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Sucht Schweiz / Addiction Suisse / Dipendenze Svizzera

Das neue Radio- und Fernsehgesetz nicht im Alkohol ertränken

Lausanne (ots)

Ein revidiertes Radio- und Fernsehgesetz soll
nach dem Willen von Privatsendern und Werbewirtschaft erstmals
Werbung für Alkohol und Tabak in den schweizerischen TV- und
Radioprogrammen erlauben. Nach Ansicht der Schweizerischen Fachstelle
für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) in Lausanne würde das
eine zusätzliche Gefährdung für die Volksgesundheit bedeuten und
besonders den Konsum der Suchtmittel Alkohol und Zigaretten bei
Jugendlichen zusätzlich anreizen.
Das Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) von 1991 braucht angesichts
einer sich rasch wandelnden Medienlandschaft neue Leitplanken. In
einem revidierten Gesetz soll diese neue Medienordnung vor allem
eines erreichen: durch verstärkte Liberalisierung den kleinen
privaten Anbietern von Rundfunk und Fernsehen einen wirtschaftlich
sicheren Platz neben dem starken Service public der SRG garantieren.
Nach Abschluss der Vernehmlassung des Gesetzesentwurfs zeichnet sich
nach Ansicht der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere
Drogenprobleme (SFA) in Lausanne eines ganz deutlich ab: hinsichtlich
der künftigen Werbevorschriften für Suchtmittel wie Alkohol und Tabak
in den elektronischen Medien droht ein klarer Ausverkauf aller
suchtpräventiven Limite bisheriger Bestimmungen. Besonders die nach
Werbegeldern dürstenden Privatsender wollen die schrankenlose
Alkohol- und Tabakwerbung und fordern dazu die Anwendung wesentlicher
liberaler Werbestandards der Europäischen Union für die Schweiz.
Werben und Bechern bis zum Abwinken?
Was die Werbungsbefürworter gerne vergessen oder bewusst
ausblenden, ist die wissenschaftlich belegte Tatsache, dass
Werbeverbote für Alkohol und Tabak wirksame Massnahmen für einen
Schutz der Jugend und der Volksgesundheit sind. Richard Müller,
Leiter der SFA, ist sich sicher: «Über 50 wissenschaftliche
Untersuchungen haben in den letzten Jahren den vielfältigen Einfluss
der Werbung für alkoholische Getränke und Tabakwaren auf das
Konsumverhalten der Menschen, aber auch auf die daraus resultierenden
Probleme der Gesundheit, Verkehrssicherheit etc. belegt». Gerade
hinsichtlich der Jugendlichen zeigt sich, dass in Ländern mit
Werbeverboten der Einstieg junger Leute in den Alkohol- und
Tabakkonsum später erfolgt und insgesamt weniger konsumiert wird.
Eine Koalition aus Privatsendern und Werbewirtschaft würde die neuen
lockeren Bestimmungen für die Alkoholwerbung lieber heute als morgen
durchziehen. Nur eine rasche Mobilisierung aller Gegner der
Anpreisung freier Alkoholströme auf allen (privaten) Kanälen kann
helfen, das Schlimmste zu verhindern.
Quelle: A. Wylie, J. F. Zhang, S. Casswell: Responses to televised
alcohol advertisements associated with drinking behaviour of
10-17-year-olds. Addiction 1998, 3, 361-371

Kontakt:

SFA Lausanne
Sekretariat Prävention und Information, Tel. +41 21 321 29 76

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