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EMPA: 16. Wissenschaftsapéro der Empa-Akademie Mein Auto denkt mit - Pervasive Computing im Alltag

Dübendorf (ots)

Die Durchdringung der Alltagswelt mit drahtlos
vernetzten und kaum sichtbaren Computern, «Pervasive Computing» 
genannt, ist heute noch eine Vision. Doch wie lange noch? Schon 
heute werden viele Funktionen alltäglich benutzter Gegenstände durch 
Computer gesteuert, z.B. in Autos. Am 16. Wissenschaftsapéro 
berichteten drei Referenten über bereits realisierte Entwicklungen, 
über Zukunftsvisionen und auch über Chancen und Risiken dieses 
Trends.
Der Trend zu immer mehr Computern hält an. Diese werden nicht nur 
immer billiger und leistungsfähiger, ihre Prozessoren werden auch 
immer kleiner und verstecken sich zunehmend in Alltagsgegenständen. 
Wenn dies so weiter geht, wird es in 25 Jahren den «Computer-Staub» 
geben, so die Vision des ersten Referenten am Wissenschaftsapéro, 
Prof. Dr. Friedemann Mattern, vom Institut für Pervasive Computing 
der ETH Zürich. Schon bald nämlich werden sich Prozessoren 
massenhaft in mikroskopischer Grösse herstellen lassen. Sie werden 
miteinander über Funk kommunizieren und Sensoren enthalten zur 
Erfassung ihrer Umwelt. Unsichtbar in gewöhnlichen Dingen eingebaut, 
machen sie diese «schlau»: Sie tauschen untereinander Informationen 
aus und wissen sogar, wo sie sich gerade befinden. Doch wie «smart» 
dürfen Gegenstände werden? Eine Technologie mit überall versteckten 
Computern kann dramatische Folgen haben: Abhängigkeit entsteht, die 
Privatsphäre leidet, der Stromverbrauch steigt, die Entsorgung wird 
zum Problem.
Das Auto «denkt» schon heute mit Am Beispiel des Autos lässt sich 
sehr gut verdeutlichen, wie Pervasive Computing fast unbemerkt 
Einzug gehalten hat in einen unserer Gegenstände für den 
alltäglichen Gebrauch. Dr. Reinhold Eberhardt von der 
DaimlerChrysler Telematikforschung in Ulm zeigte dies sehr 
eindrücklich. In den Autos der Premiumklasse sind heute schon bis zu 
siebzig Computer-Steuerelemente verbaut, die miteinander vernetzt 
sind und miteinander kommunizieren. Angefangen hat die Entwicklung 
beim Auto in den 70er-Jahren mit der computergesteuerten 
Benzin-Einspritzung. Weiter ging es dann mit der elektronischen 
Diagnose, mit dem Anti-Blockiersystem ABS. Heute helfen ASR, ESP, 
Regensensor, Parkhilfe usw. beim Fahren. Klimaanlage, Telefon, 
Lautstärkeregelung etc. verbessern den Komfort. Auch die 
Internetnutzung ist im Fahrzeug möglich. So können Informationen 
über den Strassenzustand, die Verkehrslage, für die Routenplanung 
und über die Wetterlage abgerufen werden. In Zukunft wird die 
Anbindung ans Internet vermehrt noch für die Ferndiagnose genutzt 
werden. Der finanzielle Aufwand für die im Auto verbaute Software 
und Hardware kann durchaus bis zu 40 Prozent des Fahrzeugpreises 
ausmachen. Kommunikationsbasierte Systeme werden in einigen Jahren 
für mehr Sicherheit im Strassenverkehr sorgen. Ein ausgelöster 
Airbag könnte z.B. die nachfolgenden Fahrzeuge warnen. Pervasive 
Computing macht im Fahrzeugbau durchaus Sinn, steht es doch im 
Dienst der Sicherheit. So verringerten sich die «Selbstunfälle» 
gemäss Eberhardt beträchtlich, seit das Stabilitätsprogramm ESP 
(Stichwort «Elchtest») praktisch in allen Neuwagen eingebaut wird.
Die schlechte Prognose hat Vorrang Prof. Dr. Lorenz Hilty von der 
Empa präsentierte eine von seiner Abteilung in Zusammenarbeit mit 
«TA-Swiss» erstellte Studie zum Thema Pervasive Computing. Er 
