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04.09.2020 – 22:42

Institute for Health Metrics and Evaluation

Erste weltweite COVID-19-Prognose: IHME geht davon aus, dass bis zum 1. Januar eine Dreiviertelmillion Leben gerettet werden könnten

Seattle (ots/PRNewswire)

Wenn der Winter in die nördliche Hemisphäre zurückkehrt, wird ein "tödlicher Dezember" mit fast 30.000 Todesfällen pro Tag erwartet

Das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) an der University of Washington School of Medicine prognostiziert, dass im Zuge der COVID-19-Pandemie bis zum 1. Januar weltweit fast 770.000 Menschenleben durch bewährte Mittel wie Masken und Maßnahmen wie räumliche Distanzierung gerettet werden könnten.

Die kumulierten Todesfälle, die bis zum 1. Januar erwartet werden, belaufen sich auf 2,8 Millionen; das bedeutet eine Steigerung von etwa 1,9 Millionen von jetzt bis zum Jahresende. Die Todesfälle im Dezember könnten bis zu 30.000 pro Tag ansteigen.

"Diese ersten weltweiten Prognosen sind zwar entmutigend, enthalten aber auch einen Wegweiser zur Bekämpfung von COVID-19, dem sowohl Regierungen als auch Einzelpersonen folgen können", so IHME-Direktor Dr. Christopher Murray. "Wir stehen vor einem tödlichen Dezember, insbesondere in Europa, Zentralasien und den Vereinigten Staaten. Die Wissenschaft ist eindeutig und die Beweise sind unwiderlegbar: Das Tragen von Masken, das Vermeiden von größeren Gruppen und Social Distancing sind entscheidend, um die Übertragung des Virus zu verhindern."

Das Institut modellierte drei Szenarien:

- ein "Worst-Case-Szenario", in dem die Anzahl der Maskenträger gleich bleibt und die Regierungen das Social Distancing weiter lockern, was bis Ende des Jahres zu 4,0 Millionen Todesfällen führen würde; 
- ein "Idealfall" von 2,0 Millionen Todesfällen insgesamt, sofern Masken quasi universell genutzt werden und jede Regierung Social Distancing vorschreibt, sobald die jeweilige nationale Sterberate 8 pro einer Million Einwohner täglich übersteigt; und 
- ein "zu erwartendes" Szenario, bei dem die Verwendung individueller Masken und andere Hilfsmaßnahmen unverändert bleiben, was zu etwa 2,8 Millionen Todesfällen führen würde.  

Der Unterschied zwischen "Idealfall" und "zu erwartendem" Szenario im Dezember besteht darin, dass entweder 750.000 Leben gerettet werden oder 30.000 tägliche Todesfälle auftreten.

Beide Szenarien stellen jedenfalls einen signifikanten Anstieg gegenüber den derzeitigen Todesfällen insgesamt dar, die weltweit auf fast 910.000 geschätzt werden. Die zu erwartende Verschlechterung der Situation ist zum Teil auf einen wahrscheinlichen saisonalen Anstieg der COVID-19-Fälle in der nördlichen Hemisphäre zurückzuführen. Bis heute folgt COVID-19 saisonalen Mustern, die auch im Zusammenhang mit dem Auftreten von Lungenentzündungen beobachtet werden. Wenn diese Korrelation weiter beobachtet wird, müssen die nördlichen Länder im Spätherbst und in den Wintermonaten mit mehr Fällen rechnen.

"Die Menschen in der nördlichen Hemisphäre sollten besonders wachsam sein, da der Winter näher rückt und das Coronavirus - wie auch die Lungenentzündung - in kalten Klimazonen häufiger auftritt", sagte Murray.

Murray hob hervor, dass schnelles Handeln Leben rettet.

"Wenn man sich die erschütternden COVID-19-Schätzungen ansieht, können einen diese Zahlen überfordern", sagte Murray. "Die Zahl der Toten übersteigt die Gesamtkapazität der 50 größten Stadien der Welt, ein ernüchterndes Bild, wenn man bedenkt, wie viele Menschen ihr Leben und ihre Existenz verloren haben."

