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FHNW; Hochschule für Soziale Arbeit: Auch Kinder und Jugendliche sind Opfer digitaler sexualisierter Gewalt

FHNW; Hochschule für Soziale Arbeit: Auch Kinder und Jugendliche sind Opfer digitaler sexualisierter Gewalt
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Anbei erhalten Sie eine Medienmitteilung der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW.

Medienmitteilung, 1. April 2026

Auch Kinder und Jugendliche sind Opfer digitaler sexualisierter Gewalt

«Digitale sexualisierte Gewalt» – dieser etwas sperrig anmutende Begriff hat es innerhalb weniger Tage nicht nur in die Medien, sondern auch in Alltagsunterhaltungen geschafft. Anlass ist der Fall der deutschen Moderatorin Collien Fernandes, die ihren früheren Partner unter anderem wegen der Erstellung von gefaktem pornografischen Material angezeigt hat. In kürzester Zeit ist eine breite gesellschaftliche Diskussion darüber entbrannt, was diesem Fall zugrunde liegt: digitaler Missbrauch und sexualisierte Online-Gewalt.

Sehr häufig sind Frauen Opfer dieser Form von Gewalt, aber auch Kinder und Jugendliche bleiben nicht davon verschont. In den vergangenen Jahren hat das Institut Kinder- und Jugendhilfe der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW verschiedene Forschungsprojekte zum Thema umgesetzt. Dass digitale Gewalt auch Kinder und Jugendliche einschliesst, hat die Co-Leiterin des Instituts, Prof. Dr. Rahel Heeg, über die Jahre in all diesen Projekten immer wieder festgestellt: «Das Thema ist in den Alltag von Kindern und Jugendlichen verwoben – es ist vielfältig und breit und nimmt einen grossen Raum ein.»

Digitale sexualisierte Gewalt ist für Kinder und Jugendliche alltäglich

Dass sich ihr Leben auch im digitalen Raum abspielt, ist für die Kinder und Jugendlichen alltägliche Realität. Das Thema Gewalt nimmt dabei viel Raum ein. Dabei bräuchten die Kinder und Jugendlichen Orientierung und Hilfestellung, weiss Rahel Heeg: «Eine der grossen Schwierigkeiten für Jugendliche ist, für sich selbst zu klären, was noch zum alltäglichen Necken gehört und wo die Grenze zum Inakzeptablen liegt. Diese Grenze ist keine klare – sie ist immer wieder anders, je nach Beziehung, Situation und Publikum». So erzählte eine Jugendliche, dass ein Foto von ihr mit Stöhngeräuschen unterlegt und verschickt worden sei. Die Jugendliche war unsicher: War das noch lustig, auch wenn es sich nicht lustig anfühlte? Sie hatte keine rechte Handhabe, um ihr schlechtes Gefühl einzuordnen. Erst die schockierte Reaktion ihrer Mutter brachte für die Jugendliche Klärung.

Die unterschiedliche Wahrnehmung von Erwachsenen und Jugendlichen im Umgang mit Sexualität macht die Sache dabei doppelt schwierig: Während Erwachsene beispielsweise vor dem Versand von Nacktaufnahmen warnen, seien solche Aufnahmen für Jugendliche vielfach ein Vertrauensbeweis untereinander, berichtet Rahel Heeg.

Unsicherheit, Scham und ihre negativen Auswirkungen

Zu all der Unsicherheit gesellt sich die Scham, über Sexualität zu sprechen, weiss Rahel Heeg. Bei digitaler sexualisierter Gewalt sei die Scham besonders ausgeprägt; besonders schuldbeladen sei es für Kinder und Jugendliche, wenn sexualisiertes Material über sie im Umlauf ist: «Selbst wenn Erwachsene schon sehr viel über die Vorfälle wissen, kann es eine weitere Grenze geben, wo die Scham so gross ist, dass Jugendliche nicht darüber reden können. Und dann können sie natürlich auch nicht nach Unterstützung fragen.» Wenn es dann auch noch dazu kommt, dass ein digitaler Missbrauch breit zugänglich wird, etwa durch die Veröffentlichung auf Foto- oder Videoplattformen, ist die Situation praktisch unkontrollierbar. Die Kinder und Jugendlichen stehen vor einer für sie furchtbaren Situation, die schwerwiegende negative Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden haben und zu einer ernsthaften Gefährdung führen kann.

