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Weltmenstruationstag: Fehlende Monatsbinden treiben Mädchen aus der Schule

Weltmenstruationstag: Fehlende Monatsbinden treiben Mädchen aus der Schule
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Zürich/Hambela Wamena (ots)

Für viele Mädchen in Äthiopien entscheidet die Menstruation darüber, ob sie zur Schule gehen können oder bereits mit 15 verheiratet werden. "Girls Clubs" an Schulen sollen das ändern.

In der grossen Pause stehen die Schülerinnen und Schüler auf der Schulwiese von Dimtu Hambela im Süden Äthiopiens. In ihrer Mitte hält Kejeltu Geltu, 17, ein Mikrofon. Ihre Stimme trägt über den Platz. "Wir verpassen keinen Unterricht mehr!", sagt sie. "Wir schämen uns nicht mehr!" Noch vor kurzem blieb sie während ihrer Menstruation regelmässig der Schule fern.

Im ländlichen Äthiopien sind viele Familien so arm, dass sich die Mädchen und Frauen keine Monatsbinden leisten können. Traditionell behelfen sich die Frauen mit Stofflappen. Für viele Teenager ist das keine Lösung, mit der sie sich in der Schule wohlfühlen. Deshalb bleiben viele Mädchen während ihrer Tage zu Hause. "Durch die Fehlzeiten kamen wir immer wieder in Rückstand gegenüber den Knaben in der Klasse", sagt Kejeltu.

Diese Lernlücken gefährden den Bildungserfolg der Mädchen. Viele kommen nach ihren Tagen nicht mehr regelmässig an die Schule zurück, brechen irgendwann ganz ab. Sie geben ihre Träume auf - und ihren Widerstand gegen traditionelle Werte: Viele Eltern halten die Ausbildung von Töchtern für wenig sinnvoll. Sie würden ohnehin früh verheiratet, so die weithin vorherrschende Überzeugung.

Viele Teenager heiraten

Auf solche Missstände weist der Weltmenstruationstag am 28. Mai hin. Der Aktionstag lenkt den Blick darauf, wie mangelnde Menstruationshygiene die Bildungschancen von Mädchen beeinträchtigt.

An der Primarschule von Dimtu Hambela zeigt sich die Schieflage in den Zahlen: Es gibt 322 Knaben an der Schule, aber nur 208 Mädchen. Wer nicht mehr zur Schule geht, gilt als heiratsfähig. Bald kommen junge Männer ins Haus und bitten die Eltern um die Hand ihrer Tochter. Im ländlichen Äthiopien wird jedes siebte Mädchen vor seinem 15. Geburtstag verheiratet. So setzt sich fort, was Bildung eigentlich durchbrechen könnte: Die Armut wird in die nächste Generation weitergetragen.

Deshalb initiiert und fördert die Schweizer Stiftung Menschen für Menschen an Schulen in Äthiopien sogenannte "Girls Clubs". Sozialarbeiterinnen arbeiten mit ausgewählten Lehrerinnen daran, das Selbstbewusstsein der Mädchen zu fördern und das Stigma zu brechen.

"Versteckt euch nicht!"

Iftu Merga unterrichtet Mathematik an der Primarschule in Dimtu Hambela. Den "Girls Club" betreut sie ehrenamtlich. 36 Schülerinnen hat die Lehrerin dort versammelt. Die Mitglieder sprechen über Hygiene, schädliche Traditionen wie Frühheiraten und Gleichstellung. Danach tragen sie dieses Wissen in ihre Klassen, in ihre Familien und in die Nachbarschaft in ihren Dörfern. Sie erklären, warum jede Familie ein Plumpsklo graben sollte, warum Geburtenabstände wichtig sind - und weshalb Mädchen während der Menstruation nicht zu Hause bleiben müssen. "Ihr braucht euch nicht zu verstecken, wenn ihr die Tage habt!", lautet die Botschaft.

Seit rund einem Jahr stellt Menschen für Menschen an 21 Primarschulen des Distrikts Hambela Wamena Monatsbinden bereit. 1643 Mädchen holen sich ihre Packungen regelmässig bei Vertrauenslehrerinnen ab.

Wie notwendig das Programm ist, zeigten die Anfänge. "Als wir erstmals Binden verteilen wollten, reagierten viele Mädchen zögerlich", berichtet Lehrerin Iftu Merga. "Es war ihnen peinlich, damit in Verbindung gebracht zu werden." Manche Mädchen baten sogar darum, ihre Namen wieder von den Listen zu streichen.

Das Misstrauen der Eltern

Denn bei den Eltern stiess die Idee auf Misstrauen. Warum wird etwas kostenlos verteilt, das sonst Geld kostet? Einige vermuteten verborgene Absichten, andere fürchteten gesundheitliche Nebenwirkungen. Hinzu kommt eine tiefere Sorge: Veränderungen könnten vertraute Regeln ins Wanken bringen. Wenn Mädchen offener über ihren Körper sprechen, selbstbewusster auftreten und sich freier bewegen, verschiebt sich die gewohnte Ordnung. Diese Aussicht macht manchen Eltern, von denen viele nie in einer Schule waren, Angst.

Der Wandel kommt nicht über Nacht. Aber steter Tropfen höhlt den Stein, sagt Azenegash Wondemu, 47, Mädchen- und Frauenbeauftragte im Menschen für Menschen-Projekt: "Reproduktive Gesundheit und Gleichstellung sind fester Bestandteil unserer Schulungen, ob bei Treffen von Frauen-Spargruppen, in der Landwirtschaftsberatung von Männern oder bei Gemeindeversammlungen."

Das Leben selbst bestimmen

"Ich habe im Girls Club gelernt, frei über meine Bedürfnisse zu sprechen", sagt Schülerin Kejeltu. Es gehe um ein grösseres Ziel: "Wir wollen die Schule abschliessen und danach eine Ausbildung machen. Nur so können wir unser Leben selbst bestimmen."

Im "Girls Club" haben sie verstanden, dass sie sich selbst helfen können. Iftu Merga berichtet, dass Mädchen zu ihr kämen mit ihren Sorgen und Geheimnissen. "Einige sagten, sie könnten die Binden nicht nutzen", berichtet die Lehrerin: "Weil ihre Eltern kein Geld hätten, um ihnen Unterhosen zu kaufen." Im Girls Club suchten sie gemeinsam nach einer Lösung. Bei ihren Treffen fertigen sie jetzt Handarbeiten an und verkaufen sie in der Gemeinde. "Das Geld ist für solche Notfälle gedacht."

Menschen für Menschen setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 - 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Schwerpunkte der einzelnen Projekte sind Frauenförderung, Berufsbildung, Mikrokredite, Kinderhilfe, Familienplanung und landwirtschaftliche Entwicklung. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.

Spendenkonto: Postkonto 90-700 000-4, IBAN: CH97 0900 0000 9070 0000 4

Online spenden: www.mfm.ch

Pressekontakt:

Für zusätzliche Informationen oder Interviews mit Experten, wenden Sie sich bitte an:
Michael Kesselring | m.kesselring@mfm.ch | Tel.: +41 (0)43 499 10 60

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