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Kein repressiveres Jugendstrafrecht - Tagung der Caritas-Fachgruppe "Reform im Strafwesen" zu Jugendkriminalität

Luzern (ots)

Zu einer Verschärfung des Jugendstrafrechts gibt es
insgesamt keinen Anlass. Dies unterstrichen Fachleute aus dem In- und
Ausland an einer Tagung der Caritas-Fachgruppe "Reform im Strafwesen"
mit dem Titel "Jugendliche, die uns Angst machen2.
Die Zahl der ermittelten jugendlichen Täterinnen und Täter in der
Schweiz ist stabil. Zugenommen haben gemäss Statistik allerdings
Gewaltdelikte. Jugendanwaltschaften stellen zudem bei einer kleineren
Gruppe jugendlicher Straftäter eine stärkere Bereitschaft fest,
Gewalt einzusetzen. Dennoch ist Jugendkriminalität in den meisten
Fällen episodenhaft und nicht Ausdruck von Persönlichkeitsstörungen.
Darin waren sich die Referentinnen und Referenten der zum 25. Mal
durchgeführten Caritas-Tagung zur Reform im Strafwesen an der
Paulus-Akademie in Zürich vom 19. und 20. September einig.
Die meisten von Jugendlichen begangenen Verstösse gegen das
Strafrecht sind Bagatelldelikte wie Ladendiebstahl oder Drogenkonsum.
Auch bei den Gewaltdelikten überwiegen leichtere Formen wie
Tätlichkeiten. Opfer sind sehr oft junge Menschen der gleichen
Altersgruppe. Bei der statistischen Erfassung spielen auch eine
stärkere Bereitschaft, Anzeige einzureichen, sowie eine intensivere
polizeilich Ermittlungstätigkeit eine Rolle.
Der deutsche Kriminologe Frieder Dünkel führte aus, nicht nur in
der Schweiz sondern in Europa gebe es insgesamt keinen Anlass zu
einer Kehrtwende in der Jugendkriminalpolitik und zu einer
Verschärfung des Jugendstrafrechts. Ein gemässigtes und
rechtsstaatlich begrenztes Jugendstrafrecht sei ausreichend und
effizienter als repressive Sanktionen wie etwa längerer
Freiheitsentzug. Mehrere Rednerinnen und Redner betonten, dass der
Erziehungsgedanke Leitmotiv des Jugendstrafrechts bleiben müsse.
Dieses sei mehr als ein gemildertes Erwachsenenstrafrecht.
Um kriminellen Handlungen von Jugendlichen und ihrer Wiederholung
vorzubeugen, brauche es eine Haltung des Dialogs, der Offenheit und
der konstruktiven Bewältigung von Konflikten, die in  der Familie und
in der Nachbarschaft beginne, unterstrich der Freiburger
Strafrechtler Nicolas Queloz. Die Jugendpolitik stecke in den
Kinderschuhen, unterstrich Nationalrätin Ursula Wyss. Die Jugend
werde erst wahrgenommen, wenn sie Probleme mache. Auf die Frage,
wieso Jugendliche gewalttätig werden, habe die Gesellschaft aber
keine Antwort. Zustimmung fand sie mit der Forderung, dass die
Politik differenziert auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von
Jugendlichen eingehen müsse.

Kontakt:

Caritas Schweiz
Löwenstrasse 3
Postfach
6002 Luzern

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