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European Newspaper Congress: Regional, aber mit Qualitätsanspruch

Wien (ots)

Wien - "Zu denken geben ist unser Anspruch", sagte
der Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung", Joachim Dorfs, heute 
Montag, dem ersten Tag des European Newspaper Congress. Dorfs 
Standpunkt ist für eine regionale Tageszeitung mehr als ehrgeizig. Er
gilt auch seit Beginn der Reformphase 2009, in der sich die bis dahin
sehr traditionell und konservativ gestaltete Zeitung grundlegend 
veränderte. Ihr Defizit wurde nicht zuletzt durch Marktuntersuchungen
erkannt: "Die Leser lieben die Zeitung, wissen aber nicht warum", 
lautete eine der erschütternden Erkenntnisse. Eine andere: "Das Blatt
gibt viel für den Kopf, wenig für den Bauch." Kurzum, emotionale und 
imagemäßige Defizite mussten beseitigt werden. Die "Stuttgarter 
Zeitung" modernisierte sich, ohne ihre Grundsätze zu verraten. Sie 
verschreibt sich einem für andere Blätter möglicherweise 
beispielhaften Experiment: eine Regionalzeitung mit überregionalem 
Qualitätsanspruch zu sein. Es war das eine "Frischzellenkur für 
Redaktion und Verlag2, berichtet Vize-Chefredakteur Michael Maurer. 
Der Weg dorthin wirkt nicht revolutionär -  auch Art-Director Dirk 
Steininger stand vor großen Herausforderungen. Die Zeitungsmacher 
entwickelten die attraktive Seite 1, die den Lesern den spannenden 
Einstieg erleichtert, akzentuierten  Kommentar und Hintergrund, 
fassten große Themen auf der tägliche "Entdecken"-Seite zusammen und 
erweiterten den Kulturbegriff auf Musik, Film und TV. Das Wort steht 
bei der "Stuttgartern Zeitung" weiterhin im Vordergrund,  hohes 
journalistisches Niveau bleibt auf den ersten Blick erkennbar. 
Geradezu radikal ging die portugiesische "i informação" vor und wurde
deshalb zum "European National Newspaper of the Year" erhoben. 
Art-Director Nick Mrozowski schilderte, wie 2009 mit praktisch allen 
Traditionen gebrochen wurde, beginnend beim Format. Aus der 
großformatigen Tageszeitung wurde ein Kleinformat, jedoch mit klarer 
Ausrichtung: Die Zeitung sollte wie bisher für anspruchsvolle Leser 
gemacht werden. Strenge Ressorteinteilung fiel den Zugeständnissen an
die Leserbedürfnisse zum Opfer. Ein genialer Mix - etwa aus Politik 
und Wirtschaft - ist für sie besser verdaulich. Der Meinungsteil 
wurde ausgebaut. Präzise Information dominiert im Nachrichtenteil. 
"Wir beschlossen, ganz kurz zu sein", sagte Mrozowski. Und irgendwie 
ist ein tägliches Magazin für portugiesische Leser herausgekommen.<p>
Dramatische Neuerungen auf dem Gebiet Grafik stellte Chiqui Esteban 
dar. Er leitet den Bereich Multimedia von lainformacion.com aus 
Madrid und ist einer der führenden Reporter im Bereich 
Multimedia-Infografik und Blogger auf 
http://infographicsnews.blogspot.com. Einen Überblick über die 
europäische Zeitungslandschaft gab der deutsche Zeitungsdesigner 
Norbert Küpper. Ergebnis: Trotz eines allgemeinen und - wie britische
Beispiele zeigen - manchmal geradezu dramatischen Einbruchs der 
Auflagenzahlen haben einige Verlage großartige Erfolge vorzuweisen, 
zum Beispiel "Die Zeit" in Deutschland. Reformbestrebungen im Sinne 
der Hinwendung zu den Lesern sind europaweit festzustellen. Der 
European Newspaper Congress war am Montag durch Stadtrat Christian 
Oxonitsch eröffnet worden. Er wies auf den Auftrag der Medien hin, 
den Dialog mit mündigen Bürgern zu fördern. "Auch auf den sozialen 
Plattformen geht  es um die Vermittlung von Botschaften. Die 
Überlebensfähigkeit der Medien hängt nicht nur von ihrer 
Wandlungsbereitschaft ab, sondern auch von den Konsumenten. Ob diese 
in der Lage sind, die Botschaft aufzunehmen", sagte Oxonitsch und 
plädierte für  "Bildung, Bildung, Bildung". Johann Oberauer, Chef des
gleichnamigen Medienfachverlages und Veranstalter des Kongresses, ist
sich mit der Stadt Wien in einem Punkt einig: "Wien bietet die 
einzigartige Möglichkeit, europäische Netzwerke zu knüpfen." Der 
European Newspaper Congress, der größte europäische Zeitungskongress,
wird veranstaltet vom Medienfachverlag Oberauer mit den Zeitschriften
"medium magazin", "Der Österreichische Journalist", "Schweizer 
Journalist" und "Wirtschaftsjournalist" und vom deutschen 
Zeitungsdesigner Norbert Küpper. Sponsoren sind die Stadt Wien, 
JTI/Austria Tabak und Vienna Insurance. Medienpartner ist die 
Tageszeitung "Die Presse".

Pressekontakt:

Johann Oberauer 0043/(0)664/2216643
Thomas Hofbauer 0043/(0)676/9223627

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