VIER PFOTEN - Stiftung für Tierschutz
Zwischen Abfall und Überleben: Kosovos Streunerhunde
Zwischen Abfall und Überleben: Kosovos Streunerhunde
VIER PFOTEN und ein lokaler Partnertierarzt kastrierten, impften und behandelten die vergessenen Hunde der Mülldeponie von Podujeva
Zürich, 28. Mai 2026 – In ganz Kosovo gelten Mülldeponien als zentrale Hotspots für ausgesetzte und frei lebende Hunde. Gleichzeitig ist die Zahl der Streunerhunde landesweit hoch: Schätzungen zufolge leben über 50’600 Hunde auf der Strasse, wobei der Grossteil in der Region Pristina konzentriert ist. Daher führte die globale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN gemeinsam mit ihrem lokalen Partnertierarzt Albatrit Halili vom 11. bis 22. Mai eine zweiwöchige «Fangen-Kastrieren-Impfen-Freilassen (CNVR) Aktion» auf einer Deponie in der Gemeinde Podujeva durch.
Kosovo kämpft seit Jahren mit einer massiven Streunerpopulation. Die Ursachen dafür sind vielfältig: unkontrollierte Vermehrung, da nur etwa 11% der Tiere insgesamt kastriert sind, Aussetzen von Haustieren sowie unzureichende Strukturen im Tierschutz. Müllhalden haben sich dabei zu besonderen Brennpunkten im ganzen Land entwickelt. Daher führte die globale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN gemeinsam mit ihrem lokalen Partnertierarzt Albatrit Halili vom 11. bis 22. Mai eine zweiwöchige «Fangen-Kastrieren-Impfen-Freilassen (CNVR) Aktion» auf einer Deponie in der Gemeinde Podujeva durch.
Während des zweiwöchigen Einsatzes wurden mehr als 100 streunende Hunde kastriert, geimpft und wegen akuter Verletzungen behandelt. VIER PFOTEN setzt sich seit 2023 für Streuner im Kosovo ein und für die Einführung sowie Umsetzung von humanen, gemeinschaftsbasierten Programmen zum Management der Hundepopulation.
«Es bricht mir das Herz zu sehen, wie Besitzerinnen und Besitzer ihre Tiere auf Mülldeponien entsorgen, wenn einst geliebte Haustiere plötzlich unerwünscht sind. Für die Hunde ist es ein täglicher Kampf ums Überleben, inmitten von Müll sind sie ständig auf der Suche nach Essensresten. Sie sind Tag und Nacht extremer Hitze, Kälte und Regen ausgesetzt. Viele leiden unter starken Schmerzen wegen unbehandelter Verletzungen und Krankheiten», sagt Manuela Rowlings, verantwortlich für Streunerprogramme bei VIER PFOTEN.
Sowohl illegale als auch legale Mülldeponien werden häufig von Besitzerinnen und Besitzern genutzt, um ihre Haustiere und unerwünschte Würfe auszusetzen. In vielen Fällen sind Müllhalden nicht eingezäunt, was Hunden einen leichten Zugang zu Lebensmittelabfällen ermöglicht. Die Lebensbedingungen vor Ort sind jedoch besonders hart und unhygienisch - ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser oder einem Unterschlupf. Hunde auf Deponien laufen ständig Gefahr, sich an scharfen Gegenständen im Müll zu verletzen. Sie sind häufig besonders scheu, da sie wenig Kontakt zu Menschen haben, was es zusätzlich erschwert, sich ihnen zu nähern.
Grösste Streunerpopulation in der Region Pristina
Im Kosovo leben mehr als 50’600 Hunde auf der Strasse, viele von ihnen leiden unter Hunger und Krankheiten. Mit rund 11’300 Streunern lebt die grösste Population an Streunerhunden des Landes in Pristina, wie eine gemeinsame Untersuchung aus den Jahren 2024-25 von VIER PFOTEN und der kosovarischen Animal Rights Foundation zeigte. In der Gemeinde Podujeva, die zur Region Pristina gehört, leben derzeit schätzungsweise 3’000 Hunde auf der Strasse, was etwa 42 streunenden Hunden pro 1’000 Einwohner entspricht. Seit 2024 arbeitet VIER PFOTEN gemeinsam mit dem lokalen Tierarzt Albatrit Halili daran, die Hundepopulation in der Gemeinde Podujeva durch regelmässige CNVR-Massnahmen (Fangen-Kastrieren-Impfen-Freilassen) zu stabilisieren und zu reduzieren. Um nachhaltig und langfristig etwas zu bewirken, stärkt VIER PFOTEN auch Kapazitäten vor Ort. So konnten Studierende der Fakultät für Veterinärmedizin Kosovo beim Einsatz im Mai praktische Erfahrungen im Bereich CNVR-Massnahmen sammeln.
«Streunerhunde im Kosovo brauchen dringend Hilfe. CNVR-Einsätze wie in Podujeva spielen eine wichtige Rolle, die Anzahl der Hunde zu stabilisieren und ihr Leid zu mindern. Der Einfluss einzelner Gemeinden ist begrenzt. Daher rufen wir alle Gemeinden im Kosovo dazu auf, umfassende Programme zum Management von Streunerpopulationen umzusetzen, basierend auf verlässlichen Daten, einer starken Einbindung der Bevölkerung und verantwortungsvoller Tierhaltung», sagt Manuela Rowlings.
Zur Unterstützung von lokalen Gemeinden bietet VIER PFOTEN gemeinsam mit Animal Rights Foundation Workshops zum Management von Hundepopulationen in allen sieben Regionen Kosovos an. Die ersten beiden Workshops fanden bereits in den Regionen Peja und Prizren vom 19. bis 22. Mai statt. Die Workshops sollen mit der geteilten Expertise und anhand der Ergebnisse der Streuner-Zählung die Gemeinden dabei zu unterstützen, gezielte regionsspezifische Aktionspläne zu entwickeln.
Über VIER PFOTEN VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichen Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heimtiere, sogenannte Nutztiere und Wildtiere – wie Bären, Grosskatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemässer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, im Vereinigten Königreich, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in 13 Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen. In der Schweiz ist die Tierschutzstiftung ein Kooperationspartner vom Arosa Bärenland, dem ersten Bärenschutzzentrum, welches geretteten Bären aus schlechten Haltungsbedingungen ein artgemässes Zuhause gibt. www.vier-pfoten.ch
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