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Bern-Liebefeld (ots) - Immer mehr Menschen in der Schweiz werden immer älter. An der Generalversammlung des schweizerischen Apothekerverbands pharmaSuisse vom 30. Mai 2017 sind sich Apotheker, Ärzte, Spitex- und Heimvertreter einig: Es braucht neue Formen der Zusammenarbeit mit neuen Finanzierungsmodellen, um die medizinische Grundversorgung sicherzustellen. Hausaufgabe der Gemeinden ist, ihren Versorgungsbedarf zu identifizieren, damit die Grundversorgung anschliessend bedarfsgerecht aufgebaut und - wo nötig - von den Gemeinden mitfinanziert werden kann.

An der Generalversammlung 2017 von pharmaSuisse trafen sich Vertreter der rund 1'500 Mitgliedapotheken von pharmaSuisse. Im Einklang mit der bundesrätlichen Strategie «Gesundheit2020» stand die medizinische Grundversorgung der Zukunft im Fokus der Veranstaltung. Der Hausärztemangel und die Zunahme von älteren und mehrfach kranken Patienten stellen die öffentliche Hand vor grosse Herausforderungen. Wie garantieren die Akteure des Gesundheitswesens in Zukunft eine qualitativ hochstehende medizinische Grundversorgung in Städten aber auch in ländlichen Regionen? Drei Gastreferate und eine Podiumsdiskussion widmeten sich der Thematik. Nebst der zentralen Bedeutung der Apotheker wurde auch die Rolle der Gemeinden, Spitex und Heime unter die Lupe genommen.

Claudia Hametner, Schweizerischer Gemeindeverband (SGV), stellvertretende Direktorin

«Die bessere Koordination und die interprofessionelle Zusammenarbeit der Leistungserbringer wird für die Bewältigung der Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung entscheidend sein», betont Hametner und verweist auf die Schlüsselrolle der Gemeinden für eine bedarfsgerechte und vernetzte Gesundheitsversorgung. «Gefragt sind innovative, auf die lokalen und regionalen Gegebenheiten abgestimmte Lösungen. Es gibt keine Musterlösungen. Ein Ansatz ist jedoch die Förderung regionaler Versorgungsnetzwerke und Gesundheitszentren. Als Handlungsansatz sehen wir auch neue Wohn- und Pflegemodelle und Leistungsvereinbarungen mit Spitex und Apothekern.» Die steigenden Gesundheitskosten insgesamt und insbesondere die Kostensteigerungen bei der Pflege und den Ergänzungsleistungen belasteten den Finanzhaushalt der Gemeinden zunehmend, so Hametner. «Die Pflegekosten werden sich bis 2045 mehr als verdreifachen und rund ein Viertel der gesamten Gesundheitskosten ausmachen.»

Dr. med. Beat Ursenbacher, Spitex Verband Kanton Bern, Vizepräsident, Hausarzt

Auch der Hausarzt und Spitexvertreter in der Runde spricht von der gesellschaftlichen Herausforderung, die die demografische Entwicklung und die Zunahme der mehrfach kranken, chronisch kranken und dementen Menschen mit sich bringt. «Die ambulante Versorgung von Patienten, so auch die Betreuung zu Hause, betrifft uns und unsere Angehörigen alle, früher oder später», so Ursenbacher. «Ziel ist es, Heim- und Spitaleintritte zu vermeiden sowie dadurch den Anstieg der Gesundheitskosten zu reduzieren.» Aus seiner Sicht muss somit die ambulante Versorgung durch die Hausärzte und die Spitex zwingend erhalten und gestärkt werden: «Hausärzte und Spitex gehören zusammen.» Kantone und Gemeinden seien verpflichtet, die Hilfe und Pflege zu Hause zu fördern. Die Spitex könne die Leistungen aber oft nicht mehr kostendeckend erbringen. «Die Frage bleibt: Wer bezahlt den Preis? Betroffene wenden sich bei Schwierigkeiten an die Gemeinden und nicht an den Kanton», sagt Ursenbacher.

