Karin Müller Kommunikation

Wirtschaftskrise - Verwaltungsräte müssen handeln

    Uster (ots) - Das Tabuwort der Neuzeit lautet Wirtschaftskrise. "Das heisst wirtschaftlich schwieriges Umfeld", wurde ich kürzlich von einem leicht echauffierten Headhunter belehrt. Aha, danke für den Tipp. Warum das Ding nicht beim Namen nennen? Warum umständliche Definitionen kreieren? Wer eine Krise schönredet, steckt den Kopf in den Sand. Topmanager, die nicht fähig sind, sich einem Problem zu stellen, sind als Schlechtwetterkapitäne gänzlich ungeeignet.

    Verkrampfte Entscheide sind schlechte Entscheide

    Vertuscher und Verdränger sind es, die sich die derzeit schwierige Wirtschaftssituation auf fiese Art zunutze machen. Die Nerven liegen blank, Führungskräfte werden unter Druck gesetzt oder ganz einfach erpresst. Die "Täter" sind in oberen Kader zu finden oder im Verwaltungsrat. Ein Manager erzählte mir kürzlich, während einer VR-Sitzung wo es um die neue Strategie gegangen sei,  hätte ihm einer der Verwaltungsräte kurzerhand mit der sofortigen Absetzung gedroht. "Man fragte mich, ob ich meinen Job noch behalten wolle. Ich antwortete irritiert mit Ja. Dann solle ich gefälligst tun, was von mir verlangt werde. Einen Posten wie meinen würden viele mit Handkuss nehmen." Das Resultat: Wer Angst hat, verkrampft sich. Wer sich verkrampft, fällt meist unkluge Entscheide. Dieser CEO hat also Gnadenfrist erhalten, weil er die Strategie des VR übernimmt, obwohl ihm persönlich unwohl ist dabei.

    Hinterhältigkeit überlebt, Ehrlichkeit stirbt

    Was zeigt diese Entwicklung? Dass einige der Topmanager - aber auch Verwaltungsräte - mit der angespannten Wirtschaftslage überfordert sind. Sich selbst würden sie dies natürlich niemals eingestehen. Eine Führungsriege, die solchem Handeln keinen Einhalt gebietet, sorgt dafür, dass Ehrlichkeit ausstirbt und Hinterhältigkeit überlebt. Und Letzteres wird zum Nährboden für zunehmende Respektlosigkeit gegenüber jedem Menschen. Und so bangen Führungskräfte, dessen Mut zur Kritik in guten Zeiten öffentlich noch gelobt wurde, jetzt besonders um ihren Job. Die altbekannten "Windfahnen", also Menschen ohne Rückgrat, überstehen solche Zeiten meist unbeschadet. Werden die richtigen Führungskräfte entlassen ?

    Die Wirtschaftskrise wird zum reinigenden Gewitter innerhalb der Chefetagen. Die Frage bleibt, ob die Richtigen den Sessel räumen? In Zeiten der Krise sind Tugenden wir Respekt und Anstand besonders gefordert. Ein Aufschwung wird nur im Teamwork erreicht. Wer seinen Mitarbeitenden droht, sie gar erpresst, ist als Führungsperson gänzlich ungeeignet. So erstaunt es nicht, dass Headhunter zur Zeit mit Bewerbungsschreiben von überaus gut qualifizierten Führungskräften überhäuft werden. Es sind Menschen, die wieder in einem Umfeld arbeiten möchten, wo ihnen Respekt entgegengebracht wird.

    Verwaltungsräte müssen umdenken

    Gefragt sind jedoch vor allem Verwaltungsrätinnen und -räte. Sie sind es, die den Wandel der Zeit noch zu sehr unterschätzen und skrupellose Führungskräfte zu lange gewähren lassen. In Zeiten wie diesen gilt die Politik des Bewährten als längst überholt. Unternehmen und deren Manager stehen heute genauso in der Öffentlichkeit, wie Popstars oder Schauspieler. Vorbei die Zeiten, wo der prestigeträchtige Posten eines Verwaltungsrates noch "Ruhm und Ehre" einbrachte. Taten sind gefordert, rasches Handeln. Und dies bedingt auch eine fortschrittliche Kommunikationspolitik. Statt zu warten, bis Medienschaffende den Finger auf die Wunde legen, aktiv informieren. In der Kommunikation haben langfristige Strategien wenig Chancen auf Erfolg. Flexibilität ist gefragt, sowohl in der operativen Führung eines Betriebs als auch in der aktiven Information. Verwaltungsratsgremien sollten umdenken. Die Frage bleibt, ob nicht auch sie von einer weiteren Instanz kontrolliert werden sollten.

    Karin Müller ist Autorin von "Hotline Presse - Professionelle Medienarbeit in Krisenzeiten", Orell-Füssli 2002

ots Originaltext: KM-Kommunikation
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