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"Eine Branche frisst ihre Kinder" - Kultur-Autor Hellmuth Karasek über den heutigen Star-Kult vor dem Hintergrund der bissigen, 50er Jahre Hollywood-Satire "Sunset Boulevard" von Billy Wilder

    Hamburg (ots) - Die Mechanismen, mit denen die Medien Stars über Nacht aus dem Nichts zaubern und eben so schnell wieder fallen lassen, sind - auch wenn das angesichts revolutionärer Entwicklungen in dieser Branche zunächst verblüffen mag - immer noch dieselben wie vor über einem halben Jahrhundert. Kein Film offenbart diese Wahrheit deutlicher als Billy Wilders Schwarz-Weiss-Klassiker "Sunset Boulevard", den es jetzt auch auf DVD gibt. Als Wilder 1950 diesen Film drehte, blickte er auf die Zeit von vor zwanzig Jahren zurück: die Jahre, als von 1927 bis in die dreissiger Jahre der Stummfilm vom Tonfilm abgelöst wurde. Es war die grösste Revolution, die Hollywoods Filmindustrie in ihrer Geschichte erleben sollte. Film-Imperien brachen zusammen, neue entstanden; Stars wurden über Nacht entthront und neue über Nacht erschaffen; eine Schauspielkunst der übertriebenen expressiven Gebärden kam aus der Mode, ein neuer Stil des Spielens mit Dialog und Understatement begann.

    Die alten Stars, die in ihren üppigen, luxuriösen, orientalisch aufgemotzten Luxusvillen in Hollywoods Bergen rund um den Sunset Boulevard lebten, waren von einem Tag auf den anderen zum alten Eisen geworden: Weil sie keine Stimmen hatten, mit denen sie den Tonfilm hätten meistern können, weil sie von einem Tag auf den anderen nicht mehr gefragt waren. Hollywood ist eine traumhafte Industrie, sie stampft Karrieren aus dem Nichts, macht aus Unbekannten über Nacht Weltstars, Filmdiven, Filmgötter. Hollywood ist aber auch eine albtraumartige Industrie. Sie zerstört die gleichen Karrieren in einem Augenblick; lässt die-jenigen, die zu Glanz und Glamour aufgestiegen waren, zurückfallen ins Vergessen des Nichts, bestenfalls in Luxus-Patios, in denen die plötzlich Vergessenen im Reichtum wie lebendig begraben vegetieren. So gesehen ist "Sunset Boulevard", in dem der Stummfilm-Star Gloria Swanson als Norma Desmond ihr eigenes Schicksal spielt, auch ein Film und ein Gleichnis darüber, wie die Filmindustrie ihre Stars gnadenlos verschleisst und abserviert, nachdem sie sie aufgebaut und gross gemacht hat. Eine Branche frisst ihre Kinder. Der Film duldet alles, nur eins nicht: das Altwerden. Die Heldinnen und Helden, die das als Opfer erleben, bleibt nur eins: die Flucht in Illusionen und Träume, die in jedem Moment platzen können wie Seifenblasen. Seifenblasen aber, bei  denen die Opfer oft tragisch in Wahn und Tod gerissen werden.

    1950, als Wilder seinen Film über das Stummfilm-Sterben an der Wende von den zwanziger zu den dreissiger Jahren drehte, stand Hollywood vor einer neuen gewaltigen Umwälzung; das Fernsehen bedrohte das Kino (dass es das Kino später auch durch Videofilme und DVD "gerettet" hat, ist eine Paradoxie der Filmgeschichte). Das alte Spiel, das Wilder mit melodramatischer Wucht, böser Ironie und grosser Wahrheit festgehalten und entlarvt hatte, wiederholte sich. Wieder  purzelten Stars, wieder wurde Altes ausrangiert, Neues rigoros  durchgesetzt.

    Noch heute dreht sich die Spirale, immer schneller verschlingt diejenigen, die sie gestern noch zu Superstars gemacht hatte - inzwischen zu Superstars nur für einen kurzen blitzlichtartigen Augenblick, wenn wir an die Container-Helden aus "Big Brother" oder die Gesangs-Stars aus "Deutschland sucht den Superstar" denken. Auch sie tragen das Verfallsdatum ihres Ruhms schon mitten im Erfolg auf der Stirn.

    Autor: Hellmuth Karasek

    Zum Autor:

    Der Journalist, Kulturredakteur und Romancier Hellmuth Karasek, geboren 1934, lebt in Hamburg. Zwischen 1988 und 2001 war er Mitglied der bekannten TV-Sendung "Das literarische Quartett" mit Marcel Reich-Ranicki. Er ist Professor am Institut für Theater, Musiktheater und Film der Universität Hamburg und Mitherausgeber des Berliner TAGESSPIEGEL. Zu seinen bekanntesten Werken zählen unter anderem "Mein Kino - die 100 schönsten Filme" (1994), "Das Magazin" (1998) und "Betrug" (2001).

    Zum Thema: "Sunset Boulevard" jetzt auf DVD Paramount Pictures bringt den Hollywood-Klassiker Sunset Boulevard (alter deutscher Titel: "Boulevard der Dämmerung") des im letzten Jahr verstorbenen Star-Regisseurs Billy Wilder jetzt als DVD auf den Markt. Bei den Academy Awards im Jahr 1950 hat das Melodram drei Oscars für Drehbuch, Ausstattung und Musik gewonnen und war in weiteren acht Kategorien nominiert.

    Sunset Boulevard ist DER Paramount-Klassiker (er spielt  teilweise in den Original Paramount Filmstudios) und eine bittere Abrechnung mit Hollywood. Nach Verlassen der Premiere soll Film-Mogul Louis B. Mayer den Regisseur angegiftet haben: "Man müsste Sie teeren und federn lassen! Sie haben nach der Hand gebissen, die Sie ernährt hat!" 1989 erklärte die National Film Registry of the Library of Congress Sunset Boulevard zum nationalen Kulturgut. Das gleichnamige Musical von Andrew Lloyd Webber wurde in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ein weltweiter Bühnenerfolg.

    Special Features:     Kommentar von Ed Sikov, Autor von "On Sunset Boulevard:     The Life and Times of Billy Wilder"     Making of Sunset Boulevard     Kinotrailer     Studiokarte     Fotogalerie     Prolog Leichenschauhaus     Featurette "Edith Head", Kostümbildnerin bei Paramount     Featurette "The Music of Sunset Boulevard"

    Genre: Melodram     Originaltitel: Sunset Boulevard     Land/Jahr: USA, 1950     Regie und Drehbuch: Billy Wilder     Darsteller: Gloria Swanson, William Holden, Nancy Olsen, Erich     von Stroheim     Laufzeit / FSK: ca. 106 Minuten / ab 16 Jahren     Bild-/Tonformat DVD: Widescreen / Deutsch und Englisch Mono

    Packshots und Szenenbilder unter: www.presse.paramount.de

ots Originaltext: Paramount Home Entertainment (Germany ) GmbH
Internet: www.newsaktuell.ch

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