Dr. Daniel Höchli, CURAVIVA Verband Heime und soziale Institutionen Schweiz, Direktor

«Der ältere Mensch will mit seinem gesamten sozialen Beziehungsnetz mitten im Leben bleiben und bedarfsgerecht die individuell notwenigen Dienstleistungen beziehen», führt Höchli aus. Das Angebotsproblem sei bekannt: Um dafür dezentralisierte und sozialraumorientierte Dienstleistungen bereitzustellen, fehle das Fachpersonal für die medizinische Grundversorgung und für die Pflege. «Wir müssen durch interdisziplinäre Zusammenarbeit attraktive Arbeitsplätze schaffen, die das Trennende zwischen ambulanten und stationären Leistungserbringern aufheben.» Und weiter: «Die Gemeinden können im Strukturwandel die Prozesse mitgestalten und beschleunigen - oder verhindern.» Auch er plädiert für integrierte Lösungen «unter einem Dach» und bestätigt, dass die interprofessionelle Zusammenarbeit zur Lösung des Angebotsproblems beitrage. «Wir müssen den Wandel antizipieren und mitgestalten», fordert Höchli, «dazu gehören die Heime und die integrierte Versorgung in Gemeinden».

Apothekenmonitor: anhaltend hohe Zufriedenheit

Ein weiteres Thema an der Generalversammlung war die jährliche Marktforschung des Forschungsinstitut GFS Bern, genannt Apothekenmonitor. Der Apothekenmonitor vom Januar/Februar 2017 zeigt: Das Vertrauen der Bevölkerung in die Apotheken ist nach wie vor hoch. Gerade für junge, gesunde und urbane Einwohner ist die Apotheke die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsstörungen, wie aus der Befragung von über 1'000 Personen hervorgeht. Apotheken erhalten als Primärquelle für den Einkauf von Medikamenten zwar Konkurrenz, insbesondere durch den Online-Versandhandel, punkten aber nach wie vor mit ihren kompetenten und zielführenden Beratungen. Anzeichen dafür, dass die Rolle der Apotheken in der Schweiz sich weiter verändern wird, liefert laut GFS der Befund, dass sich mehr und mehr Befragte vorstellen können, ein Krankenversicherungsmodell zu wählen, das bei gesundheitlichen Problemen eine Erstabklärung in der Apotheke vorsieht: 2017 findet sich erstmals eine Mehrheit, die ein solches Spar-Modell grundsätzlich in Erwägung zieht. Geschätzt werden an Apotheken die einfache Erreichbarkeit ohne Voranmeldung, die hohe Fachkompetenz des Apothekenpersonals und die unkomplizierte und die kosteneffiziente Art, Gesundheitsprobleme zu lösen. Fabian Vaucher, Präsident von pharmaSuisse, dem schweizerischen Apothekerverband: «Mit der zunehmenden Exponierung der Apotheken und ihren neuen Beratungs- und Vorsorgedienstleistungen steigen die Anforderungen - es gilt, die Qualitätsversprechen auch in Zukunft einzuhalten.»

Link zum Apothekenmonitor 2017: http://www.pharmasuisse.org/de/1498/Apothekenmonitor.htm

Neue Website www.pharmaSuisse.org

pharmaSuisse schaltete an der Generalversammlung feierlich ihre überarbeitete Webplattform live. Die Technologie und das Layout der neuen Website orientieren sich an preisgekrönten Websites und sie enthält umfassende Informationen für berufs- und gesundheitspolitisch relevante Themen. pharmaSuisse ist überzeugt, dass sie auch für Medienschaffende eine gute Quelle darstellt.

pharmaSuisse setzt sich für Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen ein, die es Apothekerinnen und Apothekern ermöglichen, ihre beruflichen Kenntnisse zum Wohl der Allgemeinheit einzusetzen und ihre Rolle als Medikamentenprofis optimal zum Tragen zu bringen. Die 1843 gegründete Dachorganisation der Apothekerinnen und Apotheker engagiert sich für eine effiziente und sichere medikamentöse Versorgung der Bevöl¬kerung, erarbeitet Präventionsmassnahmen und entwickelt Angebote in den Bereichen Fort- und Weiterbildung, Qualitätssicherung und interprofessioneller Zusammenarbeit. Dem Verband sind rund 6'100 Einzelmitglieder und 1'500 Apotheken angeschlossen. www.pharmaSuisse.org

Kontakt:

Kontakt, auch für die drei Gastreferenten
pharmaSuisse, schweizerischer Apothekerverband
Stephanie Balliana-Rohrer
Leiterin Kommunikation
Stationsstrasse 12
3097 Bern-Liebefeld
Tel: +41 (0)31 978 58 27
E-Mail: kommunikation@pharmaSuisse.org



Weitere Meldungen: pharmaSuisse - Schweizerischer Apotheker Verband / Société suisse des Pharmaciens

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