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Apotheken bremsen Kostenwachstum und sichern Qualität

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Liebefeld (ots) - Die Gesundheitskosten in der Schweiz sind in den letzten 14 Jahren fast ums Doppelte gestiegen und belaufen sich mittlerweile auf 71 Milliarden Franken pro Jahr. Um den rasanten Anstieg in den Griff zu kriegen und die Prämienzahler zu entlasten, sind vernünftige Lösungen dringend gefragt. Die Schweizer Apotheken sind Teil der Lösung, um die Kostenexplosion zu stoppen.

Die Apotheken sichern in der Schweiz als praktische Anlaufstelle bei allen gesundheitlichen Fragen die medizinische Grundversorgung. Ihre Rolle nimmt in Zukunft an Bedeutung zu, denn die wachsende Bevölkerung, die höhere Lebenserwartung, der Hausarztmangel und die Kosten im Gesundheitswesen verlangen nach griffigen Lösungen. Die Apotheken bieten gute und kostengünstige Resultate. Das funktionierende und im europäischen Vergleich sehr liberale Schweizer System sichert die hohe Qualität, die die 1'792 öffentlichen Apotheken in der Schweiz tagtäglich erbringen - zum Wohl und zur Sicherheit der Patienten.

Mehr Volumen für weniger Geld (siehe Grafik 1)

Das Absatzvolumen der kassenpflichtigen Medikamente ist in den letzten fünf Jahren um 9 Prozent gestiegen. Der Nettoertrag aus dem Preissystem des Bundesamts für Gesundheit hat sich bei Nullwachstum eingependelt. Hingegen ist der Ertrag pro Packung um 9 Prozent zurückgegangen.

Grafik 1: Entwicklung Absatzvolumen und Ertrag in Apotheken der Medikamente OKP

Kostentreiber sind Spitalambulatorien (siehe Grafik 2)

Vor allem junge, gesunde Menschen haben oft keinen Hausarzt. Viele von ihnen suchen mit Bagatellerkrankungen direkt die Notaufnahme eines Spitals auf, was mit extrem hohen Kosten verbunden ist: In den vergangenen fünf Jahren sind die Kosten für ambulante Behandlungen in den Spitälern um 32 Prozent gestiegen. Gerade bei einfachen Erkrankungen und Verletzungen ist jedoch die Erstversorgung in der Apotheke die ideale und weit kostengünstigere Lösung. Die Kosten für kassenpflichtige Medikamente, die in der Apotheke bezogen wurden, haben sich im gleichen Zeitraum nur um 9 Prozent erhöht. Sie liegen damit klar unter dem Durchschnitt von 24 Prozent Anstieg aller Gesundheitskosten der Grundversicherung.

Grafik 2: Entwicklung Gesundheitskosten, Spitalkosten ambulant, Medikamentenkosten Apotheke, BIP und Bevölkerung älter als 65

71 Prozent unter 30 Franken (siehe Grafik 3)

Insgesamt werden in Schweizer Apotheken jährlich 44,2 Millionen rezeptpflichtige Medikamentenpackungen bezogen. Dabei geben die Apotheker nur zu einem kleinen Teil hochpreisige Medikamente ab. Bei 71 Prozent der abgegebenen Packungen liegt der Fabrikabgabepreis unter CHF 30 (15 Prozent) oder sogar unter CHF 15 (56 Prozent). Zu den staatlich verfügten Preissenkungen und der Umstellung des Abgeltungssystems (LOA, Leistungsorientierte Abgeltung) kommt die Generikasubstitution durch die Apotheker. Ertragsreiche Medikamente werden vermehrt im Spital ambulant und beim Arzt verkauft. Denn Spital- und Hausärzte können selber steuern, welche Präparate sie eigenhändig verkaufen und für welche sie ein Rezept für die öffentlichen Apotheken ausstellen wollen.

