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30 Jahre Caritas-Fachgruppe "Reform im Strafwesen": Mehr Repression wird oft gefordert, ist aber wenig wirksam

    Luzern (ots) - Über den "Zustand des Strafwesens in der Schweiz" diskutieren heute Donnerstag Fachleute aus allen Bereichen rund um das Strafwesen. Die Caritas-Fachgruppe für "Reform im Strafwesen", die im 30. Jahr ihres Bestehens zur Tagung eingeladen hat, sieht nach wie vor einen Reformbedarf. Die Entwicklung dürfe aber dem Ruf nach Repression nicht erliegen, denn der Erfolg solcher Vorkehrungen sei fragwürdig.

    In der Schweiz lässt sich eine ausgeprägte Straflust feststellen, konstatiert die Caritas-Fachgruppe "Reform im Strafwesen". Repression solle bei der Lösung fast aller gesellschaftlicher Probleme eine Rolle spielen. "Rein repressive Massnahmen im Strafwesen führen nicht zu besseren Zuständen. Der Erfolg ist mässig", unterstreicht der Freiburger Strafrechtsprofessor Franz Riklin, der die Caritas-Fachgruppe leitet. Effizientere präventive Strategien würden verdrängt.

    Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Disziplinen diskutierten an der Paulus-Akademie in Zürich unter dem Titel "Straflust oder Straffrust? Vom Zustand des Strafwesens in der Schweiz". André Valloton vom Departement für Sicherheit und Umwelt des Kantons Waadt wies in seinem Referat auf die Schizophrenie hin, dass in der Schweiz einerseits nach Alternativen zum Wegsperren mit Gefängnisstrafen gesucht, andererseits eine Garantie für ein Null-Risiko gefordert werde. Dies führe in der Konsequnz wieder zu längeren Strafen.

    Die Caritas-Fachgruppe "Reform im Strafwesen" feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Jürg Krummenacher, Direktor der Caritas Schweiz, würdigte die Gruppe als wichtigste "andere" Stimme im Bereich des Strafwesens. Im heutigen Klima sei es nicht populär, sich für Reformen im Strafwesen einzusetzen und darauf zu bestehen, das auch straffällige Menschen seien. Die 15-köpfige Fachgruppe, der auch alt Bundesgerichtpräsident Guisep Nay und der Sozialethiker Alberto Bondolfi angehören, hat in den letzten Jahrenzahlreiche Reformen angestossen. Dazu zählt unter anderem die Opferhilfe.

ots Originaltext: Caritas Schweiz
Internet: www.presseportal.ch

Kontakt:
Prof. Franz Riklin
Präsident der Fachgruppe "Reform im Strafwesen"
Ordinarius für Straf- und Prozessrecht Universität Freiburg
Mobile: +41/79/504'13'10

Stefan Gribi
Leiter Abteilung Information
Caritas Schweiz
Mobile: +41/79/334'78'79



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