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Weshalb wir den Drang zu immer noch günstigeren Medikamenten zwingend und sofort stoppen müssen

Weshalb wir den Drang zu immer noch günstigeren Medikamenten zwingend und sofort stoppen müssen
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Liestal (ots)

Nach den jüngsten Rückrufen von verunreinigten Valsartan-Präparaten und angesichts zunehmender Probleme mit Lieferengpässen, Re-Importen von mangelhaften Medikamenten und Rabattverträgen formiert sich in Deutschland eine breite Front aus Politikern, Apothekern, Unternehmen und Verbänden gegen einen immer stärkeren Sparzwang im Gesundheitssystem. Dies kann im Land der Discount-und "Geiz ist geil"-Doktrin wahrlich als eine 180 Grad-Wende bezeichnet werden!

Aktuell macht der Fall Valsartan Schlagzeilen in der Schweiz. Auch hier kam es zu einer Rückrufaktion bei einigen Herstellern. Es verdichten sich die Anzeichen, dass der Vorfall auch auf Versäumnisse bei der europäischen Kontrollbehörde "EDQM" mit Sitz in Strassburg zurückzuführen ist. EDQM steht für "Europäisches Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln". Die Behörde ist für die Erarbeitung des europäischen Arzneibuchs verantwortlich und stellt Konformitätsbescheinigungen für Arzneistoffe und pharmazeutische Hilfsstoffe aus, die den Dokumentationsumfang in nachfolgenden Arzneimittelzulassungsverfahren reduzieren und vereinheitlichen. Der Wirkstoff Valsartan eines chinesischen Herstellers wurde als für gut befunden, obwohl er verunreinigt war.

Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die Forderungen nach besseren Kontrollen und das Aufzeigen von immanenten Schwächen eines hochkomplexen und weitverzweigten Systems. Warum werden heute so viele Wirkstoffe in Indien und China und nicht mehr in Europa produziert? Der konstante Sparwahn bei Medikamenten hat uns in eine selbstverschuldete Abhängigkeit von Billiglohnländer geführt, - und das bei Arzneistoffen, die für unsere Gesundheit so wichtig sind. Oft stehen für bestimmte Wirkstoffe auf Grund des Kostendrucks auch in diesen Ländern nur noch ein oder zwei Hersteller zur Verfügung.

Während in Deutschland angesichts der sich häufenden Vorfälle das Pendel offensichtlich umschlägt und sich eine Abkehr von Rabattverträgen und Billigstmedizin abzeichnet, hängt hierzulande das Damoklesschwert des Referenzpreissystems für Medikamente immer noch über uns. Das, obwohl seit Monaten vor den Folgen der Einführung eines Referenzpreissystems von verschiedenster Seite gewarnt wird. Nur noch das billigste Medikament soll von der Krankenkasse erstattet werden. Vor allem kleinere Hersteller in der Schweiz werden aufgrund der sich immer weiterdrehenden Kostenschraube sich zu einem Rückzug aus dem Markt gezwungen sehen. Eine massive Verschärfung von Lieferengpässen bei lebensnotwendigen Medikamenten könnte die Folge sein. Ein Referenzpreissystem - so sind sich die meisten Experten einig - würde die Risiken auch für die Schweiz drastisch erhöhen.

Akute Versorgungsengpässe verschärfen sich weiter

Die Versorgungssituation spitzt sich schon jetzt angesichts von steigendem Kostendruck und sinkenden Gewinnmargen weiter zu. In der täglichen Praxis stehen immer öfter etablierte Arzneimittel nicht zur Verfügung. Dies als Folge von Kostensenkungen und zentralisierten Herstellungsprozessen. So kann es passieren, dass nur noch wenige Firmen - auch in China und Indien- ein Medikament herstellen. Wenn dort zum Beispiel ein Brand passiert oder eine Firma aus Qualitätsmängeln nicht mehr liefern kann, führt dies schnell zu einem Lieferengpass von einem halben oder ganzen Jahr.

"Fehlgeburt" Referenzpreise nicht importieren!

Lange Jahre haben die EU und vor allem Deutschland dem Bundesrat und dem Preisüberwacher bei ihren Forderungen nach immer günstigeren Medikamenten als Vorbild gedient. Jetzt sollten sie die Rückbesinnung der Deutschen auf mehr Qualität und Kontrolle umso ernster nehmen und sich von der Forderung nach einem Referenzpreissystem für Medikamente verabschieden. Es ist zwar kurz vor zwölf - aber zum Glück noch nicht zu spät für ein "Nein zu Referenzpreisen bei Medikamenten". Denn - der Weg, bei lebensnotwendigen Medikamenten immer weniger und weniger zahlen zu wollen, hat sich als fatal herausgestellt - wir sparen uns zu Tode! Dazu kommt, dass Medikamente auch angesichts des geringen Anteils an den Gesundheitskosten das falsche "Target" sind. Potenzielle Einsparungen - das zeigen auch die aktuellen Fälle - stehen in keinem Verhältnis zu den Gefahren für unsere Gesundheit. Schon in 2016 warnte stattdessen der Journalist Ralph Pöhner in seinem Beitrag "Unsere Medikamente sind zu billig!"

Bundesrat, Preisüberwacher und Krankenkassen - springen Sie über Ihren Schatten!

Für lebensnotwendige Medikamente mehr statt weniger zu bezahlen, wäre zwar eine erstaunliche - angesichts der jüngsten Entwicklungen aber eine nachvollziehbare Forderung. Denn, so lehrt der Fall Valsartan: Auch wenn durch höhere Aufwendungen schliesslich die Herstellkosten der Medikamente steigen - die Behörden müssen schärfere Kontrollen umgehend sicherstellen, um weitere derartige Fälle auszuschliessen. Alternativ zur Produktion von Medikamenten und Wirkstoffen in Indien oder China, könnten aber auch Anreize geschaffen werden, diese wieder im eigenen Land herzustellen. Das stärkt die Kontrolle, die nationale Sicherheit bei der Arzneimittelversorgung, fördert die Wertschöpfung und schafft Arbeitsplätze. Doch neben den wirtschaftlichen Aspekten hat die Frage der Medikamentenversorgung vor allem eine politische Dimension. Die Schweiz muss um die Verringerung ihrer Abhängigkeit bei der Versorgung ernsthaft bemüht sein. Ist es hierfür schon zu spät? Wem die Gesundheit der Schweiz am Herzen liegt, der kommt um diese zugegebenermassen schwierigen Diskussion nicht herum.

Intergenerika ist die Vereinigung der führenden Generikafirmen in der Schweiz, die ihrerseits über 90% des Generika-Volumens in der Schweiz repräsentieren. Intergenerika fördert die Akzeptanz von Generika durch Aufklärung von Medizinalpersonen, Fachverbänden, Krankenkassen und Patienten und fördert deren Verbreitung als qualitativ mindestens gleichwertige, jedoch preiswertere Arzneimittel. Im Weiteren plant und koordiniert der Verband die Kontakte zu Medien, Behörden und Vereinigungen im Bereiche von Medizinalpersonen und des Gesundheitswesens. Mit allen Massnahmen verfolgt Intergenerika das Ziel einer angemessenen Vertretung von Generika im schweizerischen Arzneimittelmarkt bzw. im schweizerischen Gesundheitswesen.

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