Die vom IHME ausgearbeiteten Szenarien wiesen darauf hin, dass die Nationen mit den meisten Todesfällen im Vergleich zu ihrer Einwohnerzahl die Amerikanischen Jungferninseln, die Niederlande und Spanien wären. Dieses Szenario prognostiziert bis zum 1. Januar für die verschiedenen WHO-Regionen folgende Zahlen: 959.685 Todesfälle auf dem amerikanischen Kontinent, 667.811 in der Europäischen Region, 79.583 in der afrikanischen Region, 168.711 im östlichen Mittelmeerraum, 738.427 in der Region Südostasien und 191.598 in der Region des westlichen Pazifiks.

"Wir alle müssen von jenen Nationen lernen, in denen das Virus eingedämmt wurde oder in denen eine zweite Infektionswelle aufgetreten ist und schnell gehandelt wurde, um den Verlust von Menschenleben zu verhindern", sagte Murray.

Er warnte auch davor, die Strategie der "Herdenimmunität" zu verfolgen, die große Bevölkerungsteile durch Infektion und Genesung immun gegen das Virus machen soll. Ein "Worst-Case-Szenario" tritt auf, wenn Regierungen zulassen, dass eine Übertragung des Virus quasi durch die gesamte Bevölkerung läuft, was zu erheblichen Verlusten an Menschenleben führen würde.

"Diese erste globale Prognose soll die Problematik der sogenannten Herdenimmunität hervorheben, da diese Strategie grundsätzlich Wissenschaft und Ethik ignoriert und Millionen vermeidbarer Todesfälle zulässt", sagte Murray. "Das wäre - einfach ausgedrückt - eine unmenschliche Herangehensweise."

Hier die 10 Nationen mit den höchsten Pro-Kopf-Todesprognosen, sortiert nach "Worst-Case-Szenario", "zu erwartendem", d. h. wahrscheinlichem Szenario und "Idealfall":

- Worst Case: Niederlande, Spanien, Amerikanische Jungferninseln, Japan, Schweden, Rumänien, Israel, Republik Moldau, Vereinigte Staaten von Amerika, Montenegro 
- Wahrscheinlich: Amerikanische Jungferninseln, Niederlande, Spanien, Belgien, Peru, San Marino, Schweden, Vereinigte Staaten von Amerika, Ecuador, Frankreich 
- Idealfall: Amerikanische Jungferninseln, Spanien, Peru, San Marino, Kasachstan, Ecuador, Belgien, Panama, Mexiko, Kolumbien 

Top 10 Nationen mit den höchsten kumulativen Todesfällen zum Stichtag 1. Januar:

 Worst-Case-Szenario        Wahrscheinliches Szenario  Best-Case-Szenario
                                                       (Idealfall)

 Indien: 916.688            Indien: 659.537            Indien: 484.981
 (562.203-1.431,708)        (415.118-1.087.533)        (316.111-819.426)

 Vereinigte Staaten von     Vereinigte Staaten von     Vereinigte Staaten von
 Amerika: 620.029           Amerika: 410.451           Amerika: 288.381
 (463.361-874.649)          (347.551-515.272)          (257.286-327.775)

 Japan: 287.635             Brasilien: 174.297         Brasilien: 160.567
 (25.669-758.716)           (163.982-185.913)          (152.483-169.483)

 Spanien: 180.904           Mexiko: 138.828            Mexiko: 130.545
 (97.665-282.075)           (125.763-156.493)          (118.201-147.963)

 Brasilien: 177.299         Japan: 120.514             Japan: 104.808
 (166.656-189.259)          (10.301-492.791)           (7.971-456.224)

 Mexiko: 157.264            Russische Föderation:      Spanien: 66.508
 (139.863-183.739)          94.905 (57.575-170.048)    (41.980-117.239)

 Philippinen: 117.721       Frankreich: 73.743         Vereinigtes Königreich:
 (27.525-176.324)           (44.693-161.349)           59.819 (57.572-65.411)

