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Caritas Schweiz / Caritas Suisse

Die Schweiz tut zu wenig für Working Poor
Vor Prämienschock fordert Caritas Massnahmen gegen Erwerbsarmut

Die Schweiz tut zu wenig für Working Poor / Vor Prämienschock fordert Caritas Massnahmen gegen Erwerbsarmut
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Luzern (ots)

In der Schweiz leben fast 360'000 Menschen, die arbeiten und trotzdem nicht genug verdienen, um den Lebensunterhalt ihres Haushalts zu sichern. Angesichts des neuerlichen Anstiegs der Krankenkassenprämien kritisiert die Caritas, dass die Schweiz zu wenig unternimmt, um die Situation der arbeitenden Armen zu verbessern.

Der bevorstehende deutliche Anstieg der Krankenkassenprämien ist für Working Poor ein weiterer Schock. "Ärmere Haushalte geben praktisch ihr ganzes Bruttoeinkommen für Fixkosten und Grundbedürfnisse aus. Sie haben null Reserven, um solche zusätzlichen Belastungen zu verkraften", sagte Aline Masé, Leiterin Grundlagen und Politik bei Caritas Schweiz, am Montag an einem Mediengespräch.

Das Problem der Working Poor werde in der Schweiz chronisch unterschätzt, unterstrich Aline Masé. Dabei verdienen fast 360'000 Menschen (8,8 Prozent aller Erwerbstätigen) nicht genug, um den Lebensunterhalt ihres Haushalts zu sichern, obwohl sie oft in einem hohen Pensum arbeiten. So viele waren es seit der Einführung der neuen Messmethode 2014 noch nie. Zählt man alle Personen dazu, die im selben Haushalt leben und von diesem Einkommen abhängig sind, dann betrifft das Problem der Erwerbsarmut über 820'000 Menschen. "Dennoch bleiben Working Poor oft unter dem Radar der Behörden und erhalten kaum staatliche Unterstützung", führte Aline Masé aus.

Betroffene leiden unter mehreren Belastungen gleichzeitig

Betroffen sind viele Familien mit Kindern, unterstrich Bernhard Jurmann, Leiter Abteilung Beratung bei Caritas Zürich: "Zu uns kommen Eltern mit Kindern, viele von ihnen Alleinerziehende. Ein typischer Working-Poor-Haushalt, wie er sich in unserer Beratung zeigt, ist meist Mehrfachbelastungen ausgesetzt." Dazu zählen neben einem zu geringen Einkommen auch prekäre Arbeitsbedingungen, kleine Wohnungen und teure Mieten, gesundheitliche Belastungen und ein hoher Aufwand, um Kinderbetreuung sowie die oft verschiedenen Erwerbstätigkeiten unter einen Hut zu bringen.

Pierre-Alain Praz, Direktor von Caritas Waadt, wies darauf hin, dass fehlende Bildung und Hürden bei der Weiterbildung die Erwerbsarmut verstärken: "Geringe berufliche Qualifikationen bringen die meisten erwerbstätigen Armen in eine prekäre Lage. Ohne gemeinsame Anstrengungen von Unternehmen und Staat, neue duale Ausbildungsgänge nach dem Vorbild der Lehrlingsausbildung zu schaffen, bleibt die berufliche Umschulung der Working Poor ein frommer Wunsch."

Gezielte Massnahmen für Working Poor

Die Caritas schlägt gezielte Massnahmen vor, die keine grossen Systemänderungen erfordern. Für faire Löhne braucht es einen gesetzlichen Mindestlohn. Damit Erwerbsarbeit effektiv vor Armut schützt, sind genügend hohe und planbare Arbeitspensen unabdingbar. "Neben dem Sozialstaat stehen auch die Arbeitgeber in der Verantwortung. Gesamtarbeitsverträge sind ein gutes Instrument, um faire Entlöhnung und Arbeitsmodelle festzulegen", unterstrich Aline Masé.

Ein weiteres Instrument sind Familien-Ergänzungsleistungen, wie sie fünf Kantone bereits kennen. Sie können die Integration der Eltern in den Arbeitsmarkt langfristig sichern. Zudem schlägt Caritas Arbeitsmarktstipendien vor, um Working Poor bei einer berufsorientierten Weiterbildung zu unterstützen. Aline Masé: "Die allermeisten Menschen wollen arbeiten und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. Es bräuchte nicht viel, um sie auf diesem Weg zu unterstützen."

Das neue Positionspapier "Die Schweiz tut zu wenig für Working Poor" finden Sie unter http://www.caritas.ch/sozialpolitik

Pressekontakt:

Niels Jost, Mediensprecher Caritas Schweiz
medien@caritas.ch
076 233 45 04