Über 1000 Opfer, 87 Prozent davon Zivilist:innen: Streubomben-Monitor 2026
Genf (ots)
Der Streubomben-Monitor 2026 zeigt: Die Zahl der Opfer von Streumunition blieb 2025 mit 1063 Getöteten oder Verletzten weiterhin extrem hoch. 87 Prozent der Opfer waren Zivilist:innen. Streumunition wurde vom Iran, von Myanmar, Russland, Thailand und der Ukraine eingesetzt. Weitere mögliche Einsatzländer konnten nicht bestätigt werden. Der Austritt Litauens aus dem Übereinkommen im Jahr 2025 ist ein schwerer Schlag und schwächt dessen Wirksamkeit erheblich. Vom 14. bis 18. September werden die Staaten in Vientiane, Laos, zur dritten Überprüfungskonferenz des Übereinkommens zusammenkommen. Wir rufen sie dazu auf, dort ihr Engagement für das Übereinkommen zu bekräftigen.
Hinweis an die Redaktion:
- Daniel Suda-Lang, Geschäftsleiter von Handicap International Schweiz, steht für Interviews zur Verfügung (auf Deutsch und Französisch).
- Streubomben-Monitor 2026 (auf Englisch), unter Embargo bis zum 8. September um 15 Uhr MESZ
Besorgniserregende Entwicklung im Jahr 2025
- Der Streubomben-Monitor 2026 berichtet von einem äusserst besorgniserregenden Ausmass an Leid, das Streumunition unter der Zivilbevölkerung verursacht. Allein im Jahr 2025 wurden weltweit 1063 Opfer gezählt - die zweithöchste Jahresbilanz seit Beginn der Datenerhebung durch den Monitor.
- Im Jahr 2025 machten Zivilist:innen 87 Prozent der erfassten Opfer aus. Nach wie vor sind Kinder durch nicht explodierte Streumunition besonders gefährdet.
- Im Jahr 2025 wurden in neun Ländern Opfer von Angriffen mit Streumunition (946) und von explosiven Kampfmittelrückständen (117) registriert: Afghanistan, Kambodscha, Irak, Laos, Libanon, Myanmar, Russland, Syrien und die Ukraine.
- Die Ukraine verzeichnet zum vierten Mal in Folge die höchste Zahl an Opfern, was die anhaltende und verheerende Nutzung dieser Waffen in Konfliktgebieten widerspiegelt. In der Ukraine wurden im Jahr 2025 mindestens 927 Opfer von Streumunition registriert, davon 902 durch Angriffe und 25 durch explosive Kampfmittelrückstände.
"Jedes Jahr machen Zivilist:innen die grosse Mehrheit der Opfer aus. Da viele Submunitionen beim Aufprall nicht explodieren, können Menschen nicht nur während eines Angriffs, sondern auch noch lange nach Ende der Kämpfe Streumunition zum Opfer fallen. Diese explosiven Kampfmittelrückstände haben die gleichen Auswirkungen wie Antipersonenminen. Sie töten oder verstümmeln über Jahre hinweg Zivilist:innen, insbesondere Kinder. Staaten, die diese Waffen heute einsetzen - unabhängig davon, ob sie dem Übereinkommen beigetreten sind oder nicht -, müssen unmissverständlich verurteilt werden. Mit dem Austritt Litauens aus dem Übereinkommen im Jahr 2025 wurden die humanitären Abrüstungsnormen geschwächt. Die Staaten, die vom 14. bis 18. September zur dritten Überprüfungskonferenz in Laos zusammenkommen, müssen ihr festes Bekenntnis zum Vertrag sowie ihre Verurteilung jeglichen Einsatzes - durch welche Staaten auch immer - bekräftigen." - Anne Héry, Leiterin Advocacy bei Handicap International
Die Herausforderung der Räumung von Streumunition
Streumunition ist aufgrund ihrer katastrophalen humanitären Folgen verboten. Sie kann sowohl vom Boden aus abgefeuert als auch von Flugzeugen abgeworfen werden. Sie öffnet sich in der Luft und verteilt ihre explosiven Submunitionen (auch "Bomblets" genannt) über ein grosses Gebiet, ohne dabei zwischen Zivilbevölkerung und Militärangehörigen oder zwischen ziviler und militärischer Infrastruktur zu unterscheiden. Zudem explodieren bis zu 40 Prozent der Submunitionen nicht beim ersten Aufprall. Dadurch können sie über Jahre hinweg wahllos Menschen verletzen und töten. Sie liegen häufig auf Feldern, in Dörfern und Schulen und stellen dort eine Gefahr für die Zivilbevölkerung dar, insbesondere für Kinder.
Die Räumung von Streumunition ist aufgrund des hohen Risikos einer versehentlichen Detonation äusserst gefährlich. Dies gilt insbesondere für instabile oder beschädigte Submunitionen. Dabei sind nicht nur Zivilist:innen, sondern auch die Minenräumungsteams erheblichen Gefahren ausgesetzt.
Die Submunitionen werden direkt am Fundort mit Sprengstoff zerstört und in vielen Fällen nicht abtransportiert. Dies erfordert hoch qualifizierte Teams, Spezialausrüstung und langwierige Einsätze.
Die Bedeutung des Übereinkommens
Insgesamt sind 27 Länder und zwei weitere Gebiete nach wie vor mit Streumunitionsrückständen verseucht; bei zwei zusätzlichen Gebieten besteht ein entsprechender Verdacht.
Im Jahr 2025 haben die von Streumunitionsrückständen betroffenen Vertragsstaaten durch Minenräumungen und Gebietserkundungen 113,98 Quadratkilometer gefährlicher Gebiete gesäubert. Dies entspricht einem Anstieg von mehr als 15 Prozent gegenüber dem Jahr 2024.
Durch Minenräumungen konnten im Jahr 2025 mindestens 64'898 Streumunitionsrückstände vernichtet werden, gegenüber 83'452 im Jahr 2024 - obwohl die geräumte Fläche zunahm.
Übereinkommen in Gefahr
Mit dem am 30. Mai 2008 verabschiedeten Oslo-Übereinkommen über Streumunition haben sich zwei Drittel der Länder der Welt, das sind 124 Staaten, dazu verpflichtet, die strengen und umfassenden Normen dieses Übereinkommens einzuhalten.
Der Streubomben-Monitor 2026 führt 18 Länder auf, die Streumunition herstellen (oder sich das Recht dazu vorbehalten): Ägypten, Brasilien, China, Griechenland, Indien, Iran, Israel, Myanmar, Nordkorea, Pakistan, Polen, Rumänien, Russland, Singapur, Südkorea, Türkei, Ukraine und die Vereinigten Staaten. Die jüngsten Belege für eine Produktion im Jahr 2026 stammen aus China, Indien, Israel, Nordkorea, Rumänien, Russland und Südkorea.
Die nächste Überprüfungskonferenz zum Übereinkommen über Streumunition findet vom 14. bis 18. September in Laos statt. Dort liegen noch immer Millionen von Streumunitionsrückständen, die vor mehreren Jahrzehnten eingesetzt wurden.
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