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24.08.2020 – 08:46

Botschaft von Kasachstan in der Schweiz

Kasachstans schwieriges Erbe: von dem am stärksten betroffenen Atomwaffentestgelände zum Pionier für eine denuklearisierte Welt

Kasachstans schwieriges Erbe: von dem am stärksten betroffenen Atomwaffentestgelände zum Pionier für eine denuklearisierte Welt
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Zum Internationaler Tag gegen Nuklearversuche

Kasachstans schwieriges Erbe: von dem am stärksten betroffenen Atomwaffentestgelände zum Pionier für eine denuklearisierte Welt

- Von weltweit etwa 2000 Atomwaffentests fanden mehr als 450 in Semipalatinsk (heute: Semey), Kasachstan, statt. Jetzt steht das Land im Kampf gegen Nuklearversuche an vorderster Front.
- 29. August 1949: Die erste sowjetische Atombombe wird auf kasachischem Boden getestet.
- 29. August 1991: Kasachstans Erster Präsident Nursultan Nasarbajew unterzeichnete ein Dekret zur Schliessung des Testgeländes und verzichtete damit freiwillig auf alle nuklearen Waffen aus Kasachstan.
- 2009 erklärt die UNO den 29. August 2019 zum Internationalen Tag gegen Nuklearversuche. 

Zwischen 1949 und 1989 wurden auf dem Testgelände von Semipalatinsk schätzungsweise 456 sowjetische Nuklearversuche durchgeführt, womit es das weltweit grösste Testgelände für Nuklearversuche ist. In diesen 42 Jahren waren mehr als eine Million Kasachen bereitwillig den verheerenden Folgen der nuklearen Strahlung ausgesetzt - mehr als 110 dieser Tests fanden in der Atmosphäre statt. Wenn man bedenkt, dass bis heute weltweit etwa 2000 Atomtests stattgefunden haben, ist Semipalatinsk die bei weitem am stärksten betroffene Region der Welt. Insgesamt wurden hier nukleare Auswirkungen von 2500 Hiroshima Bomben verzeichnet. Heute tut das Land alles in seiner Macht Stehende, um eine internationale Führungsrolle für eine denuklearisierte Welt zu übernehmen.

Der 29. August ist der Internationale Tag gegen Nuklearversuche. Es gibt wohl kein Land, für das dieser Tag so wichtig ist wie für Kasachstan. Am 29. August 1949 zündeten die Sowjets auf dem Testgelände in Semipalatinsk den ersten von schätzungsweise 456 Kernsprengstoffen. Weit über eine Million Kasachen waren der radioaktiven Strahlung ausgesetzt mit Folgen, die bis heute sichtbar sind. Auf den Tag genau 42 Jahre später verbot Kasachstans Erster Präsident, Nursultan Nasarbajew, per Dekret weitere Tests und schloss das Testgelände - vier Monate vor der Unabhängigkeit Kasachstans. Viele Kasachen leben immer noch mit dem Gefühl, dass ihr Land als Versuchskaninchen diente. Das Land will aber nicht vergessen - im Gegenteil, es bemüht sich, die Vergangenheit aufzuzeigen, um als Vorbild und diplomatischer Führer im Kampf für eine denuklearisierte Welt gesehen zu werden.

Initiativen für eine denuklearisierte Welt, die von Kasachstan unterstützt werden:

- 2002 ratifizierte Kasachstan den Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT).
- Mit dem Vertrag von Semipalatinsk im Jahr 2006 beschloss Kasachstan zusammen mit anderen zentralasiatischen Staaten, eine atomwaffenfreie Zone in ganz Zentralasien zu schaffen.
- Auf einer UNO-Generalversammlung forderte Kasachstan per Resolution einen Internationalen Tag gegen Nuklearversuche, der nun seit 2009 stattfindet.
- Im Jahr 2016 war Kasachstan einer von 127 Staaten, die ein humanitäres Versprechen "in Bemühungen um die Stigmatisierung, das Verbot und die Abschaffung von Atomwaffen" unterstützten.
- Ausserdem unterstützte Kasachstan 2016 eine Resolution der UN-Generalversammlung über "ein rechtsverbindliches Instrument zum Verbot von Atomwaffen, das zu ihrer vollständigen Beseitigung führt".
- Im Juli 2017 folgte ein Vertrag über das Verbot von Kernwaffen (TPNW), das von Kasachstan ebenfalls nachdrücklich unterstützt wurde. Bis heute haben 36 Staaten den Vertrag ratifiziert - Kasachstan tat dies am 29. August 2019. Damit der Vertrag in Kraft treten kann, müssen ihn zehn weitere Staaten ratifizieren.
- Im Jahr 2019 unterstützte Kasachstan eine Resolution der UN-Generalversammlung, in der "alle Staaten aufgefordert werden, den Vertrag zu unterzeichnen, zu ratifizieren oder ihm beizutreten". Die Wortwahl ist ganz klar: Eine Mehrheit der Staaten sei "zunehmend ungeduldig" über den langsamen Fortschritt der Nuklearstaaten, erklärte Kasachstan.
- Mit der Unterbringung der Bank für schwach angereichertes Uran (LEU) in der Stadt Oskemen im Osten Kasachstans, welches an IAEO-Mitglieder verkauft wird, hat Kasachstan einen weiteren Beitrag zur Stärkung des globalen Nichtverbreitungsregimes geleistet. Eine 150-Millionen-Dollar-Infrastruktur, die neue Nationen davon abhalten soll, Nuklearbrennstoff anzureichern und zu handeln. 

