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Exklusiv: Island will wieder Wale jagen

Island will wieder Wale jagen: Rückschritt für den Meeresschutz

  • Geplante Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs: Laut Medienberichten bereitet Islands einziges Finnwalfangunternehmen nach zwei Jahren Pause seine Schiffe für die Finnwal-Jagd vor
  • Bis zu 209 Finnwale und 217 Zwergwale könnten 2026 getötet werden: Die aktuellen, selbst auferlegten Quotenermöglichen die Tötung von über 2.000 Walen innerhalb von fünf Jahren – ohne weitere politische Entscheidung
  • Walfang in europäischen Gewässern trotz globalem Verbot: Berichten zufolge hat Norwegen die Jagdsaison bereits begonnen, mit bisher deutlich höheren Fangzahlen als im Vorjahr

Während in der Ostsee derzeit das Schicksal eines gestrandeten Buckelwals große öffentliche Anteilnahme auslöst, droht andernorts die systematische Tötung von Hunderten Individuen.

Nach Jahren der Hoffnung, Island könnte den kommerziellen Walfang endgültig beenden, wird nun berichtet, dass sich die Fangflotte auf eine Wiederaufnahme der Jagd vorbereitet.

Nach mehreren unterbrochenen und ausgefallenen Saisons könnte der Walfang jederzeit wieder aufgenommen werden, da die bestehenden Fünfjahresgenehmigungen (2025 – 2029) keiner weiteren politischen Entscheidung bedürfen.

Diese selbst auferlegten Fangquoten erlauben die jährliche Tötung von 209 Finnwalen und 217 Zwergwalen.

OceanCare verurteilt diese Pläne scharf und fordert die isländische Regierung auf, sämtliche Vorbereitungen für den kommerziellen Walfang umgehend zu stoppen und bestehende Genehmigungen zu widerrufen.

Mark Simmonds, Leiter Wissenschaft bei OceanCare, sagt:

„Die Entscheidung des Walfangunternehmens, die Jagd wieder aufzunehmen – trotz der Entwicklungen der letzten Jahre im Land, einschließlich der Tatsache, dass sich mittlerweile mehr als 50 Prozent der Bevölkerung gegen den Walfang aussprechen – ist zutiefst enttäuschend. Kommerzieller Walfang ist eine überholte und nicht zu rechtfertigende Praxis. Wale im 21. Jahrhundert aus kommerziellen Gründen zu töten, ist weder notwendig noch akzeptabel – insbesondere angesichts der gravierenden und ungelösten Tierschutzprobleme.“

Nicolas Entrup, Leiter Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, ergänzt:

„Wale sind heute zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Sind wir Menschen wirklich so stur, dass wir nicht einmal jene Praxis beenden, die völlig unnötig, grausam und sinnlos ist? Der kommerzielle Walfang widerspricht internationalen Vereinbarungen, gefährdet ohnehin bedrohte Walpopulationen und verursacht erhebliches Leid. Island sollte es besser machen – und wir sind überzeugt, dass die Mehrheit der isländischen Bevölkerung das genauso sieht.“

Globales Walfangverbot wird untergraben

Während weltweit Anstrengungen verstärkt werden, den Meeresschutz auszubauen und dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegenzuwirken, untergräbt die mögliche Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs zentrale internationale Verpflichtungen – insbesondere das von der Internationalen Walfangkommission (IWC) etablierte Moratorium.

Trotz des seit 1986 geltenden internationalen kommerziellen Walfangverbots setzt Island den Walfang fort, indem es einen Vorbehalt gegen das Moratorium aufrechterhält und kommerzielle Jagd betreibt, vornehmlich auf Finnwale. Deren Fleisch wird vor allem nach Japan exportiert.

Genehmigungen ermöglichen umfangreichen Walfang

Im Rahmen der aktuellen, selbst festgelegten Fünfjahresgenehmigungen hat Island die jährliche Tötung von 209 Finnwalen und 217 Zwergwalen erlaubt: theoretisch mehr als 2.100 Tiere im Zeitraum zwischen 2025 und 2029. Finnwale gelten laut der Roten Liste der IUCN als gefährdet.

Zwischen 2019 und 2021 fand kein kommerzieller Walfang auf Finnwale in Island statt. 2022 wurden 148 Tiere getötet, 2023 weitere 24. In den Jahren 2024 und 2025 wurde die Jagdsaison ausgesetzt.

Solange die Genehmigungen jedoch bestehen, ist keine weitere politische Entscheidung notwendig, um den Walfang wieder aufzunehmen – was die aktuelle Situation besonders dringlich macht. Berichten zufolge bereitet das einzige isländische Finnwalfangunternehmen, Hvalur hf., bereits seine Schiffe für die kommende Sommersaison vor, während die offizielle Fangempfehlung des zuständigen Instituts noch aussteht.

Der Umfang dieser Genehmigungen verdeutlicht den industriellen Charakter des modernen Walfangs, der unter anderem durch Exportmärkte – insbesondere in Japan – angetrieben wird. Die Nachfrage im isländischen Inland ist sowohl für Finnwal- als auch für Zwergwalfleisch gering.

Erhebliche Tierschutzprobleme

Beim kommerziellen Walfang werden Harpunen mit Sprengladungen eingesetzt, die die Tiere sofort töten sollten. In der Praxis geschieht dies jedoch häufig nicht.

Daten aus der isländischen Walfangsaison 2022 zeigen, dass 41 Prozent der Wale nicht sofort starben. Die mittlere Zeit bis zum Tod lag bei 11,5 Minuten. In einzelnen Fällen dauerte es über eine Stunde, bis das Tier starb.

Neue Regelungen aus dem Jahr 2023 sollten Verbesserungen bringen, etwa durch Vorgaben zu Wetterbedingungen und Sichtverhältnissen. Diese gelten jedoch als unzureichend, um die grundlegenden Tierschutzprobleme dieser Praxis zu lösen.

Die mögliche Wiederaufnahme des Walfangs in Island erfolgt zudem vor dem Hintergrund zunehmender Aktivitäten in anderen europäischen Gewässern: Berichten zufolge hat Norwegen seine Walfangsaison bereits begonnen. Drei Schiffe sind dort im Einsatz und bis Anfang dieser Woche wurden bereits 45 Zwergwale getötet – im Vergleich zu neun Tieren zum selben Zeitpunkt im Vorjahr.

Pressekontakt

Anton Mattmüller, Pressesprecher, OceanCare

amattmueller@oceancare.org | +43 681 106 19366

Über OceanCare

OceanCare setzt sich seit 1989 weltweit für die Meerestiere und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie intensivem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. OceanCare ist vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen als Sonderberaterin für den Meeresschutz anerkannt und ist offizielle Partnerorganisation in zahlreichen UN-Abkommen und internationalen Konventionen. OceanCare engagiert sich zudem in internationalen zivilgesellschaftlichen Bündnissen wie der High Seas Alliance, Seas at Risk, oder der #BreakFreeFromPlastic-Koalition.

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