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09.09.2019 – 10:30

Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz

ZHAW-Studie: Tabakkonsum kostet die Schweiz jährlich mindestens 5 Milliarden Franken

Bern (ots)

Der Tabakkonsum führt in der Schweiz zu medizinischen Kosten in Höhe von 3 Milliarden Franken pro Jahr. Zusätzlich beschert er der Wirtschaft durch Krankheit und Tod Produktionsverluste in Höhe von mindestens 2 Milliarden Franken. Das zeigt eine neue Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. Insgesamt ist der Tabakkonsum verantwortlich für 10 Prozent aller durch Krankheit und Tod verlorenen Lebensjahre und Lebensqualität.

Das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW hat im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz die Krankheitslast (engl. Burden of Disease) des Tabakkonsums in der Schweiz berechnet. Die Rechnung erfolgte exemplarisch für das Jahr 2015 anhand von vier Kennzahlen: den Anzahl Todesfällen, den verlorenen Lebensjahren und der verlorenen Lebensqualität durch Krankheit und Tod, den verursachten direkten medizinischen Kosten und den volkswirtschaftlichen Produktionsverlusten.

Jährliche Kosten von mindestens 5 Milliarden Franken

Der Tabakkonsum verursachte im Jahr 2015 direkte medizinische Kosten von 3 Milliarden Franken. Es sind dies Kosten, die für die Behandlung von tabakbedingten Erkrankungen angefallen sind. Auf die Behandlung von Krebserkrankungen entfallen 1,2 Milliarden Franken, auf Herzkreislaufkrankheiten 1 Milliarde Franken und auf Erkrankungen der Lunge und der Atemwege 0,7 Milliarden Franken. Die 3 Milliarden Franken entsprechen 3,9 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben der Schweiz im Jahr 2015 (alle Ausgaben der obligatorischen Krankenversicherung und privaten Gesundheitskosten).

Die Produktionsverluste durch den Tabakkonsum betrugen 2 Milliarden Franken. Sie sind die Folge von zeitweisen krankheitsbedingten Ausfällen oder dauerhaften Ausfällen durch Invalidität bzw. Tod vor der Pensionierung.

Tabakkonsum verursacht 10 Prozent der verlorenen gesunden Lebensjahre

Zusätzlich verursacht der Tabakkonsum Kosten, die sich aus dem frühzeitigen Tod und dem teilweise jahrelangen Leiden an Krankheiten ergeben. Diese Kosten lassen sich nur schwer in Franken messen. Um diese Last des Tabakkonsums greifbar zu machen, nutzt die Studie sogenannte «disability-adjusted life years» (DALYs): eine in der Medizin und Gesundheitsökonomie gängige Messgrösse, um die Bedeutung von Krankheiten in der Gesellschaft zu bestimmen. DALYs drücken die Lebensjahre und die Lebensqualität aus, die einer Gesellschaft aufgrund von Krankheit, Invalidität oder vorzeitigem Tod verloren gehen (Vgl. Kasten S. 5).

Für das Jahr 2015 errechnete die Studie 208'999 DALYs als direkte Folge des Tabakkonsums. Anders gesagt: Durch den Tabakkonsum büsste die Schweizer Bevölkerung im Jahr 2015 über 200'000 gesunde Lebensjahre ein. Zum Vergleich: Im selben Jahr verursachten Krankheiten in der Schweiz insgesamt 2'053'753 DALYs. Der Tabakkonsum war also für 10,2 Prozent aller durch Tod und Krankheitsleiden verlorenen bzw. beeinträchtigte Lebensjahre verantwortlich.

Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen, dass es sich bei allen Ergebnissen um konservative Schätzungen handelt welche die Krankheitslast tendenziell unterschätzen. Die Studie schliesst lediglich tabakbedingte Krankheiten ein, für welche die Beweislage für einen klaren kausalen Zusammenhang vorliegt. Zusätzlich beschränkt sich die Studie nur auf das Rauchen von Tabak und lässt andere Konsumarten von Tabak und Nikotin wie Snus, Produkte mit erhitztem Tabak und E-Zigaretten unberücksichtigt, genauso wie Passivrauchen oder die Folgen des Rauchens während der Schwangerschaft. Für einige Krankheiten waren zudem keine Angaben zu den direkten medizinischen Kosten und/oder den Produktionsverlusten verfügbar.

9'535 tabakbedingte Todesfälle pro Jahr

Im Jahr 2015 verursachte der Tabakkonsum in der Schweiz insgesamt 9'535 Todesfälle. Das entspricht 14,1 Prozent aller Todesfälle in diesem Jahr. Knapp zwei Drittel (64%) der tabakbedingten Todesfälle betrafen Männer, ein Drittel Frauen (36%). Die relative Mehrheit der tabakbedingten Todesfälle geht auf Krebserkrankungen zurück (44%), gefolgt von Herzkreislaufkrankheiten (35%) und Erkrankungen der Lunge und der Atemwege (21%). Zum Vergleich: Im selben Jahr starben im Strassenverkehr 253 Personen und durch die jährliche Grippewelle 2500 Personen.

