Gesundheitsförderung Schweiz / Promotion Santé Suisse
Medienmitteilung: Suizidprävention: Bewährte Ansätze werden national gebündelt
Bern, 9. September 2026. In der Schweiz sterben jeden Tag zwei bis drei Menschen durch Suizid; dies ohne die Fälle von Suizidhilfe. Mehr als 50% der Betroffenen werden nach einem Suizidversuch nicht von Fachpersonen betreut. Zum Welttag der Suizidprävention am 10. September macht Gesundheitsförderung Schweiz auf diese Versorgungslücke aufmerksam. Mit der «Swiss Suicide Prevention Toolbox» (SuiT) entsteht ein von Gesundheitsförderung Schweiz unterstütztes und national koordiniertes Angebot, das bewährte Interventionen und Instrumente der Suizidprävention digital bündelt und besser zugänglich macht.
Suizidprävention erfordert verlässliche Versorgungsstrukturen
Der Nationale Aktionsplan Suizidprävention wurde 2016 vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), den Kantonen und Gesundheitsförderung Schweiz unter Einbezug weiterer Akteur*innen lanciert. Er verfolgt das Ziel, die Zahl der Suizide in der Schweiz bis 2030 deutlich zu reduzieren und Menschen in suizidalen Krisen wirksamer zu unterstützen.
Die Zahl der Suizide hat sich seit 2022 auf einer im europäischen Vergleich hohen Rate stabilisiert. Nichtsdestotrotz bleibt der Handlungsbedarf hoch: Jährlich sterben in der Schweiz rund 1'000 Menschen durch Suizid, Männer rund dreimal häufiger als Frauen. Gleichzeitig ist die Zahl der Suizidversuche deutlich höher.
Neben der Prävention suizidaler Krisen ist auch entscheidend, wie Betroffene nach einem Suizidversuch weiter begleitet werden. Eine besondere Herausforderung besteht beim Übergang zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Nach einem Suizidversuch ist eine verlässliche Weiterbetreuung zentral. Dennoch werden viele Betroffene nach dem Austritt aus der stationären Therapie nicht durch Fachpersonen begleitet. Auch bei reinen Suizidgedanken wird professionelle Unterstützung häufig nicht oder erst spät in Anspruch genommen.
Um diese Lücke zu schliessen und die Versorgung zu stärken, unterstützte Gesundheitsförderung Schweiz zwischen 2021 und 2025 im Rahmen der Projektförderung Prävention in der Gesundheitsversorgung (PGV) die Entwicklung von vier Suizidpräventionsprojekten: SERO, ASSIP flex, ASSIP Romandie und AdoASSIP. Die Projekte ergänzen die bestehende Behandlung durch wissenschaftlich fundierte Kurzinterventionen, stärken das Selbstmanagement der Betroffenen und beziehen auch Angehörige und Bezugspersonen ein.
Resultate der externen Evaluation
Gesundheitsförderung Schweiz beauftragte das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) gemeinsam mit der Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg (HETS-FR/HES-SO) mit der Evaluation der vier Suizidpräventionsprojekte. Neben den Einzelevaluationen wurden die Projekte erstmals auch projektübergreifend untersucht. Dabei wurden unter anderem Ansätze, Erfolgsfaktoren und Hindernisse verglichen, um Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Suizidprävention und künftige Projekte zu gewinnen.
Die Analyse zeigt, dass die Interventionen wirksam sind und in bestehende Versorgungsstrukturen integriert werden können. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen den Fachpersonen, passende Angebote für unterschiedliche Zielgruppen und eine gute Vernetzung sind. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für die nächste Entwicklungsphase.
Von vier Projekten zu einem national koordinierten Angebot
Aufbauend auf den Erfahrungen und Ergebnissen der vier Projekte entsteht 2026 mit SuiT – Swiss Suicide Prevention Toolbox ein nationales Projekt zur Stärkung der Suizidprävention. Ziel ist eine geschützte digitale Toolbox, die praxisnahe und evidenzbasierte Angebote aus den bestehenden und parallel weitergeführten Präventionsprojekten bündelt und um weitere bewährte Instrumente aus der Schweiz ergänzt.
