nachfrage nach immer mehr Land: Der freiwillige Kohlenstoffmarkt erreichte 2025 ein Volumen von über einer Milliarde US-Dollar.  

Verlust von Lebensgrundlagen 

Für die Holzplantage in Sierra Leone hat Miro seit 2012 Landpachtverträge über insgesamt fast 30'000 Hektaren abgeschlossen – eine Fläche etwa so gross wie der Kanton Genf. Der Bericht dokumentiert erhebliche Problemfelder beim Abschluss der Landverträge für die Plantage. Er wirft insbesondere Fragen bezüglich der freien, vorherigen und informierten Zustimmung seitens der lokalen Bevölkerung (Free, Prior and Informed Consent, FPIC) auf. So berichtet ein betroffener Dorfbewohner, die Verträge seien ohne unabhängige rechtliche Beratung unterzeichnet worden: «Wir haben diese Dokumente einfach unterschrieben; es war kein Anwalt dabei, und wir verstehen nicht, was wir unterschrieben haben.»  

Dieser Landverlust wirkt sich direkt auf die Lebensgrundlagen der betroffenen Gemeinschaften aus: Denn während die Projektdokumentation das an Miro abgetretene Land als «degradiert» einstuft, berichten lokale Gemeinschaften vom teilweisen Verlust ihrer Flächen für ihre Selbstversorgung. Im Moment hat Miro 10'000 Hektaren bepflanzt. Ein betroffener Kleinbauer schildert die Folgen: «Früher konnte jeder so viele Parzellen bewirtschaften, wie er wollte, aber jetzt haben wir nicht mehr genug Land. Es bleibt nicht mehr genug zum Essen übrig.»  

Frauen besonders betroffen

Besonders heikel ist die Situation für Frauen, die in erster Linie für die Ernährung der Familien verantwortlich sind. Im Bericht erzählen sie, wie sie weitgehend von Konsultationsprozessen und Pachtzahlungen ausgeschlossen wurden und zudem den Zugang zu wichtigen Ressourcen verloren. Dazu gehören auch Obstbäume, die für viele Familien eine wichtige Ergänzung der Ernährung darstellen. «Das sind Früchte, von denen unsere Kinder gelebt haben», sagt eine Dorfbewohnerin, deren Obstbäume der Plantage weichen mussten. 

Viele Dorfbewohner:innen stimmten den Landverträgen auch in der Hoffnung auf Arbeitsplätze zu. Betroffene Landbesitzer berichten jedoch, dass die versprochenen wirtschaftlichen Vorteile die Verluste an Land und Lebensgrundlagen für viele Familien nicht aufwiegen konnten. 

Die Rolle und Mitverantwortung der Zürcher Firma South Pole 

Das Zürcher Beratungsunternehmen South Pole spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Klimakompensationsprojekts. Zwar war das Unternehmen an den ursprünglichen Landverträgen zwischen Miro und den betroffenen Gemeinschaften für die Holzplantage nicht beteiligt. Dennoch lassen sich die kommerzielle Plantage und das Kohlenstoffprojekt kaum trennen, denn die Plantage bildet die Grundlage des Kohlenstoffprojekts.  

South Pole erstellte für Miro die Projektdokumentation, bilanzierte die CO₂-Bindung und -Emissionen, stellte Informationen für die Validierungs- und Verifizierungsverfahren bereit und ermöglichte den Verkauf von CO₂-Zertifikaten. Das Projekt wird von South Pole auf seiner Website als Teil seines Projektportfolios aufgeführt (Sustainable Timber Plantations).  

Zum Vorwurf, die freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) der betroffenen Gemeinschaften fehle, hält South Pole fest, lediglich für den CO₂-Teil des Projektes zuständig gewesen zu sein. In der von South Pole verfassten Projektdokumentation stützte sich das Zürcher Unternehmen bezüglich der Landrechtssituation offenbar ausschliesslich auf die Dokumente und Angaben von Miro.  

Auf die im Bericht dokumentierten Probleme angesprochen, verweist South Pole darauf, dass die Projektdokumente von Verra akzeptiert wurden und die Plantage zudem das FSC-Label für nachhaltige Holzproduktion trage. Der Bericht wirft deshalb die Frage auf, ob sich South Pole bei zentralen Fragen wie Landrechten und der Zustimmung der betroffenen Gemeinden dafür zu stark auf externe Prüfungen und Zertifizierungen verlassen hat. Probleme vor Ort blieben dabei ungesehen. 

Beratungsfirmen – die grossen Gewinner 

Die Erkenntnisse des Berichts verweisen auf ein systemisches Problem im freiwilligen Kohlenstoffmarkt (VCM). Dies macht auch ein weiteres von HEKS untersuchtes Projekt in Sierra Leone deutlich: 2021 lancierte die kanadische Firma Carbon Done Right ein Aufforstungsprojekt zur Generierung von CO₂-Zertifikaten in der Region Port Loko. Eine Recherche von HEKS und lokalen Partner-NGOs zeigte grosse Probleme vor Ort. Auch hier war mit Ecosecurities eine Schweizer Beratungsfirma an der Projektdokumentation beteiligt, die als Grundlage für den Zertifizierungsprozess bei Verra diente.  

Beide Fallstudien verdeutlichen die Kluft zwischen den Projektdokumenten einerseits und den Erfahrungen der betroffenen Gemeinschaften andererseits. Zugleich dokumentieren sie die Schwächen eines Systems, in dem die Einhaltung von Landrechten und die Zustimmung der lokalen Bevölkerung kaum unabhängig überprüft werden.  

Miro erzielte 2024 mit dem Verkauf von CO₂-Zertifikaten Einnahmen von 6,7 Millionen US-Dollar über seine beiden Projekte in Afrika. Nach Aussagen befragter Landbesitzer sind die lokalen Gemeinschaften aber bisher nicht an den Erträgen der Verkäufe beteiligt worden, und gebe es keinen funktionierenden Mechanismus zur operativen Gewinnbeteiligung. Gleichzeitig wurden 1.1 Millionen US-Dollar für Audits, Verifikationen und Beratungen bezahlt. Das Unternehmen räumt ein, noch keinen Gewinn gemacht zu haben, kündigte aber an, ab Januar 2027 ein Umsatzbeteiligungsmodell als Alternative zu prüfen. 

Wer vom Geschäft mit CO₂-Zertifikaten profitiert, sei deshalb genauer zu hinterfragen, sagt HEKS-Landrechtsexpertin Silva Lieberherr: «Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung im freiwilligen CO₂-Markt fliesst an Projektentwickler, Beratungsunternehmen und andere Vermittler, viele davon mit Sitz in wohlhabenden Ländern. Für die betroffenen Gemeinschaften bleibt oft nur ein kleiner Teil der Einnahmen.» 

Bericht (englisch): https://heks.ch/miro-report

Zusammenfassung: https://heks.ch/miro-report_zusammenfassung

Fotos: https://heks.picturepark.com/s/bdmsA1or

Informationen: Telefon 076 461 88 70 oder redaktion@heks.ch

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