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12.11.2020 – 00:32

comparis.ch AG

Medienmitteilung: Tiefe Verwaltungskosten bedeuten nicht immer tiefe Krankenkassenprämien

Medienmitteilung: Tiefe Verwaltungskosten bedeuten nicht immer tiefe Krankenkassenprämien
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Medienmitteilung

Comparis zeichnet die effizientesten Krankenkassen aus

Tiefe Verwaltungskosten bedeuten nicht immer tiefe Krankenkassenprämien

Die Unterschiede bei der Höhe der Verwaltungskosten der Krankenkassen sind riesig: Die Krankenkasse Luzerner Hinterland ist mit 99 Franken Verwaltungskosten pro Kunde im Jahr 2019 die effizienteste, die Krankenkasse Ingenbohl mit 573 Franken die ineffizienteste. Tiefe Verwaltungskosten bedeuten allerdings nicht automatisch tiefe Prämien. Das zeigt eine Analyse von comparis.ch. Bei der effizientesten Kasse zahlen Versicherte im Schnitt über 600 Franken mehr Prämien als bei der billigsten.

Zürich, 12. November 2020 – Die aktuellen Daten des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigen: Die Verwaltungskosten der Krankenversicherungen betragen im Schnitt 4,6 Prozent der Prämien. Allerdings: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Grundversicherungen sind für alle Krankenversicherer gleich. Doch bleibt der Unterschied der Verwaltungskosten pro versicherter Person gross und man profitiert nicht zwingend von tiefen Verwaltungskosten.

Verwaltungskosten bei der ineffizientesten Kasse stiegen um 16 Prozent

Die Kasse mit den höchsten Verwaltungskosten ist die Krankenkasse Institut Ingenbohl. Sie gab 2019 bereits 573 Franken pro versicherter Person für die Verwaltung aus. Ihre Verwaltungskosten stiegen damit seit 2017 um 81 Franken bzw. satte 16 Prozent.

Der Median (eine Hälfte der Kassen hat höhere und die andere Hälfte tiefere Verwaltungskosten) der Verwaltungskosten stieg im gleichen Zeitraum um 21 Franken (von 151 auf 172 Franken). Das effizienteste Viertel der Kassen legte nur um 8 Franken (von 133 auf 141 Franken) zu. Und die beste Kasse erhöhte ihre Verwaltungskosten um 11 Franken (von 88 auf 99 Franken).

Kleine Kassen sind die Gewinner

Nicht alle grossen Kassen nutzen Skalierbarkeit. Von den grossen und mittleren Krankenversicherern sind einzig die CSS, die Visana zusammen mit ihren Töchtern sana24 und vivacare sowie die Sanitas-Tochter Compact im Viertel mit den tiefsten Verwaltungskosten zu finden. Die CSS gibt 138 Franken pro Kunde und Jahr bzw. 3,4 Prozent ihres Prämienvolumens für die Verwaltung aus. Die Assura mit 152 Franken bzw. 6,1 Prozent, die Swica mit 152 Franken bzw. 4,4 Prozent und die zur Groupe Mutuel gehörende Avenir mit 164 Franken bzw. 3,8 Prozent befinden sich im vorderen Mittelfeld. Die zur Groupe Mutuel gehörende Mutuel Assurance reiht sich mit 192 Franken bzw. 3,9 Prozent der Prämien im hinteren Mittelfeld ein. Helsana gehört mit 238 Franken bzw. 4,9 Prozent des Prämienvolumens zu den Schlusslichtern im hintersten Viertel, ihre Tochter Progrès mit 187 Franken bzw. 5,8 Prozent der Prämien etwas weiter vorne im dritten Viertel.

«Die Krankenversicherung ist ein Massengeschäft. Grosse Unternehmen müssten einen Effizienzvorteil haben. Die Verwaltungskosten machen im Durchschnitt aber nur 4,6 Prozent der Prämien aus. Selbst eine unmögliche Halbierung der durchschnittlichen Verwaltungskosten würde bloss eine Reduktion der Prämien um 2,3 Prozent ermöglichen», erklärt Comparis-Krankenkassenexperte Schneuwly die kleine Wirkung des Skaleneffekts im Wettbewerb. Da nichts teurer ist als schlechte und überflüssige Medizin, müssten die Kassen den Hebel dort ansetzen.

Entkoppelung von Prämienhöhe und Verwaltungsaufwand

Auffallend ist die zunehmende Entkoppelung von Prämienhöhe und Verwaltungskosten. So zahlten Erwachsene bei der Siegerkasse Luzerner Hinterland im Jahr 2019 im Schnitt 3’506 Prämien pro Jahr, davon 99 Franken für die Verwaltung. Die Durchschnittsprämie der CSS-Tochter-Sanagate hat mit 2’853 Franken die schweizweit tiefste Durchschnittsprämie. Das sind über 600 Franken weniger als bei der Luzerner Hinterland. Mit 128 Franken Verwaltungskosten pro Kunde belegt Sanagate aber Platz 7 punkto Effizienz. Die Kundschaft der ineffizientesten Krankenkasse Ingenbohl zahlte für dieselbe Versicherungsdeckung durchschnittlich 1,8-mal mehr, nämlich 5’113 Franken. Damit ist diese Kasse sowohl punkto Verwaltungskosten als auch punkto Prämie das Schlusslicht.

