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01.02.2021 – 09:11

Ludwig-Maximilians-Universität München

Clemens Fuest fordert eine No-Covid-Strategie und maximale Impfstoffproduktion
Der Präsident des ifo Instituts analysierte für die LMU die aktuelle Wirtschaftslage

München, Bayern (ots)

-  Ein Lockdown, der die Infektionen reduziert und die Epidemie unter Kontrolle bringt, ist auch für die nachhaltige Erholung der Wirtschaft wichtig 
-  Das produzierende Gewerbe kommt besser durch die Krise als der Dienstleistungssektor und stützt so die gesamtwirtschaftliche Erholung 
-  Kurzarbeit und Liquiditätshilfen sind sinnvolle Instrumente, um Arbeitsplätze zu sichern und Unternehmen in der Krise zu stützen  

Im Rahmen der Online-Veranstaltungsreihe "Corona Lectures" der LMU analysierte Prof. Clemens Fuest die aktuelle Wirtschaftslage und gab konkrete Empfehlungen, um die Krise zu überwinden. "Deutschland ist bislang gut durch die Krise gekommen, da hat die Wirtschaftspolitik etwa über das Kurzarbeitergeld und andere Liquiditätshilfen die Lage gut stabilisiert", sagte Fuest. "Aber die Branchen sind durch die Pandemie sehr unterschiedlich betroffen, das produzierende Gewerbe zeigt sich sehr robust, der Dienstleistungssektor dagegen hat nach wie vor große Probleme." "Teilweise sind Einzelunternehmen trotz funktionierender Geschäftsmodelle in Not geraten", sagte Fuest. "Hier muss der Staat schnell Hilfe leisten." Während das produzierende Gewerbe nicht von angeordneten Lockdowns betroffen ist, seien die Probleme des Dienstleistungssektors nicht nur auf den Lockdown zurückzuführen, sondern auch auf eine allgemeine private Konsumzurückhaltung. Die Mehrwertsteuersenkung habe hier wenig bewirkt, so Fuest.

Impfungen schnell vorantreiben: ein Ausweg aus der Krise

Sehr wichtig für den gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung und für die Wirtschaftserholung sei eine schnelle Verbreitung der Impfungen. Der LMU-Professor wirbt für eine entschiedene "No-Covid-Strategie": "Die Inzidenz muss unter 10 sinken, erst dann ist die Pandemie wieder kontrollierbar", plädierte Fuest. "Um dahin zu kommen, brauchen wir mehr FFP2-Masken, mehr Tests und mehr mobiles Arbeiten", so Clemens Fuest. Nicht zielführend seien laut ifo-Präsident hingegen Vorschläge, die die gesamte Wirtschaft lahmlegen wollen, um die Inzidenz zu senken. Das produzierende Gewerbe mit hohem relativen Wertschöpfungsanteil ermögliche derzeit, dass wir uns die Hilfsmaßnahmen für Betroffene weiter leisten können.

Stärkere staatliche Investitionen in die Impfstoffentwicklung

Um eine schnellere und breitere Impfung der Bevölkerung zu erreichen, sollte sich der Staat stärker engagieren und die nationale Impfstoffherstellung besser fördern. Berechnungen zeigten, dass sich nahezu jede Investition in den massiven Ausbau der Impfstoffproduktion für den Staat lohne: "Die Kosten eines Lockdowns sind in jedem Fall höher." Fuest verwies aber auch auf Belastungen jenseits der ökonomischen Dimension. "Diese Krise hat Familien und Kinder extrem belastet, die gravierendsten Folgen gibt es im Bildungssystem", bemängelt der Präsident des ifo Instituts.

Trotz der hohen staatlichen Investitionen, um die Pandemie zu bekämpfen und die deutsche Wirtschaft zu unterstützen, zeigte sich Clemens Fuest zuversichtlich, dass sich die Schulden wieder abbauen lassen. "Wenn wir im kommenden Jahr wieder ein Wachstum erreichen, müssen weder die Steuern erhöht noch die Investitionen in Zukunftsprojekte gekürzt werden", sagte Fuest. Negativzinsen auf deutsche Staatsanleihen erlauben einen langsamen Schuldenabbau.

Der Vortrag und die anschließende Diskussion mit Prof. Oliver Jahraus, Vizepräsident der LMU, und dem Publikum ist ab sofort auf dem Youtube-Kanal der LMU unter https://youtu.be/d2qj3wLJHr8zu finden.

Weitere Informationen sowie ein Kurzinterview mit Prof. Clemens Fuest finden Sie hier: https://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2021/corona_fuest.html

Weitere Termine der "Corona Lectures": www.lmu.de/corona-lectures

Pressekontakt:

Claudia Russo
Leitung Kommunikation & Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München
Leopoldstr. 3
80802 München

Phone: +49 (0) 89 2180-3423
E-Mail: presse@lmu.de

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