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24.04.2019 – 11:00

Migros-Genossenschafts-Bund Direktion Kultur und Soziales

Migros Museum für Gegenwartskunst: «Stephen Willats: Languages of Dissent»

Zürich (ots)

   25. Mai-18. August 2019
   Eröffnung: Freitag, 24. Mai 2019, 18-20 Uhr 

Seit den 1960er Jahren versteht der britische Konzeptkünstler Stephen Willats (*1943, London) seine künstlerische Tätigkeit als sozialen Prozess. Er entwickelte eine Arbeitsweise, die ihn aus dem Umfeld von Atelier, Galerie und Institution hinein in soziale Räume jenseits des Kunstzusammenhangs führte. Zentral für Willats Werk ist die Partizipation mit verschiedenen Akteuren, die in den Werkzusammenhang einbezogen werden. Oftmals führt Willats seine künstlerischen Arbeiten in konkreten Lebenszusammenhängen durch, die in seiner Kunst reflektiert werden. Sein spezifisches Interesse richtet sich dabei auf Möglichkeiten der kreativen und produktiven Auseinandersetzung mit soziopolitischen Zwängen. In den Wohnblöcken der Nachkriegsmoderne, der experimentellen Underground-Clubszene oder in «Camps» urbaner Randgebiete Londons, die Jugendlichen als Rückzugsorte dienen, geht Willats subversiven Umcodierungen von gesellschaftlichen Normen und Konventionen nach. Sein partizipativer Ansatz führte ihn zu einer Auseinandersetzung mit Wissenschaften jenseits der Kunst - vor allem mit verhaltens- und lerntheoretischen Fragestellungen und schliesslich der Kybernetik.

Die Ausstellung im Migros Museum für Gegenwartskunst gibt einen umfassenden Einblick in Willats' künstlerische Tätigkeit von den 1960er Jahren bis heute. Es sind sehr aktuelle Themen der zeitgenössischen Kunst, die im Mittelpunkt seines Schaffens stehen: Kommunikation, soziales Engagement, Partizipation und Selbstorganisation. Zentrale Werke der Einzelausstellung sind zwei von Willats programmierte Computersimulationen - Meta Filter (1975) und Freezone (1997) -, die jeweils zwei Personen parallel zu ihren Wahrnehmungen und Reaktionen auf soziale Gegebenheiten befragen, bis es zu einem Zustand des Konsenses kommt. Des Weiteren sind seine Lichtobjekte der 1960er Jahre zu sehen, die eine dynamische Beziehung zwischen Objekt und Rezipienten fordern. Eine direkte Kommunikation mit der Umwelt erlaubt die Werkgruppe Multiple Clothing - die als Kunstwerke zu verstehenden Kleider fordern die Träger dazu auf, ihre Befindlichkeiten direkt gegenüber der Gesellschaft zu äussern. Willats' frühe radikalen Ideen bezüglich Wirkung und Funktion von Kunst in der Gesellschaft sind bereits in seinen Manifesten der 1960er Jahre ausgelegt.

Die präsentierten Werke stellen das Publikum vor Fragestellungen, die uns alle betreffen: Wie können wir unsere Zukunft gestalten? Wie wird die uns umgebende institutionalisierte Realität wahrgenommen und wie kann sie verändert werden?

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Willats' Auseinandersetzung mit der alternativen Clubszene im London der 1980er Jahre, in denen er die Kreativität der Clubbesucher, aber auch ihre Widerspenstigkeit und ihren dynamischen Widerspruch aufzeigt. Widerstand als kreatives Mittel begegnet uns so in Willats' Schaffen nicht nur in verschiedenen Formen und Motiven, sondern auch als persönliche Haltung: als ein stetes Hinterfragen von Etabliertem, Normiertem und Linearem. Willats forderte in seiner rund 60-jährigen künstlerischen Laufbahn normative Rollenbilder immer wieder konsequent heraus. Selbstorganisation und Interaktion innerhalb von dynamischen Strukturen können als Konstanten in Willats' Werk angesehen werden: Jene setzten sich mit dem kreativen Potenzial auseinander, das jedem von uns innewohnt. Willats sagt dazu: «Es ist grundlegend für meine Arbeit, dass in jedem Menschen ein Transformator steckt und dass die Einleitung der Transformation für jeden Einzelnen, persönlich und sozial, unerlässlich ist, indem er Selbstorganisation und Selbstidentität zum Ausdruck bringt.» Die in der Ausstellung präsentierte Auswahl von Willats' Werken untersucht seine Herangehensweise und sein ästhetisches Vokabular als Grundlage für sein nach wie vor einflussreiches neues Verständnis der Funktion und der Wirkungsmacht von Kunst. Das Migros Museum für Gegenwartskunst zeigt die erste umfassende Ausstellung von Willats' OEuvre in der Schweiz.

Kontakt:

René Müller, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
rene.mueller@mgb.ch
T +41 58 570 29 99