Städteinitiative Sozialpolitik

Junge in der Sozialhilfe: Ablösung gelingt meistens

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Bern (ots) - Der Kennzahlenvergleich zur Sozialhilfe in den Städten legt seinen Schwerpunkt auf Jugendliche und junge Erwachsene in der Sozialhilfe. Bei der überwiegenden Mehrheit gelingt die Ablösung auf längere Sicht; bei Ausländerinnen und Ausländern im Verhältnis sogar besser als bei Schweizerinnen und Schweizern. Wesentliche Risikofaktoren sind fehlende Bildung und Aufwachsen in Armut.

Junge Erwachsene in der Sozialhilfe: Ablösung gelingt auf längere Sicht

Erstmals konnte in einer Längsschnittstudie die Entwicklung von Jungen in der Sozialhilfe über sieben Jahre untersucht werden. Betrachtet wurden alle 17-Jährigen, die 2010 in den 14 beteiligten Städten von der Sozialhilfe unterstützt wurden. Wie viele von ihnen würden in den nächsten Jahren die Ablösung aus der Sozialhilfe schaffen? Betrachtet man diese Risikogruppe der 17-jährigen Sozialhilfebeziehenden in den folgenden sieben Jahren, so bezogen lediglich acht Prozent von ihnen dauerhaft Sozialhilfe. Viele schafften vorübergehend oder dauerhaft den sozialen Aufstieg: 76 % der Risikogruppe waren im Alter von 23 Jahren nicht mehr auf Sozialhilfe angewiesen. Dennoch besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, auch im Erwachsenenalter auf Sozialhilfe angewiesen zu sein, wenn Jugendliche in finanziell engen Verhältnissen starten. Besonders problematisch ist die Situation für Personen ohne Berufsbildung.

Ausländische Jugendliche schaffen die Integration

Mit den aktuell gültigen Unterstützungsrichtlinien gelingt es also den Sozialarbeitenden, die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen aus der Sozialhilfe abzulösen. Dieser Effekt zeigt sich bei allen Jugendlichen; doch besonders deutlich ist diese Integrationsfähigkeit bei ausländischen Jugendlichen. Dies bestätigt sich auch in einer Momentaufnahme in der Erhebung von 2017. Sie zeigt, dass das Sozialhilferisiko in den Städten bei den 15-Jährigen ohne Schweizer Pass deutlich höher ist als bei den 25-Jährigen. Während von den 15-Jährigen etwa jede sechste Person auf Sozialhilfe angewiesen ist, so ist es bei den 25-jährigen Ausländerinnen und Ausländer nur noch jede 18. Person. Die Sozialhilfequote sinkt also von 17.5 Prozent (15-Jährige) auf 5.6 Prozent (25-Jährige).

Existenzsichernde Stipendien statt Sozialhilfe

Jugendliche und junge Erwachsene sind aus vielfältigen Gründen auf Sozialhilfe angewiesen: gesundheitliche Probleme, Schwierigkeiten beim Einstieg in den Arbeitsmarkt, junge Elternschaft oder Existenzsicherung während der Ausbildung. Für junge Menschen in Ausbildung plädiert die Städteinitiative Sozialpolitik für existenzsichernde Stipendien. Stipendien, die von der Sozialhilfe unabhängig machen, könnten für die jungen Erwachsenen in Ausbildung und deren Eltern die Situation erleichtern und die Motivation zum Abschluss einer Ausbildung fördern. In jenen Kantonen, in denen Stipendien (noch) nicht existenzsichernd sind, wird die Sozialhilfe diese Aufgabe übernehmen müssen. Dies wird mancherorts ein Umdenken bedingen: Nicht die schnelle Ablösung von der Sozialhilfe in einen prekären Job ist dann das Ziel, sondern die nachhaltige Bekämpfung von Armut dank Ausbildung. Denn fehlende Bildung ist nach wie vor eines der grössten Sozialhilferisiken.

Städte sind die wesentlichen Akteure der Sozialhilfe

Der Kennzahlenvergleich zur Sozialhilfe, erarbeitet von der Berner Fachhochschule und der Städteinitiative Sozialpolitik, dokumentiert aktuelle Entwicklungen von 14 Städten auf der Basis von Daten des Bundesamtes für Statistik BFS. Der Kennzahlenvergleich erscheint seit 19 Jahren in Folge und zum zweiten Mal auch auf Französisch. Die Städte sind die wesentlichen Akteure in der Sozialhilfe und entwickeln zukunftsfähige Lösungen für gesellschaftliche Veränderungen. In den untersuchten 14 Städten lebt rund ein Viertel aller Sozialhilfebeziehenden der Schweiz.

Moderate Entwicklung 2017: Die Kennzahlen zur Sozialhilfe in Kürze

   - 14 Städte: Im aktuellen Kennzahlenbericht Sozialhilfe sind 14 
     Städte vertreten: Basel, Bern, Biel, Chur, Lausanne, Luzern, St.
     Gallen, Schaffhausen, Schlieren, Uster, Wädenswil, Winterthur, 
     Zug und Zürich.
   - Städte überdurchschnittlich betroffen: Die Sozialhilfequote - 
     also das Verhältnis zwischen der Anzahl Sozialhilfebeziehenden 
     und der Gesamtbevölkerung - ist in Städten und Agglomerationen 
     höher als in ihrem ländlich geprägten Umland. In den 14 Städten 
     des Kennzahlenberichts leben 26 Prozent aller 
     Sozialhilfebeziehenden der Schweiz.
   - Die Entwicklung in der Sozialhilfe war 2017 insgesamt moderat.
   - Die durchschnittliche Bezugsdauer blieb konstant, was eine 
     Verbesserung gegenüber früheren Jahren ist.
   - Die Anzahl der Sozialhilfefälle hat mit durchschnittlich 1.6 % 
     deutlich weniger stark zugenommen als in den Vorjahren. Der 
     Fallanstieg ist in den mittelgrossen Städten am höchsten.
   - Unterschiede West-Ost: Das Sozialhilferisiko ist höher in den 
     Städten im westlichen Landesteil und in den grösseren 
     Deutschschweizer Städten mit Zentrumsfunktion als in kleineren 
     Städten der Deutschschweiz.
   - Hohe Fluktuation: Jährlich kommen 20 bis 30 Prozent neue 
     Sozialhilfefälle hinzu und knapp gleich viele können aus der 
     Sozialhilfe abgelöst werden. Die Ablösung aus der Sozialhilfe 
     wird jedoch zunehmend schwieriger.
   - Die Mehrheit der jungen Erwachsenen, die zwischen 20 und 25 
     Jahren Sozialhilfe beziehen, sind auf dem Arbeitsmarkt, d.h. 
     arbeitstätig ohne existenzsicherndes Einkommen oder auf 
     Stellensuche. 

Kontakt:

Die Kontaktpersonen der beteiligten Städte finden sich auf
beiliegender Liste.
Bericht Kennzahlenvergleich zur Sozialhilfe 2017 unter:
http://ots.ch/9drdWZ
Städteinitiative Sozialpolitik, Telefon 052 267 59 57,
info@staedteinitiative.ch



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