Erschreckende Häufung diverser Todesursachen bei Raucherinnen und Rauchern

Die Grundlage der Studie bildet umfangreiches und detailliertes Datenmaterial aus vierundzwanzig Jahren. Diese Daten zeigen Erschreckendes: 35- bis 54-jährige Raucher sterben 14-mal häufiger an Lungenkrebs als Männer im gleichen Alter, die nie geraucht haben. Bis zur Altersgruppe der 65- bis 74-jährigen Raucher steigert sich dieses Verhältnis auf das 28-Fache. Bei den Frauen sind die Zahlen mit 13-mal (35- bis 54-Jährige) bzw. 24-mal (65- bis 75-Jährige) nur unwesentlich tiefer.

Auch bei anderen Krankheiten ist das relative Sterberisiko für Raucherinnen und Raucher über beinahe alle Altersgruppen hinweg mindestens doppelt so hoch, etwa bei Verengung der Herzkranzgefässe (Ischämische Herzerkrankungen) oder sonstigen Krebs- und Herzerkrankungen. Der traurige Rekord erreicht die Lungen- bzw. Atemwegserkrankung COPD: 65- bis 74-jährigen Raucherinnen sterben 39-mal häufiger an COPD als Frauen dieser Altersgruppe, die nie geraucht haben.

Rauchen ist der Hauptrisikofaktor für viele Herz- und Lungenkrankheiten. Das führt dazu, dass bei Männern ab 35 Jahren weit über 80 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen eine direkte Folge des Rauchens sind. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Lungen- bzw. Atemwegserkrankung COPD. Hier gehen bei Männern ab 55 Jahren weit über 80 Prozent aller Erkrankungen auf das Konto des Rauchens.

Dass sich ein Rauchstopp lohnt, zeigen die Zahlen zum relativen Sterberisiko bei den Ex-Raucherinnen und Ex-Rauchern. Ihr Risiko, an den untersuchten tabakbedingten Krankheiten zu sterben, ist im Vergleich zu Raucherinnen und Raucher wesentlich tiefer. Für 35 bis 54-jährige Ex-Raucher ist das Risiko an Lungenkrebs zu sterben 4-mal höher als bei Männern die niemals geraucht haben (bei Rauchern: 14-mal).

Prognose der tabakbedingten Todesfälle bis 2050

Im zweiten Teil der Studie wagten die Autorinnen und Autoren der Studie einen Ausblick auf das Jahr 2050. In einer ersten Prognose rechnen sie die bisherige Entwicklung der tabakbedingten Todesfälle hoch. Das Ergebnis ist eine prozentual leichte Zunahme von tabakbedingten Todesfällen bei Frauen und eine prozentuale Abnahme bei Männern bis ins Jahr 2050. In einer zweiten Prognose bestimmen sie die tabakbedingten Todesfälle im Jahr 2050 unter der Annahme einer gegenüber heute unveränderten Prävalenz des Rauchens. Das Ergebnis dieser Prognose ist ein Anstieg der tabakbedingten Todesfälle von heute rund 9'500 Menschen pro Jahr auf über 13'500 Todesfälle im Jahr 2050, aufgrund der erwarteten Bevölkerungszunahme.

Zu beachten gilt, dass bei der Rauchprävalenz der Männer in den vergangenen zwanzig Jahren zwei Phasen unterschieden werden müssen: In einer ersten Phase gab es einen deutlichen Rückgang des prozentualen Raucheranteils, gefolgt von einer zweiten Phase, die seit 2007 andauert, in welcher der prozentuale Anteil auf hohem Niveau stabil bleibt und nicht weiter sinkt. Der über die gesamte Zeitspanne der letzten 20 Jahre sinkende Trend setzt sich zwar in der ersten Prognose noch fort, ist jedoch nicht überzeugend (nicht plausibel).

Reduktion des Rauchens als höchste gesundheitspolitische Priorität

Für die Autorinnen und Autoren der Studie hat die Reduktion des Rauchens entsprechend höchste Priorität zur Verbesserung der Gesundheit der Schweizer Bevölkerung. Sie raten in ihrem Fazit zu Massnahmen, um die Rauchprävalenz zu senken. Sie raten ebenfalls dazu, die Wirksamkeit und Kosten-Wirksamkeit dieser Massnahmen in zukünftigen Untersuchungen zu prüfen.

Die Krankheitslast des Tabakkonsums in der Schweiz: Schätzung für 2015 und Prognose bis 2050 Die Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW umfasst 79 Seiten und kann heruntergeladen werden unter: http://ots.ch/i16Qcm

Kontakt:

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz:
Wolfgang Kweitel, Kommunikationsmanager Politik, 031 599 10 20,
wolfgang.kweitel@at-schweiz.ch

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