«Sowohl die Verwaltungskosten in Prozent der Prämien als auch die Prämien nähern sich an, weil der verbesserte Risikoausgleich den Kassen mit vielen schlechten Risiken die Prämien subventioniert. Im Gegenzug müssen die Kassen mit vielen guten Risiken einen Teil ihrer Prämieneinnahmen in den Risikoausgleich einzahlen. Die grossen Kassen müssten im digitalisierten Massengeschäft tiefere Verwaltungskosten haben als ihre kleinen Konkurrenten», stellt der Comparis-Krankenkassenexperte fest und zieht den Schluss, dass der Wettbewerbsdruck zu klein sei, weil sich zu wenig Versicherte selbstkritisch fragen, ob sie bei der richtigen Kasse sind.

Verwaltungskosten der Kassen sind kein Kostentreiber

«Trotz der grossen Unterschiede und des teilweise starken Anstiegs darf aber nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Verwaltungskosten kein Treiber für den Prämienanstieg sind», so Schneuwly. Denn während die Verwaltungskosten zwischen 2017 und 2019 im Durchschnitt nur um 1 Prozent stiegen, kletterten die Kosten für die versicherten medizinischen Leistungen im selben Zeitraum um satte 4 Prozent.

«Je mehr Rechnungen geprüft werden müssen und je komplizierter diese sind, desto grösser ist der Kontrollaufwand. Zusammen mit immer mehr Auflagen der Aufsicht treibt das die Verwaltungskosten in die Höhe. Ein Teil davon kann mit Effizienzgewinnen dank Digitalisierung kompensiert werden», so Schneuwly. Die zunehmende Bürokratie sei aber für die Gesundheitsfachleute noch viel schlimmer als für das Personal der Krankenversicherer, weil sie immer mehr Zeit mit Administration statt mit den Patienten verbrächten: «Bei den Krankenkassen hat die Regulierungswut etwas weniger schlimme Folgen als bei den Gesundheitsfachleuten.»

Methodenwechsel beim Comparis-Effizienzpreis

Um die Anstrengungen der Krankenkassen für eine noch effizientere Verwaltung transparent zu machen, verleiht der Online-Vergleichsdienst comparis.ch seit 2015 den Effizienzpreis. Ausgezeichnet werden die Schweizer Krankenversicherer mit dem tiefsten Verwaltungsaufwand.

Neu wird aufgrund der oben beschriebenen Entkoppelung von Verwaltungsaufwand und Prämien als Folge des verbesserten Risikoausgleichs der für die Verwaltung ausgegebene Frankenbetrag pro versicherter Person als Massstab verwendet und nicht mehr die Verwaltungsausgaben in Prozent der Prämien. «Als wir 2015 mit dem Effizienzpreis starteten, war der Risikoausgleich schwächer. Wir wollten Kassen nicht bestrafen, die mit mehr älteren und kranken Kunden mehr Aufwand und Kosten haben als solche mit guten Risiken», sagt Schneuwly.

Weil Kassen mit guten Risiken damals weniger Aufwand mit ihren Kunden und tiefere Prämien hatten, waren die Verwaltungskosten in Prozent der Prämien tendenziell höher. «Nun ist die Wirkung des Risikoausgleichs viel stärker und die Prämienunterschiede kleiner. Dazu kommt, dass Kassen mit vielen schlechten Risiken ihre Prämien mit Beiträgen aus dem Risikoausgleich subventioniert bekommen. Deshalb verwenden wir für die Effizienzrangliste nicht mehr die Verwaltungskosten in Prozent der Prämien, sondern den Frankenbetrag pro versicherte Person und Jahr», so Schneuwly.

Siegerin auf der Datenbasis 2019 ist heuer die Krankenkasse Luzerner Hinterland mit einem Verwaltungsaufwand von 99 Franken pro Kunde. Auf dem zweiten Platz ist die Walliser Sodalis-Gesundheitsgruppe mit 109 Franken. Die Bronzemedaille geht auch ins Wallis, nämlich an die Krankenkasse Visperterminen mit 111 Franken.

Effiziente Kassen

Als effizient gilt eine Krankenkasse gemäss diesem Ranking, wenn sie zum besten Viertel der Krankenkassen mit den tiefsten Verwaltungskosten gehört. Bewertet wird heuer erstmals der Verwaltungsaufwand je versicherte Person in Franken statt der prozentuelle Anteil der Verwaltungskosten am Prämienvolumen abzüglich des Risikoausgleichs. Denn aufgrund des verfeinerten Risikoausgleichs gilt heute nicht mehr die Faustregel, dass eine Kasse mit teuren Prämien aufgrund der Risikostruktur automatisch teure Verwaltungskosten hat.

Für das Jahr 2019 liegt die Effizienzgrenze bei 140 Franken pro versicherter Person. Die Zahlen beruhen auf den neusten offiziellen Aufsichtsdaten für die Obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP), die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) jedes Jahr veröffentlicht. Stand Oktober 2020.

Weitere Informationen:
Felix Schneuwly
Krankenkassenexperte
Telefon: +41 79 600 19 12
E-Mail: media@comparis.ch
comparis.ch

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