Julian Zigerli und weitere im Pop-up-Store des Kunstmuseums St.Gallen
Pop-up-Store in der Lokremise kuratiert von Andrea Roca
Letztes Jahr wurde in der Lokremise erfolgreich ein Pop-up-Store mit St. Galler Künstlerinnen realisiert, deren Praxis sich auch in Form von Merch, Kleinserien und Produkten manifestiert. Nun folgt die zweite Ausgabe mit weiteren Schweizer Künstlerinnen und Designerinnen, kuratiert von Andrea Roca. Sie ist Designerin, Vermittlerin und Mitbegründerin verschiedener Projekte an der Schnittstelle von Kreativität und Verkäuflichkeit und Geschäftsleiterin des Vereins MAISON SHIFT, der sich für nachhaltige Schweizer Mode einsetzt. Zudem betreibt sie das eigene Naturkosmetiklabel The wrong wrong.
In der neuen Ausgabe des LOK Pop-up-Stores bewegen sich die eingeladenen Positionen bewusst im Spannungsfeld zwischen Kunst, Design und Konsumkultur. Während Künstlerinnen mit Formaten wie Merch, Editionen und funktionalen Objekten arbeiten, integrieren Designerinnen künstlerische Strategien in ihre gestalterische Praxis. Was bei den Fluxus-Künstler*innen als Demokratisierung des Kunstwerks begann, setzt sich heute in einer zeitgenössischen Formensprache fort, die sich der Ästhetik von Marketingtools, Bekleidung und Alltagsobjekten bedient. Umgekehrt manifestieren sich gestaltete Alltagsgegenstände als autonome Objekte.
Der Pop-up-Store wird so zu einem Spielfeld, in dem Fragen nach Autorschaft, Wert, Reproduzierbarkeit und Zugänglichkeit neu verhandelt werden. Die beteiligten Positionen behandeln zentrale Themen der Gegenwart. Disziplinenübergreifend werden Fragen rund um Body- und Identity-Positivity ebenso untersucht wie die neue Wertschätzung handwerklicher Praktiken. Kissen transformieren sich zu dreidimensionalen Objekten, Alltagsgegenstände werden redimensioniert, verzerrt und umgedeutet. Über Lebensmittel werden Währung und Wert reflektiert, Postkarten zu fragilen, zugespitzten keramischen Leckereien stilisiert. Accessoires treten als Manifeste auf, naive Malerei erscheint in neuer Lesart.
Mit Amos Angeles, IKOU TSCHÜSS, ISSU ISSU, Jutta Galizia, MICKRY 3, Vera Mattmann, Talaya Schmid und Julian Zigerli
Der Pop-Up Store in der LOK by Kunstmuseum St.Gallen ist bis zum 30. November 2026 geöffnet. Während der Sommerpause vom 13. Juli bis 21. August 2026 bleibt der Pop-Up Store geschlossen.
Zu den Teilnehmer*innen:
Amos Angeles
Die Arbeiten von Amos Angeles oszillieren zwischen Kunstwerk und Konsumästhetik. Mit Goldstei und Goldtaler bringt er eine neue Währung in Umlauf: ein nach familiärem Rezept hergestelltes Früchtebrot, in goldene Folie verpackt und vom Künstler selbst verkauft. Zwischen Werk und Ware verschiebt sich der Begriff von Wert ins Alltägliche. Seine Praxis zeigt, dass Wert eine kollektive Zuschreibung bleibt.
IKOU TSCHÜSS
IKOU TSCHÜSS, gegründet von Guya Marini und Carmen D’Apollonio, bewegt sich zwischen Bekleidung, Accessoires und Objekten für den Wohnraum. Das Duo verbindet spielerische Formensprache mit handwerklicher Exzellenz und einem unprätentiösen Verständnis von Luxus. Gewohnte Gebrauchsgegenstände werden in eigenständige gestalterische Positionen überführt. So entstehen Objekte mit neuer ästhetischer Präsenz im Alltag.
ISSU ISSU
ISSU ISSU arbeitet mit einem materialbasierten Ansatz, geprägt von handwerklicher Präzision und sorgfältig entwickelten Farbwelten. In enger Zusammenarbeit mit Handwerker*innen entstehen die Objekte in der Schweiz. Die Arbeiten entziehen sich klaren Funktionen: Sie stehen zwischen Gebrauchsgegenstand und autonomem Objekt. Handwerk, Material und technische Möglichkeiten bestimmen dabei gleichermassen die Form.
Jutta Galizia
Jutta Galizia verbindet Zeichnung, Keramik und Performance. Ihre opulenten, farbigen Arbeiten wirken verspielt und leicht, tragen zugleich eine stille Ernsthaftigkeit. In ihrer Rüschenkeramik entstehen filigrane «Postkarten», die an florale Tortendekoration erinnern. Die Werke verbinden handwerkliche Präzision mit Fragilität und subtiler Tiefe.
MICKRY 3
Das Frauenkollektiv MICKRY 3 überführt Bildsprachen aus Alltagsästhetik, Popkultur und Werbung in skulpturale Arbeiten. Ihre Werke bewegen sich zwischen Kunstobjekt, Edition und scheinbar funktionalem Artefakt. Alltagsgegenstände werden verfremdet, gesellschaftliche Tabus hinterfragt und Bedeutungen verschoben. Hinter der verspielten Oberfläche liegt ein subversiver Unterton.
Vera Mattmann
Vera Mattmann entwickelt ihre Bildsprache aus dem Spannungsfeld von Mutterschaft und künstlerischer Identität. Pflanzen und Tiere thematisieren zugleich Verletzlichkeit, Kraft und Geborgenheit. Die scheinbar sanften Bildwelten entstehen aus einem selbstreflexiven Prozess und verhandeln Erschöpfung sowie postnatale Erfahrungen. Daraus formt sich ein feministisches Statement.
Talaya Schmid
Talaya Schmid verortet ihre Arbeit im zeitgenössischen feministischen Diskurs und arbeitet vor allem mit Tufting als künstlerischer Praxis. Ihre textile Sprache ist zugleich punkig, fürsorglich und präsent. Von Kleidung über Wandarbeiten bis zu Installationen und Performances erweitert sie die Möglichkeiten des Handwerks. Material, Körperlichkeit und Identität stehen dabei im Zentrum.
Julian Zigerli
Julian Zigerli versteht Mode als kulturelle Praxis und hinterfragt klassische Geschlechterzuschreibungen. Seine oft genderfluiden Designs brechen Normen mit Humor und Leichtigkeit auf. Die Arbeiten verhandeln Fragen von Identität und Zugehörigkeit. In über zwei Jahrzehnten hat er so ein eigenständiges, farbenfrohes gestalterisches Universum entwickelt.
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Pressekontakt: kommunikation@kunstmuseumsg.ch
Nadine Sakotic Kunstmuseum St.Gallen, Leitung Kommunikation, T +41 71 242 06 84
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