Grosser Bedarf nach Schutz und Unterstützung

In dieser Situation bräuchten Kinder und Jugendliche dringend Schutz und Unterstützung. Welche Art von Unterstützung ihnen innerhalb des Kindesschutzsystems derzeit zuteilwird, darüber ist wenig nichts bekannt: Derzeit gibt es noch keine Erkenntnisse darüber, auf welchen Wegen Kinder und Jugendliche an Unterstützung kommen oder ob sie dabei möglicherweise auf Hindernisse stossen, etwa auf Verharmlosungen bei der Anzeigenaufnahme oder Fälle von Täter-Opfer-Umkehr.

Um diese Lücke zu schliessen, führt das Institut Kinder- und Jugendhilfe der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW die Studie «Kindesschutz und professionalisierte Unterstützung bei sexualisierter Onlinegewalt in der Schweiz» durch, mit dem das Bewusstsein für das Thema geschärft werden soll und die Unterstützungsmöglichkeiten für die betroffenen Kinder und Jugendlichen verbessert werden sollen. Ein Handlungsbedarf ist absehbar, fasst Rahel Heeg die bisherigen Erkenntnisse zusammen: «Wenn es schwierig ist, über digitale sexualisierte Gewalt zu reden, und man sich schuldig für das Geschehene fühlt, kann man kaum nach Unterstützung fragen. Je leichter es fällt, darüber zu sprechen, und je weniger schuldig man sich fühlt, desto eher kann man aktiv Unterstützung suchen.»

Link auf Webseite

www.fhnw.ch/de/soziale-arbeit/forschung-dienstleistungen/forschung/projekte/kiso-kindesschutz-bei-sexualisierter-onlinegewalt

Kontakt

Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

Hochschule für Soziale Arbeit

Prof. Dr. Rahel Heeg

Co-Leiterin Institut Kinder- und Jugendhilfe

Hofackerstrasse 30

4132 Muttenz

T +41 61 228 59 57

rahel.heeg@fhnw.ch

www.fhnw.ch/sozialearbeit

Die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

Die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW umfasst zehn Hochschulen mit den Fachbereichen Angewandte Psychologie, Architektur, Bau und Geomatik, Gestaltung und Kunst, Informatik, Life Sciences, Musik, Lehrerinnen- und Lehrerbildung, Soziale Arbeit, Technik und Umwelt sowie Wirtschaft. Die Campus der FHNW sind in den vier Trägerkantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn angesiedelt.

Rund 14 500 Studierende sind an der FHNW immatrikuliert. Über 1 300 Dozierende vermitteln in 34 Bachelor- und 24 Master-Studiengängen sowie in zahlreichen Weiterbildungsangeboten praxisnahes und marktorientiertes Wissen. Die Absolventinnen und Absolventen der FHNW sind gesuchte Fachkräfte.

Weitere Informationen auf www.fhnw.ch

Die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

Die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW mit Standorten in Olten und Muttenz ist lokal und regional verankert, international vernetzt und in ihren Leistungen in Aus- und Weiterbildung, Forschung und Dienstleistung breit anerkannt. In ihrem Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt «Soziale Innovation» analysiert, initiiert und begleitet sie Innovationsprozesse in Kooperation und im Austausch mit der Praxis. Sie fördert damit die Professionalisierung der Sozialen Arbeit und trägt massgeblich zum Verständnis und zur innovativen Bearbeitung sozialer Probleme und gesellschaftlicher Herausforderungen bei.

Mit freundlichen Grüssen

Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW
Dominik Lehmann
Leiter Kommunikation FHNW
Bahnhofstrasse 6
5210 Windisch
T +41 56 202 77 28
 dominik.lehmann@fhnw.ch
 www.fhnw.ch
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