Grafik 3: Absatzvolumen im Verhältnis zum FAP, Medikamente OKP

Beratungsqualität bedingt Personal (siehe Grafik 4)

In der Apotheke steigt nicht der Medikamentenpreis, sondern die Anzahl der Mitarbeitenden: In den letzten fünf Jahre stieg die durchschnittliche Anzahl Vollzeitbeschäftigter von 7,5 auf 8,3 pro Apotheke. Die Beratungsdienstleistung ist der grösste Trumpf in der Apotheke - und der ist personalintensiv. Auch die durchschnittlichen Öffnungszeiten sind von 55,1 auf 57,8 pro Woche gestiegen und folgen den Kundenbedürfnissen; gerade in Bahnhöfen und Einkaufszentren mit längeren Öffnungszeiten wird die Nachfrage bedient. Auch diese Grafik zeigt: Die Verkäufe nehmen zu (plus 4 Prozent), wo hingegen die Umsätze um vier Prozent sinken. Die Anzahl der Apotheken ist absolut gesehen leicht ansteigend, de facto ist sie aber rückläufig, wenn man sie in Relation zur Anzahl der Bevölkerung setzt: Anzahl Apotheken pro 10'000 Einwohnende im 2006 = 2,25; im 2016 = 2,14.

Grafik 4: Entwicklung Vollzeitbeschäftigte, Öffnungszeiten, Verkäufe, Umsatz

Medizinische Grundversorgung sichern

Die Schweizer Apotheken sind ein stützender Pfeiler unseres Gesundheitssystems. Die hohe Qualität und das gute Versorgungsnetz dürfen nicht aufs Spiel gesetzt werden. Die Schweizer Apotheken müssen auch in Zukunft die medizinische Grundversorgung zu einem tragbaren Preis sichern. «Weitere Ertragssenkungen sind für die Schweizer Apotheken mit dem gegenwärtigen Preismodell deshalb ein falscher Ansatz», sagt Fabian Vaucher, Präsident von pharmaSuisse. Der notwendige Erlös zur Deckung der Personal-, Infrastruktur- und übrigen Betriebskosten einer Apotheke ist infolge der staatlich verordneten Preissenkungen der letzten Jahre kontinuierlich gesunken. Neue lukrative Produkte werden in anderen Kanälen verkauft, wo die Gewinnmaximierung im Vordergrund steht und die Sicherheit für die Patienten leidet. Die Politik hat erkannt, dass die Apotheken mit ihrer hohen Dienstleistungsqualität für die medizinische Grundversorgung in der Schweiz zentral sind, insbesondere für chronisch kranke und mehrfach kranke Menschen. Apotheken erreichen indes auch die gesunden Menschen und helfen durch präventive Massnahmen wie z.B. Impfdienstleistungen und Darmkrebsvorsorge sowie weiteren Vorsorgechecks, Krankheiten zu verhindern oder frühzeitig zu erkennen. «Insgesamt leisten die Apotheken mit ihrer Kosteneffizienz einen grossen Beitrag, um die Kosten im Gesundheitsmarkt in Schach zu halten und die Hausärzte und Spitäler zu entlasten», so Vaucher.

Qualitätswettbewerb spielt

Die Apotheke gewinnt also in den nächsten Jahren an Bedeutung, Qualität wird immer wichtiger. Mit den Revisionen des Heilmittelgesetzes (HMG, 2016) und des Medizinalberufegesetzes (MedBG, 2015) wird die Rolle der Apotheker in der Grundversorgung und die Gesundheitskompetenz der Patienten weiter gestärkt. Ziel ist es, dass die hohe Qualität, die Schweizer Apotheken der Bevölkerung täglich bieten, nicht zerstört, sondern erhalten bleibt. Der Qualitätswettbewerb unter den Apotheken spielt und bietet der Bevölkerung in der Schweiz europaweit einen erstklassigen Service. Fabian Vaucher: «Ich bin überzeugt, dass die Apotheken auch in Zukunft effiziente und kostengünstige Lösungen bieten. Ihre Existenz darf deshalb nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.»

Link auf Broschüre Fakten und Zahlen, Schweizer Apotheken 2016: http://ots.ch/Q6OF6

Link auf Bericht BAG: Rolle der Apotheken in der Grundversorgung: http://ots.ch/AsUjh

Kontakt:

pharmaSuisse
Schweizerischer Apothekerverband
Thierry Philbet, Kommunikation
Stationsstrasse 12
3097 Bern-Liebefeld
Tel: +41 (0)31 978 58 27
E-Mail: kommunikation@pharmaSuisse.org



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