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01.06.2004 – 10:27

Bundesamt f. Umwelt, Wald und Landschaft

Internationaler Tag der Umwelt, 5. Juni 2004 Starke Ökosysteme, stabiles Klima, den Boden schonender nutzen

Bern (ots)

Ökosysteme sind der Schlüssel für sauberes Wasser
und 
eine reiche Artenvielfalt. Sie sind wegen menschlicher Aktivitäten 
weltweit unter Druck; der menschverursachte Klimawandel verstärkt 
diesen zusätzlich. Anlässlich des internationalen Tages der Umwelt 
vom 5. Juni 2004 ruft BUWAL-Direktor Philippe Roch auf, den Schutz 
der Ökosysteme weltweit zu verstärken und den Kampf gegen die 
Klimaerwärmung voranzutreiben. Die Schweiz spielt eine aktive Rolle 
in der internationalen Umweltpolitik und soll im eigenen Land die 
Ziele erreichen durch eine umweltverträgliche Raumplanung, den 
Schutz und die Vernetzung zerschnittener Lebensräume, Renaturierung 
von Gewässern, und die Umsetzung des CO2-Gesetzes.
Natürliche Gewässer, Wälder, Feuchtgebiete, und Böden leisten 
der 
Menschheit unbezahlbare Dienste. Diese Ökosysteme liefern sauberes 
Trinkwasser, indem sie das Wasser auffangen, filtern, zurückhalten 
und dosiert wieder abgeben. Zudem versorgen sie uns mit Nahrung, 
beherbergen die gesamte Vielfalt an Arten und genetischen 
Ressourcen 
und sind eine wichtige Grundlage für die Wirtschaft: Die 
genetischen 
Ressourcen sind unabdingbar für die Produktion von Kulturpflanzen 
und Zuchttieren und demzufolge für die Lebensmittelsicherheit. 
Zudem 
sind sie Voraussetzung für die Herstellung von Medikamenten und 
anderen industriellen Erzeugnissen. Weltweit verschwinden jedoch 
jährlich 27‘000 Tier- und Pflanzenarten, und im letzten Jahrhundert 
wurde die Hälfte der Feuchtgebiete zerstört. Zudem wurde alleine in 
den letzten zehn Jahren Tropenwald auf einer Fläche entwaldet, die 
30-mal so gross ist wie die Schweiz.
Verstärkter weltweiter Schutz der Ökosysteme Die vielfältigen 
Leistungen der Ökosysteme und der Artenvielfalt lassen sich 
nachhaltig schützen, wenn jene Bevölkerungsgruppen, welche die 
Ressourcen pflegen, auch dafür entschädigt werden. Dadurch wird 
nicht zuletzt auch ein Beitrag zur Bekämpfung der Armut im 
Weltsüden 
geleistet.
• Entschädigung von Leistungen. Einwohner im oberen Teil der 
Flusseinzugsgebiete, sogenannte Oberlieger, die ihre Wälder 
nachhaltig bewirtschaften, leisten einen Beitrag an gute 
Wasserqualität und Hochwasserprävention, und davon profitieren vor 
allem die im unteren Teil der Flüsse lebenden, meist reicheren 
Bevölkerungsgruppen. Wenn diese die Oberlieger für ihre Dienste 
entschädigen, steigt deren Motivation, die Lebensgrundlagen zu 
erhalten. 
• Kein Projekt ohne Schutz der Ökosysteme. Entwicklungs- 
und Investitionsprojekte in den Bereichen Wald, Wasser, 
Landwirtschaft und Infrastruktur sollen den Schutz und die 
nachhaltige Nutzung der betroffenen Ökosysteme berücksichtigen. 
