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17.01.2019 – 07:10

nccr - on the move

Der Zugang zu Arbeitsmarkt und Bildung für Asylsuchende sowie die Administrativhaft variiert von Kanton zu Kanton

Neuchâtel (ots)

Die Öffnung des Arbeitsmarktes und der Zugang zu Bildung für Asylsuchende, aber auch deren Administrativhaft unterscheiden sich deutlich von Kanton zu Kanton. Dies zeigen drei Studien des Nationalen Forschungsschwerpunktes zu Migration und Mobilität «nccr - on the move», der von der Universität Neuenburg koordiniert wird. Die Ergebnisse sind in drei Publikationen für die Öffentlichkeit zusammengefasst.

«Die Erwerbsquote von Asylsuchenden mit Status N ist in Kantonen mit einem offenen Arbeitsmarkt deutlich höher. Die Erwerbsquote variiert von null in den Kantonen Glarus, Jura, Nidwalden und Uri bis 17.5% im Kanton Graubünden», erklärt Alois Stutzer, Projektleiter im «nccr - on the move» und Professor für Politische Ökonomie an der Universität Basel. Die Studie von Alois Stutzer und Michaela Slotwinski zeigt, dass deutlich mehr Asylsuchende in Kantonen mit weniger regulatorischen Hindernissen arbeiten, wie z.B. ohne verlängertes Arbeitsverbot oder ohne Beschränkung der Beschäftigung auf gewisse Sektoren, sowie in Kantonen mit einem kurzen und einfachen Beantragungsprozess für eine Arbeitsbewilligung und wo für ein allfälliges Zusatzeinkommen keine Abzüge vorgenommen werden. Zudem kann ein offenerer Arbeitsmarktzugang dazu beitragen, die Abhängigkeit der Asylsuchenden von der Sozialhilfe zu verringern. «Bei Asylsuchenden, die mit grosser Wahrscheinlichkeit den Flüchtlingsstatus erhalten, ist eine späte Eingliederung in den Arbeitsmarkt eine vertane Chance», stellt der Forscher fest.

Schweizer Universitäten für geflüchtete Studierende schwer zugänglich

«Die Schweiz braucht hochqualifizierte Arbeitskräfte und es macht Sinn, diejenigen zu qualifizieren, die das Potenzial dafür mitbringen, bereits hier leben und zu einem grossen Teil bleiben werden», sagt Katrin Sontag, Postdoktorandin «nccr - on the move» an der Universität Basel. Die Studie von Katrin Sontag und Tim Harder erklärt, warum Schweizer Universitäten für geflüchtete Studierende nur schwer zugänglich sind. Die grössten Hindernisse sind die Anerkennung ihrer Diplome, die Finanzierung des Studiums und fehlende erschwingliche Sprachkurse. Verschiedene ehrenamtliche Initiativen wurden an mehreren Universitäten von lokalen Studenten lanciert, um Geflüchtete, die studieren möchten, zu unterstützen. Allerdings erkennt nur die Universität Genf die erworbenen Leistungen bei einer späteren Immatrikulation an. Die Autoren schlagen vor, dass die Universitätskantone dem Genfer Beispiel folgen, um ehrenamtliche Initiativen auf institutioneller Ebene zu verankern. Sie empfehlen auch, auf nationaler Ebene Sprach- und Vorbereitungskurse bereitzustellen, sowie die Zulassungs- und Anerkennungsverfahren von ausländischen Diplomen zu vereinfachen.

Ausschaffungshaft variiert stark nach Kanton

Zur Sicherstellung des Wegweisungsvollzugs einer ausländischen Person steht den Kantonen die Administrativhaft zur Verfügung. Die quantitativen Analysen von Christin Achermann, Professorin und Projektleiterin «nccr - on the move» an der Universität Neuenburg und ihrem Forschungsteam zeigen, dass von 2011 bis 2017 durchschnittlich 5823 Inhaftierungen pro Jahr vollzogen wurden. 81% aller Inhaftierungen endeten mit dem Wegweisungsvollzug. Bei der Mehrheit der inhaftierten Personen handelte es sich um junge Männer aus Afrika oder dem Westbalkan. Zwei Drittel von ihnen hatten in der Schweiz Asyl beantragt. Hinter den Gesamtzahlen verbirgt sich eine ganz unterschiedliche Praxis je nach Kanton, sowohl hinsichtlich der Anwendungshäufigkeit der Administrativhaft, als auch der durchschnittlichen Haftdauer, der Anzahl der Wegweisungen, der angewandten Haftformen und der Profile der inhaftierten Personen. «Aufgrund der grossen kantonalen Unterschiede stellt sich die Frage nach den Grenzen des Föderalismus» stellt die Professorin fest. Sie wirft die Frage auf, ob die unterschiedliche Handhabung der Administrativhaft durch die Kantone Ungleichbehandlungen verursacht.

Publikationen für Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit

Die drei Studien sind in den folgenden Policy Briefs «kurz und bündig» zusammengefasst und hier verfügbar: http://ots.ch/361dJp

Michaela Slotwinski und Alois Stutzer

Erhöht ein offener Arbeitsmarktzugang die Erwerbsquote von Asylsuchenden?

Katrin Sontag und Tim Harder

Auf welche Hindernisse treffen Asylsuchende und Geflüchtete, die studieren möchten?

Christin Achermann, Anne-Laure Bertrand, Jonathan Miaz und Laura Rezzonico Die ausländerrechtliche Administrativhaft in Zahlen

Der «nccr - on the move» kurz und bündig

Der Nationale Forschungsschwerpunkt (NFS) «nccr - on the move» erforscht Themen rund um Migration und Mobilität. Der im Juni 2014 lancierte NFS setzt sich zum Ziel, das Zusammenspiel von Migration und Mobilität und damit einhergehende Phänomene besser zu verstehen. Das von der Universität Neuenburg koordinierte Netzwerk umfasst 14 Forschungsprojekte an zehn Schweizer Hochschulen: Den Universitäten Basel, Genf, Lausanne, Luzern, Neuenburg und Zürich, der ETH Zürich, dem Graduate Institute in Genf, der Fachhochschule Westschweiz sowie der Fachhochschule Nordwestschweiz. Der NFS «nccr - on the move» wird von Professor Gianni D'Amato geleitet, der auch Direktor des Schweizerischen Forums für Migrations- und Bevölkerungsstudien (SFM) mit Sitz an der Universität Neuenburg ist.

Kontakt:

Weitere Informationen:

Alois Stutzer, Projektleiter «nccr - on the move» und Professor für
Politische Ökonomie, Universität Basel, alois.stutzer@unibas.ch, Tel.
061 207 33 61

Katrin Sontag, Postdoktorandin «nccr - on the move» und
wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Basel,
katrin.sontag@unibas.ch, Tel. 061 207 56 08

Christin Achermann, Projektleiterin «nccr - on the move» und
Professorin für Migration, Recht und Gesellschaft, Universität
Neuenburg, christin.achermann@unine.ch, Tel. 032 718 12 79 und 078
802 86 54

Katja Remane, Kommunikationsverantwortliche des «nccr - on the move»,
katja.remane@nccr-onthemove.ch, Tel. 032 718 39 39

«nccr - on the move», Université de Neuchâtel
Rue Abram - Louis - Breguet 2, 2000 Neuchâtel
https://nccr-onthemove.ch/