Caritas Schweiz / Caritas Suisse
Caritas Schweiz blickt mit Besorgnis auf aktuelle Entwicklungen
Sieben Gründe, warum 2026 für ärmere Menschen ein schwieriges Jahr wird
Luzern (ots)
Caritas warnt: Die Belastung für ärmere Haushalte in der Schweiz wird 2026 weiter zunehmen. Zum Auftakt ihres Jubiläumsjahres macht Caritas Schweiz auf diese problematische Entwicklung aufmerksam und zeigt auf, wo der grösste Handlungsbedarf besteht.
"Leider deutet nichts darauf hin, dass sich die Situation für Menschen, die von Armut betroffen oder bedroht sind, in diesem Jahr entspannen wird. Im Gegenteil, wir von der Caritas sehen klare Hinweise darauf, dass unsere Gesellschaft weiter auseinanderdriftet", sagt Peter Lack, Direktor von Caritas Schweiz.
Es gelingt der Schweiz seit Jahren nicht, die Armut zu senken, wie auch das kürzlich erschienene erste nationale Armutsmonitoring des Bundes zeigt. "Die Armutsproblematik der Schweiz ist chronisch geworden. Als Gesellschaft stehen wir vor der Aufgabe, für mehr Chancengerechtigkeit und mehr Ausgleich zu sorgen. Es geht nicht an, dass 16 Prozent der Bevölkerung - darunter viele Familien und Kinder - mit stark eingeschränkten Perspektiven und der täglichen Sorge um die Existenzsicherung konfrontiert sind", unterstreicht Peter Lack.
Kosten steigen, Löhne stagnieren
Caritas Schweiz benennt sieben Ursachen dafür, wieso sich die Situation für ärmere Menschen im Jahr 2026 verschlechtern wird:
1. Steigende Lebenshaltungskosten belasten ärmere Haushalte besonders stark, weil diese praktisch ihr gesamtes Bruttoeinkommen für Fixkosten und Grundbedürfnisse ausgeben müssen.
2. Die Krankenkassenprämien steigen und steigen. Auf den 1. Januar 2026 ist der vierte markante Prämienanstieg in Folge in Kraft getreten.
3. Der Druck auf den Wohnungsmarkt wird 2026 weiter zunehmen. Eine angemessene Wohnung zu finden ist für ärmere Haushalte praktisch aussichtslos.
4. Viele Ausgaben wachsen, aber die tiefen Löhne stagnieren. Zwischen 2020 und 2024 sind sie sogar leicht gesunken. Auch 2026 dürften die tiefen Löhne real kaum höher sein als vor sechs Jahren.
5. Die Existenzsicherung ist ungenügend. Namentlich der Grundbedarf in der Sozialhilfe ist zu tief.
6. Die Unterstützung von Familien ist in der Schweiz mangelhaft. In keinem anderen europäischen Land nimmt der Lebensstandard eines Haushalts so stark ab, wenn ein Kind dazukommt. Rund jedes fünfte Kind in der Schweiz ist von Armut betroffen oder bedroht, seit 2014 ist die Tendenz steigend.
7. Reiche werden entlastet, Arme belastet: Ärmere Haushalte profitieren nicht vom aktuellen Trend zu Steuersenkungen, eine Erhöhung der Mehrwertsteuer hingegen betrifft sie viel stärker als Reiche.
Das Fazit von Aline Masé, Leiterin des Bereichs Grundlagen und Politik, lautet: "Die Ungleichheit nimmt in der Schweiz zu, für die Ärmeren wird es noch schwieriger. Das ist aus unserer Sicht eine falsche Entwicklung." Laut der Caritas müssen ärmere Haushalte dringend stärker entlastet werden, beispielsweise durch den Ausbau bestehender Massnahmen wie der Prämienverbilligung. Gleichzeitig muss die weitere Zunahme der Ungleichheit verhindert werden. Möglich wären höhere Vermögens- oder Erbschaftssteuern.
Neue Webplattform zur Armut in der Schweiz
Die Caritas lanciert heute die Webplattform "Armut in der Schweiz". Sie gibt in einer gut verständlichen Form einen umfassenden Überblick zur Armutssituation in der Schweiz. "Wir möchten zum Start des 125-Jahr-Jubiläums von Caritas Schweiz mit unserer neuen Armutsplattform dazu beitragen, dass das Wissen zu Armut breit zugänglich ist", sagt Peter Lack.
Beantwortet werden Fragen wie: Was heisst es, in der reichen Schweiz arm zu sein? Wer ist davon betroffen und wie genau? Wie funktioniert unser Sozialsystem und wo hat es Lücken? Was kann die Politik gegen Armut tun?
Die Webplattform finden Sie unter www.caritas.ch/armutsplattform
Zahlen und Fakten zu Armut in der Schweiz
- Über 1,4 Millionen Menschen leben in der Schweiz gemäss Bundesamt für Statistik unter der Armutsgrenze oder knapp darüber. Das sind 16 Prozent der Bevölkerung.
- 708'000 Personen sind im engeren Sinn armutsbetroffen.
- Dazu zählen rund 100'000 armutsbetroffene Kinder.
- 336'000 Männer und Frauen sind trotz Erwerbsarbeit von Armut betroffen oder bedroht und zählen zu den Working Poor.
- Eine armutsbetroffene Einzelperson hat in der Schweiz maximal 2'315 Franken monatlich zur Verfügung, eine vierköpfige Familie mit Eltern und zwei Kindern 4'051 Franken.
Pressekontakt:
Livia Leykauf, Mediensprecherin Caritas Schweiz
medien@caritas.ch
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