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Er ist wieder da: Der Mammutstosszahn von Ballwil

Luzern (ots)

Endlich ist es soweit: Der Mammutstosszahn von
Ballwil kommt zurück ins Seetal! Nach einjähriger Restaurierungszeit
wird er im Rahmen der Sonderausstellung "Lebensspuren. Archäologie im
Seetal" auf Schloss Heidegg in Gelfingen ab dem 8. Juni dem Publikum
präsentiert. Am Donnerstag stellten die Verantwortlichen der
Ausstellung sowie der Finder des Zahns "Mammut-Edi" Edgar Wirz die
neue Attraktion auf dem Schloss Gelfingen vor.
Mitte September 2006 wurde in der Kiesgrube Lötscher in Ballwil LU
der Stosszahn eines Mammuts entdeckt. Der Fund erregte in den Medien
über die Grenzen der Schweiz hinaus Aufsehen. Es handelt sich um den
rechten, 1.8 m langen Stosszahn eines ausgewachsenen Mammuts. Der
Aufmerksamkeit des Baggerführers Edgar Wirz ("Mammut-Edi") ist es zu
verdanken, dass der Zahn nicht vom Bagger aus der Kieswand gerissen
wurde, wie dies üblicherweise bei derartigen Funden geschieht. So
konnte der Zahn in Fundlage untersucht und sorgfältig geborgen
werden.
Datierung
Eine C14-AMS-Datierung erbrachte kein zuverlässiges Ergebnis. Der
Zahn konnte somit nur relativ, d.h. über die geologische Datierung
der ihn umgebenden Kies- und Moränenschichten, datiert werden. Der
Mammutstosszahn wurde in einer Warmphase der letzten Eiszeit zwischen
60'000 und 28'000 Jahre vor der heutigen Zeit abgelagert. In dieser
Zeit zogen sich die Gletscher in die Voralpen zurück, die Gegend von
Ballwil wurde von gewaltigen Gletscherflüssen überspült, welche hier
grosse Kiesmassen deponierten. Der Mammutstosszahn wurde am unteren
Rand dieser rund 20 m mächtigen Kiesschicht gefunden. Daraus ist zu
schliessen, dass der Zahn schon bald nach dem Rückzug der Gletscher
hier abgelagert worden ist, also wahrscheinlich vor 40'000 bis 60'000
Jahren.
Das Mammut von Ballwil ist vermutlich im Raum des heutigen
Vierwaldstättersees verendet; sein Kadaver und seine Knochen wurden
von den Gletscherflüssen mitgetragen und in der Landschaft verteilt.
Die meisten Knochen wurden dabei verrieben. Nur widerstandsfähige
Skelettteile wie Stoss- und Backenzähne bleiben unter glücklichen
Umständen (wenn sie schnell und dauerhaft von Kies bedeckt wurden)
erhalten.
Das Mammut von Ballwil und der Mensch
Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Mammut von Ballwil von
Menschen erlegt worden sein könnte. Trotzdem war der Mensch in dieser
Zeit in unserer Region anwesend: der Neandertaler lebte in Europa
zwischen 200'000 und 30'000 Jahre vor der heutigen Zeit. Die einzige
Neandertaler-Fundstelle im Kanton Luzern ist die Höhle Steigelfadbalm
in Vitznau.
Das Mammut im Gebiet der heutigen Schweiz
Das Mammut gehört zwar zum gleichen Stamm, ist jedoch kein
direkter Vorfahre der heutigen Elefanten. Es war in Europa nördlich
der Alpen, in Asien und Nordamerika weit verbreitet. In der Schweiz
kennen wir das Mammut aus Fundstellen im Jura und Mittelland. Der
jüngste Mammutfund in der Schweiz stammt aus Praz-Rodet im Vallée de
Joux (VD) und ist rund 14'000 Jahre alt. Im nördlichen Eismeer
starben die letzten Mammuts vor ca. 4000 Jahren aus. Mammuts
erreichten rund 4 m Schulterhöhe, ein Gewicht von 4 Tonnen und wurden
50-70 Jahre alt.
Die Konservierung
Die Kantonsarchäologie Luzern wählt grundsätzlich nur
Konservierungsmethoden, die reversibel sind. Aus diesem Grund kam
eine Behandlung des Zahns z.B. mit Polyesterharz nicht in Frage.
Gewählt wurde eine Konservierung mit einem wasserlöslichen Wachs
(Polyethylenglycol PEG). Aufgrund der Grösse des Zahns konnte die
Konservierung nicht in der Schweiz durchgeführt werden. Der Auftrag
zur Konservierung wurde daher der Palaeowerkstatt Henssen in Goch (D)
erteilt.
Archäologie-Fest
Der Mammutstosszahn steht bis Ende Oktober 2008 im Zentrum der
Ausstellung "Lebensspuren. Archäologie im Luzerner Seetal" auf
Schloss Heidegg in Gelfingen. Der Anlass der "Rückkehr" des
Mammutzahns findet am 8. Juni 2008 zwischen 10.00 bis 17.00 Uhr auf
Schloss Heidegg ein Archäologie-Fest mit vielen Attraktionen statt:
- Jagd mit Speerschleuder und steinzeitlichem Pfeilbogen
   - Bearbeitung von Silex (Feuerstein)
   - nach prähistorischer Art Feuer bohren und schlagen
   - Herstellung von Glasperlenketten
   - Höhlenmalerei-Atelier
   - Schatzkiste mit "mammutmässigem" Inhalt
   - Verpflegungsstände
In der Ausstellung geben Profis Auskunft zur Konservierung des
Mammutzahns
Hinweis an die Medien
Fotos sind abrufbar unter: 
http://www.da.lu.ch/index/ausstellungen/heidegg.htm

Kontakt:

lic. phil. Jürg Manser
Kantonsarchäologe
Tel.: +41/41/228'53'07

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