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Kommentar zu Medien
Auszeichnungen
Bambi

Osnabrück (ots) - Bambi für Blindheit

Schon vor vier Jahren geriet der Bambi-Preis in die Kritik. Hollywoodstar Tom Cruise erhielt das vergoldete Kitz in der Kategorie Mut. Nicht wenige fragten sich damals: Erfordert sein Spagat zwischen schillernder Scientology-Figur und schauspielerndem Familienvater etwa Tapferkeit? Gestern zeigte der Burda-Konzern, dass er sich bei der Würdigung seiner Preisträger noch unterbieten kann: Skandalrapper Bushido erhielt den Bambi für, nein, nicht Aggression, sondern Integration.

Bushido setze sich ein gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft. Für diese Begründung hätte sich Burda glatt selbst den Mut-Bambi verleihen können. Oder den für Blindheit. Schließlich wird ein Mann zum Vorbild für die Jugend erklärt, der noch 2010 im Interview kundtat, einer Frau, die ihn mit Hurensohn anrede, "auf die Fresse zu hauen".

Nein, so schnell nimmt man dem Provokateur, der in seinen Liedtexten in schlimmster Fäkalsprache Frauen und Schwule diskriminiert, die Wandlung vom Saulus zum Paulus nicht ab. Sicher, eine zweite Chance verdient jeder. Doch dazu gehören neben der Distanzierung vom aggressiven Gedankengut auch entsprechende Taten. Ohnehin scheint sich Bushido wie ehedem zu inszenieren. Dahinter steckt das Kalkül, gerade als domestizierter Rapper noch CDs zu verkaufen.

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