«SuiT basiert auf fünf Jahren Erfahrung aus der Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsfachpersonen, Betroffenen und Angehörigen, integriert die Erkenntnisse der externen Evaluation der PGV-Suizidpräventionsprojekte und bündelt bestehendes Wissen in einem nationalen Ansatz.» sagt Franziska Widmer Howald, Projektverantwortliche von SuiT bei Gesundheitsförderung Schweiz.
Betroffene, Angehörige und Fachpersonen erhalten damit einen niederschwelligen Zugang zu passenden Angeboten der Suizidprävention – unabhängig von Alter, Region oder Fachhintergrund. Ein KI-gestützter Chatbot unterstützt die Navigation innerhalb der Toolbox, erfragt den jeweiligen Bedarf und schlägt geeignete Angebote vor. Dazu können beispielsweise Therapieangebote, Instrumente für das Selbstmanagement, digitale Anwendungen oder Weiterbildungsangebote für Fachpersonen gehören.
SuiT trägt damit zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Suizidprävention bei und schafft die Grundlage für einen national koordinierten und bedarfsgerechten Zugang zu bewährten Angeboten.
Suizidprävention bleibt eine gemeinsame Aufgabe
Zahlreiche nationale und kantonale Akteur*innen engagieren sich dafür, dass Menschen in suizidalen Krisen und ihre Angehörigen leichter Zugang zu geeigneter Beratung, Behandlung und Begleitung erhalten. Ergänzend tragen Kampagnen und unterstützte Projekte zur Förderung der psychischen Gesundheit dazu bei, Belastungen frühzeitig anzusprechen und Vorurteile abzubauen. Die Zwischenbilanz des Nationalen Aktionsplans Suizidprävention aus dem Jahr 2021 fiel positiv aus. Dennoch zeigen gerade auch die aktuellen Zahlen aus dem Obsan Bulletin 2026 zur Psychischen Gesundheit, dass weitere strukturelle Massnahmen und eine gut aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit aller Beteiligten zwingend notwendig sind.
«Wirksame Angebote zur Suizidprävention sind vorhanden. Entscheidend ist nun, sie besser zu vernetzen, langfristig in den Versorgungsstrukturen zu verankern und für unterschiedliche Zielgruppen erreichbar zu machen. Mit SuiT schaffen wir dafür eine national koordinierte Grundlage», sagt Prof. Dr. Thomas Mattig, Direktor von Gesundheitsförderung Schweiz.
Weitere Informationen
- Themenseite Suizidprävention: Informationen zum Engagement von Gesundheitsförderung Schweiz sowie zu Projekten, Publikationen und Grundlagen
- SuiT – Swiss Suicide Prevention Toolbox: Informationen zum nationalen Projekt, zu seinen Zielen und zur geplanten digitalen Toolbox
Unterstützung für Betroffene & Angehörige
- Die Dargebotene Hand: www.143.ch
- reden-kann-retten.ch
- Santépsy
- Wie geht’s dir?
Für Kinder und Jugendliche:
- Pro Juventute Beratung + Hilfe 147: www.147.ch
Kontakt
Für weitere Auskünfte oder Fragen steht Ihnen die Medienstelle von Gesundheitsförderung Schweiz per E-Mail medien@gesundheitsfoerderung.ch zur Verfügung.
Gesundheitsförderung Schweiz Gesundheitsförderung Schweiz ist eine Stiftung, die von Kantonen und Versicherern getragen wird. Mit gesetzlichem Auftrag initiiert, koordiniert und evaluiert sie Massnahmen zur Förderung der Gesundheit und zur Verhütung von Krankheiten (Krankenversicherungsgesetz, Art. 19). Die Stiftung unterliegt der Kontrolle des Bundes. Oberstes Entscheidungsorgan ist der Stiftungsrat. Die Geschäftsstelle besteht aus Büros in Bern und Lausanne. Jede Person in der Schweiz leistet einen monatlichen Beitrag von 40 Rappen zugunsten von Gesundheitsförderung Schweiz, der von den Krankenversicherern eingezogen wird.
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