Wirtschaftswachstum dank nuklearer Abrüstung

Die Schliessung von Semipalatinsk war einer der ersten unabhängigen Schritte eines souveränen Kasachstans und die wichtigste politische Entscheidung seines Lebens, sagte Kasachstans Erster Präsident Nasarbajew in Interviews. Kasachstan ist überzeugt, dass die Denuklearisierung einen grossen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum des Landes gehabt hat. In den letzten 20 Jahren konnte Kasachstan über 132 Milliarden Dollar an ausländischen Direktinvestitionen anziehen. Dies war nur dank des Vertrauens möglich, das andere Nationen durch die Denuklearisierung gewonnen haben, sagte Nasarbajew. Unter dem neuen kasachischen Präsidenten Kassym-Jomart Tokajew spielt Kasachstan weiterhin eine führende Rolle, indem es andere asiatische Länder zum freiwilligen Verzicht auf Atomwaffen aufruft.

Über Semipalatinsk

Das Atomwaffentestgelände Semipalatinsk (auch STS genannt) war für die Sowjetunion das primäre Testgelände für Kernwaffentests. Es erstreckt sich über eine Fläche von 18'000 km2 (etwa 40% der Fläche der Schweiz) in der kasachischen Steppe im Nordosten des Landes nahe der Stadt Semipalatinsk, dem heutigen Semey. Mehr als 20% aller jemals durchgeführten Atomtests weltweit fanden hier statt - mit wenig Rücksicht auf die Natur oder die Bevölkerung. Während rund 200'000 Menschen dem direkten nuklearen Fallout ausgesetzt waren, schätzt man die Zahl der Betroffenen heute auf über eine Million. Die Folgen wurden von der Sowjetunion geheim gehalten und seit der Schliessung des Gebietes im Jahre 1991 konsequent bekämpft. In einer 17-jährigen Geheimmission sorgten kasachische, russische und amerikanische Nuklearforscher und Ingenieure dafür, dass der Atommüll, insbesondere das Plutonium in den Tunnelsystemen, gesichert und abtransportiert wurde. Heute gilt das Gebiet als das einzige Testgelände der Welt, das für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Das Gebiet ist mittlerweile wieder teilweise für wirtschaftliche Zwecke nutzbar, insbesondere für Bergbau, Landwirtschaft und Tourismus.

29. August; Der Internationale Tag gegen Nuklearversuche

Seit 2009 ist der 29. August zum Internationalen Tag gegen Nuklearversuche erklärt worden. 1991 wurde genau an diesem Tag Semipalatinsk für immer geschlossen. Die UNO hat diesen Tag im Dezember 2009 in der "Resolution 64/35" verankert.

Medienstelle
Brand Affairs AG
Mail: kasachstan-media@brandaffairs.ch
Tel: +41 44 254 80 00 

Über die Botschaft der Republik Kasachstan in der Schweiz

Die Schweiz und Kasachstan unterhalten seit 1992 diplomatische Beziehungen. Die Prioritäten der Botschaft sind die Stärkung und Weiterentwicklung der strategischen Partnerschaft zwischen Kasachstan und der Schweiz, die Unterstützung von Handel, Gewerbe und ausländischen Direktinvestitionen in beiden Richtungen, die Förderung des kulturellen Austauschs, der Diplomatie und des Tourismus sowie die konsularische Unterstützung. Gegenwärtig gibt es mehr als 40 Schweizer Unternehmen, die in Kasachstan Vertretungen unterhalten.