• Gerechte Verteilung der Vorteile. Wegen des bedeutenden 
Potenzials genetischer Ressourcen für die Entwicklung von 
Biotechnologie, insbesondere im landwirtschaftlichen, industriellen 
und vor allem im pharmazeutischen Bereich, betrachten die 
Entwicklungsländer, die im Besitz der Mehrheit der genetischen 
Ressourcen sind, diese als neues "grünes Gold". Wenn beispielsweise 
ein Pharmaunternehmen eine Heilpflanze erforschen und später nutzen 
will, muss die gerechte Verteilung der daraus möglicherweise 
entstehenden Vorteile vorher vertraglich geregelt werden. Dieses so 
genannte "Access and Benefit Sharing" (ABS; Zugang zu genetischen 
Ressourcen und gerechte Verteilung der Vorteile) ist ein starker 
Anreiz für die lokale Bevölkerung, Ökosystem und Arten zu schützen.
Gesunde Ökosysteme wirken einerseits als Puffer gegen die je 
länger je deutlicher spürbaren Folgen des Klimawandels: Sie können 
Niederschläge auffangen, in Trockenphasen Wasser liefern und wirken 
somit bis zu einem gewissen Grad mildernd auf meteorologische 
Extremereignisse. Anderseits geraten die Ökosysteme wegen dem 
Klimawandel immer stärker unter Druck.
Kyoto-Protokoll und CO2-Gesetz umsetzen und vorausblicken Zum 
Erhalt unserer Lebensgrundlagen muss deshalb der Kampf gegen den 
Klimawandel und der Schutz des Menschen vor den Folgen der 
Klimaänderungen vorangetrieben werden. Dies geschieht in mehreren 
Etappen: 
• Erstens durch die Umsetzung der im Protokoll von Kyoto 
beschlossenen Zielsetzungen zur Senkung der Treibhausgase bis 2012. 
In der Schweiz wird dieses Ziel zur Hauptsache im Rahmen des CO2- 
Gesetzes umgesetzt. Sollten die im Gesetz vorgesehenen, bereits 
ergriffenen freiwilligen Massnahmen nicht ausreichen, braucht es 
weitere Massnahmen. Der Bundesrat wird in nächster Zeit über das 
weitere Vorgehen zur Erreichung des CO2-Reduktionsziels 
entscheiden. 
• Zweitens muss der Blick bereits jetzt über 2012 hinausgehen: Wenn 
wir den Klimawandel abschwächen wollen, müssen die 
Treibhausgasemissionen der Industrieländer ihren Aus-stoss im 
Vergleich zu 1990 um 70 Prozent senken. Zudem braucht es Antworten 
auf das Wachstum der Emissionen in den Entwicklungsländern.
Mehr Natur und eine schonende Nutzung des Bodens in der Schweiz 
Der Verlust an Ökosystemen geht nicht nur weltweit, sondern auch in 
der Schweiz weiter. Hauptursachen sind Verkehrswege und Siedlungen, 
welche natürliche Lebensräume zer-schneiden, die Verbauung der 
Gewässer und die intensive Landwirtschaft. Die laufende Verbauung 
unseres Landes (pro Sekunde geht ein Quadratmeter Kulturland 
verloren) und der Trend, immer weiter weg von den Zentren zu wohnen 
und publikumsintensive Einrichtungen zu bauen, generiert Verkehr 
und hat negative Einflüsse auf die Natur und den Menschen: Nahezu 
eine Million Schweizerinnen und Schweizer leiden unter Lärm.
Positive Tendenzen sind jedoch sichtbar: So ist beispielsweise 
in den letzten Jahren dank entsprechender finanzieller Anreize die 
Landwirtschaft deutlich ökologischer geworden und leistet damit 
wieder vermehrt einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der 
Artenvielfalt. Zudem bildet die Landwirtschaft ein wirksames 
Gegengewicht zum Siedlungsdruck.
