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Verkehrshaus der Schweiz

Das Schweizerische Museum für Verkehr und Kommunikation benötigt eine neue Trägerschaft

Luzern (ots)

Das Verkehrshaus der Schweiz sucht die Finanzierungsgrundlage für
eine nachhaltige Zukunft
Eine durch den Leitenden Ausschuss des
Verkehrshauses diesen Frühling in Auftrag gegebene Studie kommt zum
Schluss, dass das Verkehrshaus mit seiner "erlebnisorientierten
Wissensvermittlung auch heute noch grossen Anklang im Publikum"
findet. Obwohl eine hohe Eigenwirtschaftlichkeit von mehr als 80
Prozent erreicht wurde, musste das meistbesuchte Museum der Schweiz
von seiner Substanz leben. Mittel für Bau und Erneuerungen konnten
somit nicht in ausreichendem Masse bereitgestellt werden. Des Weitern
belegt die Studie, dass dem Verkehrshaus jährlich 6 - 8 Millionen
Franken für eine nachhaltige Erneuerung fehlen. Auslöser der Studie
sind die Hauptträger und Gründer des Museums, die sich aus ihrem
langjährigen Engagement in seiner heutigen Form lösen möchten und
ihre neue Rolle eher als Sponsoren sehen.
Das 1959 eröffnete Verkehrshaus der Schweiz in Luzern kann auf
eine erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Das über Jahre konstant
hohe Niveau der Ausstellungen und die damit verbundene grosse
Bekannt- und Beliebtheit des Museums im In- und Ausland haben zur
Erfolgsgeschichte viel beigetragen. Einen ebenso grossen Anteil an
diesem Verdienst haben die Gründer und Hauptträger des auf Verkehr
und Kommunikation spezialisierten Museums, insbesondere die Post,
Swisscom AG, Swissair und die SBB AG sowie der Verband öffentlicher
Verkehr (VöV) und der Schweizerische Strassenverkehrsverband (FRS).
Diese national verankerten Institutionen haben mit ihrem Engagement
und ihrer finanziellen Unterstützung dem Verkehrshaus über Jahre die
Möglichkeit zu interessanten und abwechslungsreichen Ausstellungen
geboten. Das Verkehrshaus wurde zum Forum und Schaufenster dieser
Betriebe. Folgerichtig sind sie in den Führungsgremien und im
Leitenden Ausschuss des Verkehrshauses vertreten. Diese Form der
Zusammenarbeit mit der Trägerschaft hat dazu beigetragen, dass das
Verkehrshaus über 80 Prozent der finanziellen Mittel für den Betrieb
selbst erarbeiteten konnte, "eine stolze Leistung" wie die
Handelszeitung am 5.12.2001 festhielt.
Strategieuntersuchung durch Booz Allen & Hamilton
Mit der zunehmenden Liberalisierung und Verselbständigung der
ehemals bundeseigenen Betriebe PTT und SBB hat sich deren
Selbstverständnis und somit ihr Auftritt in der Öffentlichkeit
geändert. Das Engagement im und für das Verkehrshaus wird zunehmend
hinterfragt, zielen doch deren Marketing- und PR-Strategien in eine
andere, mehr event-, projekt- und zielpublikumsorientierte Richtung
als sie das Verkehrshaus in der heutigen Form bieten kann. Die
fehlende langfristige Finanzierungsgrundlage des Verkehrshauses
veranlassten die vier Hauptträger (die Post, Swisscom AG, Swissair
und SBB AG) zusammen mit dem Bund und den anderen Mitgliedern des
Leitenden Ausschusses, diesen Frühling die Beratungsfirma Booz Allen
& Hamilton (BAH) zu beauftragen, das Verkehrshaus zu durchleuchten
und eine IST-Analyse zu erstellen. In einem zweiten Schritt sollten
Handlungsalternativen für eine organisatorische und strategische
Neuausrichtung erarbeitet werden mit dem Ziel, das Verkehrshaus in
eine finanziell gesicherte Zukunft zu führen. Der drohende Wegfall
der Swissair als Hauptträger und die Tatsache, dass der laufende
Leistungsauftrag des Bundes Ende 2003 ausläuft, bestätigen aus
heutiger Sicht zusätzlich die Notwendigkeit dieser Untersuchung für
das Verkehrshaus. Die Ergebnisse dieser umfangreichen Studie liegen
nun vor. Insgesamt stellen die Autoren dem Verkehrshaus ein gutes
Zeugnis aus, insbesondere die erlebnisorientierte Art und Weise der
Wissensvermittlung fände beim Publikum grossen Anklang und weise
vorbildhaft in eine gute, sprich zeitgenössische Richtung.
"Integriertes Modell"
Das von BAH erarbeitete und vom Leitenden Ausschuss präferierte
Konzept heisst "Integriertes Modell". Es sieht zur Optimierung des
Museumsbetriebes eine rechtliche Zweiteilung des Verkehrshauses vor,
nämlich in einen musealen Kernbereich in der Form einer Stiftung und
in eine Betriebsgesellschaft. Die Stiftung umfasst die gesamte
Sammlung und Teile der Ausstellung, das Archiv, das Planetarium sowie
einige Attraktionen. Die übrigen, eher kommerziellen Bereiche mit dem
IMAX Filmtheater, dem HIFLYER, dem Museumsshop, den kostenpflichtigen
Attraktionen sowie der Infrastruktur übernimmt und bewirtschaftet die