erläuterte Chancen und Risiken des Pervasive Computing anhand von 
Beispielen aus den Lebensbereichen «Wohnen», «Arbeit» und 
«Gesundheit». Für Hilty gilt es, bei der Risikoabschätzung immer das 
Vorsorgeprinzip (Vorrang der schlechtesten Prognose) und die 
Nachhaltigkeit zu beachten. Im Wohnbereich verspricht der 
allgegenwärtige Einsatz von Computern im «Smart Home» eine 
beträchtliche Energieeinsparung. So heizt die Wohnung erst auf, wenn 
die BewohnerInnen heimkommen. Bei der Hausarbeit kann ein 
Kühlschrank, der Menüvorschläge aufgrund seines Inhalts macht, die 
Hausarbeit erleichtern und dank Telearbeit wachsen Arbeitsplatz und 
Heim zusammen. Auf der anderen Seite ergeben sich 
Kompatibilitätsprobleme, die noch ungelöst sind, es könnte ein Zwang 
zu Ersatzinvestitionen entstehen, wenn ein Hersteller 
marktbeherrschend wäre. Bei der Arbeit stehen Rationalisierung, 
Flexibilisierung, Ortsunabhängigkeit, höhere Produktivität und 
weniger Verkehr in Aussicht. Andererseits drohen höhere 
Anforderungen und Leistungserwartungen. Paradox scheint, dass durch 
die Ortsunabhängigkeit der Verkehr unter Umständen sogar zunimmt 
statt abnimmt. Dieser Rebound-Effekt kann entstehen, wenn die Arbeit 
im noch entfernteren Ferienhaus statt am Arbeitsplatz oder zuhause 
erledigt wird. «Health Monitoring», die ständige Überwachung des 
Gesundheitszustandes einer Person, kann etwas Positives sein. 
Chronisch Kranke erhalten damit mehr Autonomie, ÄrztInnen erhalten 
bessere Gesundheitsdaten und eine schnellere Rettung wird möglich. 
Aber bedeutet es nicht auch eine Entmündigung der PatientInnen? Wie 
steht es mit dem Datenschutz? Die Auswirkungen des Pervasive 
Computing auf die Umwelt sind nicht generell positiv. 
Elektronikabfall ist bereits heute zu einem weltweiten Problem 
herangewachsen. Durch die Verkleinerung der schadstoffhaltigen Chips 
und die starke Zunahme ihrer Zahl wird es immer schwieriger, diese 
von anderem Abfall oder verwertbaren Materialien zu trennen und 
geordnet zu entsorgen.
Nach jedem Vortrag ergab sich Gelegenheit zu einigen Fragen, was 
rege benutzt wurde. So interessierte es die Anwesenden etwa, ob die 
miteinander kommunizierenden Systeme das Problem des Elektrosmog 
noch verstärken werden. Eine Frage, die verneint wurde. Denn die 
Dichte der Sender und Empfänger lässt geringere Sendestärken zu als 
z.B. die heutigen Antennen der Handys und Mobiltelefonanbieter.
Was ist der Wissenschaftsapéro? An den regelmässig stattfindenden 
Wissenschaftapéros greift die Empa- Akademie fachlich und 
gesellschaftlich relevante Fragestellungen auf. Jeweils drei bis 
vier ReferentInnen aus Forschung, Politik und Wirtschaft 
präsentieren in ihren Vorträgen Ergebnisse und Absichten zu dem 
behandelten Thema. Anschliessend stehen sie auch den nicht mit dem 
Fach vertrauten Gästen entweder in der Diskussionsrunde oder beim 
Apéro Rede und Antwort. Der nächste Wissenschaftsapéro findet statt 
am 26. April 2004 zum Thema «Auf den Zahn gefühlt: Materialforschung 
an dentalen Implantaten». Ort: Empa, Dübendorf, Zeit: 16.30. Es ist 
keine Anmeldung erforderlich.
Redaktion
Rémy Nideröst, Abt. Kommunikation/Marketing, Tel. 01 823 45 98,  
remigius.nideroest@empa.ch
Das Bild ist elektronisch erhältlich bei  remigius.nideroest@empa.ch
Bildlegende
Der allgegenwärtige Einsatz von Computern, Pervasive Computing 
genannt, hat nicht nur Vorteile. Elektronikabfall ist schon heute zu 
einem weltweiten Problem herangewachsen. 
(Bild Thomas Weibel)

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