Folgende Ansätze sollen zur Lösung der Probleme in der Schweiz 
beitragen: 
• Lebensräume schützen und vernetzen. Damit sich die 
Kerngebiete der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt und 
potenzielle Vernetzungsachsen zeigen lassen, wird das Nationale 
ökologische Netzwerk (REN) aufgebaut. Es ist eingebettet in das vom 
Bundesrat 1997 genehmigte Landschaftskonzept Schweiz. Während die 
bereits gebauten Wildtierpassagen über Autobahnen und Bahnlinien 
Wirkung zeigen, müssen in einem weiteren Schritt auch die 
Lebensräume von Amphibien, Reptilien, Kleinsäugern und Wirbellosen 
verbessert werden. Dies geschieht zum Teil ebenfalls mit baulichen 
Massnahmen entlang der Verkehrsträger. In der Landwirtschaft 
fördert die Öko-Qualitätsverordnung die biologische Qualität und 
die sinnvolle Vernetzung von ökologischen Ausgleichsflächen. 
• Industriebrachen besser nutzen. Zur Schonung unbebauter Flächen 
und intakter Böden im Grünen, müssen die Standorte ehemaliger 
Industrieunternehmen besser genützt werden: In der Schweiz wären 15 
Millionen Quadratmeter (Grösse der Stadt Genf) nutzbar. Diese 
Industriebrachen sind meistens gut erschlossen und eignen sich für 
attraktive Umnutzungen. Aus Furcht vor möglichen Altlasten weichen 
jedoch viele Investoren immer noch auf die "grüne Wiese" aus. 
• Planungen abstimmen. Verkehrs- und Siedlungsplanung sowie die 
Umsetzung der ökologischen Ziele müssen künftig noch besser 
aufeinander abgestimmt werden. Dadurch lässt sich eine übermässige 
Lärm- und Luftbelastung von vornherein minimieren. 
• Innovativer Lärmschutz. Zudem braucht es im Lärmschutz neue Wege: 
Wenn die Belastungsgrenzwerte einmal eingehalten sind, ist der 
Anreiz, Lärm zu vermindern, kaum mehr vorhanden. Ein Lärm/Ruhe- 
Labeling könnte helfen, die Wohnqualität zu bewerten und das 
Gut "ruhiges Wohnen" einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein 
zu bringen. 
• Qualitativer Bodenschutz. Die Art der Bodennutzung hat sich 
besser als bisher an der Beschaffenheit und Empfindlichkeit der 
verschiedenen Böden zu orientieren. Dies ist eine zentrale Aufgabe 
der kommunalen und kantonalen Raumplanung. 
• Mehr Naturnähe und weniger Chemie im Wasser. Die Wasserqualität 
ist in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz markant besser 
geworden, die Gewässer hingegen sind noch immer zuwenig naturnah 
und müssen gezielt renaturiert werden. In vielen Fliessgewässer 
sind heute noch keine angemessenen Restwassermengen gewährleistet. 
Zudem machen eine Vielzahl, mehrheitlich unbekannter Chemikalien im 
Wasser den Fischen zu schaffen. Zur Erforschung der Ursachen 
startet das BUWAL ein Projekt zur Untersuchung der 
Mikroverunreinigungen in den Gewässern. Zudem appelliert es an die 
Selbstverantwortung der chemischen Industrie.
BUWAL  BUNDESAMT FÜR UMWELT, 
WALD UND LANDSCHAFT
Pressedienst
Zum internationalen Tag der Umwelt ruft das BUWAL auf,
•	Ökosysteme weltweit besser zu schützen;
•	das Kyoto-Protokoll weltweit umzusetzen, ebenso das CO2-
Gesetz in der Schweiz;
•	Massnahmen gegen den Klimawandel für die Zeit nach 2012 
(Kyoto II) vorzubereiten;
•	den Boden in der Schweiz schonender zu nutzen;
•	weniger Chemie ins Wasser gelangen zu lassen.
Auskünfte
•	Philippe Roch, Direktor BUWAL, 079 277 51 88
•	Pressedienst BUWAL, 031 322 90 00
Beilagen • Faktenblatt Wasser • Faktenblatt Biodiversität • 
Faktenblatt Klima • Faktenblatt Raumplanung und Umwelt.
Internet
•	http://www.umwelt-
schweiz.ch/buwal/de/fokus/200406/index.html
•	http://www.unep.org/wed/2004
•	http://www.environmenthouse.ch/