 Frankreich: 116.415        Vereinigtes Königreich:    Philippinen: 58.030
 (51.021-342.047)           69.548 (59.680-96.669)     (7.552-137.358)

 Russische Föderation:      Spanien: 69.445            Frankreich: 46.623
 112.367 (63.165-214.363)   (43.306-122.913)           (38.070-69.559)

 Niederlande: 94.332        Philippinen: 58.412        Peru: 46.528
 (21.815-186.842)           (7.660-136.079)            (44.161-48.557)
 

Top 10 Nationen mit den höchsten kumulativen Todesfällen pro 100.000 EW zum Stichtag 1. Januar:

 Worst-Case-Szenario          Wahrscheinliches        Best-Case-Szenario
                              Szenario                (Idealfall)

 Niederlande: 549,8           Amerikanische           Amerikanische
 (127,1-1.089)                Jungferninseln: 349,8   Jungferninseln: 343,9
                              (42,4-516,3)            (39,4-514,6)

 Spanien: 393,1 (212,2-612,9) Niederlande: 204,5      Spanien: 144,5
                              (64,1-595,7)            (91,2-254,7)

 Amerikanische                Spanien: 150,9          Peru: 136,9 (129,9-142,8)
 Jungferninseln: 144,5        (94,1-267,1)
 (91,2-254,7)

 Japan: 225,1 (20,1-593,7)    Belgien: 139,7          San Marino: 132,1
                              (92,3-290,6)            (130,9-134,2)

 Schweden: 223,1 (83,1-894,3) Peru: 137,3             Kasachstan: 121,4
                              (130,1-143,2)           (53,4-183,5)

 Rumänien: 216,1              San Marino: 137,2       Ecuador: 117,4
 (106,9-384,4)                (132,4-151,2)           (109,4-128,4)

 Israel: 195,5 (93,3-363,7)   Schweden: 125,4         Belgien: 106,9 (90,9-149)
                              (71,6-394)

 Republik von Moldau: 192,3   Vereinigte Staaten von  Panama: 104,8
 (105,4-312,8)                Amerika: 125,1          (76,9-149,3)
                              (106-157,1)

 Vereinigte Staaten von       Ecuador: 118,3          Mexiko: 104,5
 Amerika: 189 (141,3-266,7)   (109,8-129,8)           (94,6-118,4)

 Montenegro: 183,3            Frankreich: 111,4       Kolumbien: 94,7
 (17,5-389,5)                 (67,5-243,7)            (81,5-112,1)
 

Die Prognosen des IHME für Indien basieren auf einem epidemiologischen Modell, das folgende Daten berücksichtigt: aufgetretene Fälle, Todesfälle, Nachweis von Antikörpern, nationale COVID-19-Testzahlen, Mobilität, vorgeschriebene räumlichen Distanzierung, Maskennutzung, Bevölkerungsdichte und Altersstruktur sowie das saisonal bedingte Auftreten von Lungenentzündungen, das stark mit dem Verlauf von COVID-19 korreliert.

Die neuen Prognosen, einschließlich zusätzlicher Prognosen für tägliche Infektionen, sind unter https://covid19.healthdata.org/india verfügbar und werden regelmäßig aktualisiert.

Informationen zum Institute for Health Metrics and Evaluation

Das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) ist eine unabhängige globale Gesundheitsforschungsorganisation an der University of Washington School of Medicine, die rigorose und vergleichbare Messungen der weltweit wichtigsten Gesundheitsprobleme vornimmt und die Strategien zu deren Bewältigung evaluiert. Das IHME setzt sich für Transparenz ein und stellt seine Informationen der Öffentlichkeit zur Verfügung, sodass politische Entscheidungsträger über jene Nachweise und Daten verfügen, die sie benötigen, um fundierte Entscheidungen über die Zuweisung von Ressourcen zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung zu treffen.

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für Pressemitarbeiter und Journalisten aus Europa: Cathy Bartley
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