Betriebsgesellschaft. Diese sollte selbsttragend arbeiten und der
Stiftung allfällige Gewinne abtreten. Die Stiftung selbst finanziert
sich aus den Eintrittsgeldern für das Museum, Sponsoring- und
Mitgliederbeiträgen sowie Subventionen der Öffentlichen Hand. Die
Vorteile dieser Zweiteilung liegen v.a. in einer erhöhten Transparenz
der Mittelbeschaffung und -verwendung bei Subventionen und
Sponsoringbeiträgen. Die Rechtsform der Stiftung schützt zudem die
Sammlung vor dem Zugriff Dritter. Kommerzielle Risiken der
Betriebsgesellschaften tangieren aus rechtlicher Sicht weder die
Stiftung noch die Öffentliche Hand. Der Verein Verkehrshaus der
Schweiz, der über 23`000 Mitglieder zählt und die Förderung des
Verkehrshauses zum Ziel hat, wird weiterhin bestehen bleiben.
Empfehlungen zur Optimierung des Verkehrshauses
Die Studie schlägt auch weitere Optimierungsmassnahmen vor, die zu
noch höherer Eigenfinanzierung beitragen sollten. Diese zielen u.a.
auf einen Ausbau des Shops, breitere Aktivitäten im
Sponsoringbereich, eine Erhöhung der Nebeneinnahmen durch mehr
Attraktionen, Sonderaustellungen und Events sowie auf eine
Reduzierung der Öffnungszeiten. Die BAH-Arbeit stellt ferner fest,
dass der Betrieb bereits über schlanke Strukturen verfügt.
6,75 - 7,85 Millionen Franken fehlen jährlich
Das Verkehrshaus hat seit der Eröffnung die reinen Betriebskosten
eigenwirtschaftlich erarbeiten können. Der resultierende Cash-Flow
ist aber viel zu klein, um für die Zukunft notwendige Investitionen
und Erneuerungen der Ausstellungen und Anlagen finanzieren zu können.
Die Studie von BAH hat nun nachgewiesen, dass nach Ausschöpfung aller
Optimierungspotenziale dem Verkehrshaus ein Restfinanzierungsbedarf
von jährlich 6.75 - 7.85 Mio. Franken verbleibt. Zu lange habe das
Verkehrshaus von der eigenen Substanz zehren und Erneuerungen
vernachlässigen müssen. Auf die Frage: "Woher dieses Geld kommen
sollte?" setzen die Verfasser der Studie auf die Möglichkeit der
Abgeltung des öffentlichen Auftrags zum Betrieb des Museums durch
Gelder der Öffentlichen Hand. Nach der Verselbständigung der
ehemaligen Regiebetriebe des Bundes (SBB und PTT) sehen sich diese in
einem liberalisierten Markt nicht mehr in der Lage, eigentliche
Bundesaufgaben zu übernehmen wie beispielsweise die Unterstützung
kultureller Projekte. Das heisst aber nichts anderes, als dass die
Öffentliche Hand (Bund, Kanton und Stadt) in die durch die BAH-Studie
aufgezeigte Lücke springen müsste. Entsprechende Gespräche mit den am
bestehenden Leistungsauftrag für das Verkehrshaus beteiligten
Partnern, mit der Stadt und dem Kanton Luzern sowie dem Bund sind der
nächste Schritt.
Wie geht es weiter?
Eine bessere Koordination und vermehrte Einbeziehung des
Verkehrshauses in die kultur-politischen Diskussionen des Bundes
wünschten sich die Gründer, Hauptträger und Mitarbeiter des
Verkehrshauses. Diese Wünsche wurden dem Verkehrshaus bereits 1958
mitgegeben, als der Bundesrat in seiner Botschaft zur Gründung bzw.
Eröffnung des Verkehrshauses im Jahre 1958 klar festhielt, dass das
Verkehrshaus der Schweiz als "besondere Institution das Schweizer
Verkehrswesen darstellen und würdigen soll", da die Geschichte der
Schweiz und die Geschichte des Verkehrs eng zusammengehören. Weiter
bestimmte damals der Bundesrat, dass das Verkehrshaus eine wichtige
Ergänzung innerhalb der bestehenden nationalen Museumslandschaft sei
und insbesondere die Inhalte des Landesmuseums und des Verkehrshauses
sich gegenseitig ergänzen sollten. Dieses klare Bekenntnis der
bundesrätlichen Politik zum Verkehrshaus, wie auch die Tatsache, dass
es das meistbesuchte und damit beliebteste Museum der Schweizerinnen
und Schweizer ist, sowie die nun vorliegende Strategie-Studie
bestätigen, dass das Verkehrshaus der Schweiz die Themen Verkehr und
Kommunikation auf einem qualitativ hohen und besucherfreundlichen
Niveau vermittelt. Es ist eine nationale Institution mit
internationaler Ausstrahlung. Und es ist mit bundesrätlicher
Unterstützung einst als das nationale Verkehrsmuseum der Schweiz
gegründet worden.

Kontakt:

Fredy Rey, Direktor
Verkehrshaus der Schweiz
Tel. +41/41/370'25'33
Fax +41/41/370'61'68
E-Mail: mgt@verkehrshaus.org

Dr. Heinrich Zemp, Präsident
Verein Verkehrshaus der Schweiz
Tel. +41/41/370'67'01
Fax +41/41/370'67'02
E-Mail: zemp-heinrich@tic.ch

Bildmaterial:
Unter www.photopress.ch findet sich eine vielfältige Auswahl
aktueller und druckfähiger Bilder über das Verkehrshaus.
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