Handicap International

Gewalt im Gaza-Streifen: HI fordert Schutz für die Schutzbedürftigsten

Genf (ots) - Nachdem das Ausmass der Gewalt in Gaza immer weiter zunimmt und die Zahl der Verletzten bereits auf über 14.000 gestiegen ist, ruft Handicap International (HI) alle Konfliktparteien dazu auf, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. Besonders besorgt ist HI um die besonders schutzbedürftigen Menschen und die zahlreichen Verletzten, die bleibende Behinderungen davontragen könnten. HI bekräftigt seine Forderung nach der Aufhebung der Blockade, die eine Strafe für die gesamte Bevölkerung Gazas darstellt - ganz besonders für die verletzten Menschen.

Seit Beginn der Proteste im März an der Grenze zwischen Gaza und Israel wurden mindestens 128 Menschen getötet und 14.000 verletzt, von denen über die Hälfte in Krankenhäuser eingeliefert werden musste. Im Kontext dieser neuen Krise ist HI höchst alarmiert über die zunehmend prekäre Lage der besonders Schutzbedürftigen (Frauen, Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung usw.). Sie leiden unter den direkten Folgen des wiederaufflammenden Konflikts, der eingeschränkten Bewegungsfreiheit und dem schlechten Zustand der medizinischen Einrichtungen. Immer, wenn sich die Situation verschlimmert, trifft es die ohnehin schon geschwächten Familien am stärksten: Der schwierige Zugang zu medizinischer Versorgung und die Knappheit an Medikamenten, Trinkwasser und Strom (der weniger als zwei Stunden täglich verfügbar ist) sind eine hohe zusätzliche Belastung.

HI ist besorgt über die Zukunft der Tausenden von Verletzten nach den Zusammenstössen der letzten Wochen: "Der eingeschränkte Zugang zu medizinischen Spezialeinrichtungen ausserhalb von Gaza kann dazu führen, dass sich der Gesundheitszustand zahlreicher Patienten verschlechtert", erklärt Bruno Leclercq, Einsatzleiter von HI in Palästina. "Es droht eine ernsthafte Gefahr von Folgeschäden und sogar Amputationen in den kommenden Wochen." In den letzten Monaten wurden zahlreiche medizinische Evakuierungsgesuche aus Gaza gestellt, doch nur eine sehr beschränkte Anzahl von ihnen wurde gestattet.

HI ist seit 1996 in Gaza tätig und mobilisiert alle Nothilfeteams vor Ort: Über 40 Fachkräfte sind im Einsatz, um den Verwundeten zu helfen, die aus Kapazitätsgründen schnell wieder aus den überlaufenen Krankenhäusern entlassen werden. Diese Teams sind speziell für Reha-Massnahmen und Notfallsituationen geschult und arbeiten mit Ausstattungen, die schon in Gaza bereitstehen. So werden sie in den kommenden Monaten mehr als 1.500 Verletzte versorgen können. Laut Weltgesundheitsorganisation weisen 3.778 Menschen (laut WHO am 3. Juni) Schussverletzungen auf, davon sind 1.191 Kinder. Etwa 2.605 Personen wurden an den unteren Gliedmassen verletzt.

"Die Patienten, die wir in ihrem Zuhause behandelt haben, hatten massiv zerstörte Schienbeine. Ihr Gewebe war zerrissen und die Knochen zertrümmert - dies ist mit Kriegsverletzungen vergleichbar", stellt Bruno Leclercq fest. "Diese Art von Verletzung impliziert einen langen Prozess mit Operationen, Physiotherapie und Reha-Massnahmen über mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre".

Die Wirtschaft Gazas liegt nach jahrelangen Blockaden brach. Die palästinensische Bevölkerung ist weitestgehend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Schon vor drei Jahren hatten HI und ein Zusammenschluss von humanitären Organisationen einen Bericht über den unvollendeten Wiederaufbau Gazas veröffentlicht und appellierten an die internationale Gemeinschaft, ihre Versprechen einzuhalten. Heute sind die schwächsten Familien nicht mehr in der Lage, weitere medizinische, finanzielle und psychisch belastende Einschränkungen auszuhalten.

Angesichts der neuen Episoden der Gewalt, die sich an diesem Freitag an der Grenze zu Gaza abspielen, ermahnt HI die Konfliktparteien und die internationale Gemeinschaft, den Schutz der Zivilbevölkerung, des medizinischen Personals sowie der humanitären Helfer sicherzustellen. HI betont ebenfalls, dass die Parteien gegen humanitäres Völkerrecht verstossen und fordert sie dazu auf, eine nachhaltige politische Lösung zu finden.

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