Schweizerische Herzstiftung / Fondation Suisse de Cardiologie / Fondazione Svizzera di Cardiologia
Forschungspreis 2026: Die Schweizerische Herzstiftung prämiert Fortschritte in der Hirnschlagbehandlung und Herzdiagnostik
Bern (ots)
Der Neuroradiologe Marios Psychogios erhält den diesjährigen Forschungspreis Hirnschlagmedizin, und der Kardiologe Christoph Gräni den Forschungspreis Kardiologie der Schweizerischen Herzstiftung. Psychogios hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, die Hirnschlagbehandlung schneller und erfolgreicher zu machen. Gräni verbessert die Herzdiagnostik und Prognose durch kardiale Bildgebung unter Einbezug der KI.
Herz-Kreislauf-Krankheiten und Hirnschläge sind oft dramatische Ereignisse und enden nicht selten tödlich. Der Hirnschlag verändert jedes Jahr das Leben von rund 22'000 Personen in der Schweiz. Eine möglichst gute Akutbehandlung von Hirnschlagbetroffenen ist deshalb zentral. Diesbezüglich sind in den letzten Jahrzehnten grosse Fortschritte erzielt worden. Heute können 95 Prozent der grossen Gefässverschlüsse dank Kathetereingriffen wieder eröffnet und über 70 Prozent der Gerinnsel komplett entfernt werden. Einen wesentlichen Beitrag zur Optimierung hat der Neuroradiologe Prof. Marios Psychogios, Leiter diagnostische und interventionelle Neuroradiologie am Universitätsspital Basel, geleistet. Er hat das sogenannte One-Stop-Verfahren ausgearbeitet, das die Dauer bis zur Behandlung um 30 Minuten verkürzt. Das bedeutet im Durchschnitt ein um 10 Prozent besseres klinisches Ergebnis.
Verbesserung auch bei kleinen Gefässverschlüssen
Ob es gelingt, mittels Kathetereingriffen das Behandlungsergebnis auch von kleineren Gefässverschlüssen zu verbessern, ist eine weitere Forschungsfrage, die Psychogios beantworten will. In seiner viel beachteten multizentrischen Studie mit 553 Patient*innen erwiesen sich die Eingriffe im Vergleich zur medikamentösen Therapie zwar nicht als vorteilhaft, aber auch nicht von Nachteil. "Für uns bedeutet das neutrale Resultat nicht, dass wir hier aufhören", sagt der Neuroradiologe. Er glaubt weiterhin, dass der Eingriff Patient*innen helfen kann. Der nächste Schritt ist nun herauszufinden, wie das Ergebnis zustande gekommen ist und welche Betroffene künftig von solchen Eingriffen profitieren werden.
Forschungspreis Kardiologie: Plötzlichen Herztod verhindern
Rund 7000 Menschen sterben jährlich in der Schweiz an einem plötzlichen Herztod, auch Herz-Kreislauf-Stillstand genannt. Der Kardiologe Prof. Christoph Gräni, Leiter der kardialen Bildgebung und Digital Cardiology am Inselspital Bern, nutzt die Bildgebung dazu, solche gefährlichen Ereignisse künftig erfolgreicher zu verhindern. Eine der Ursachen, besonders bei jüngeren Sportler*innen, sind angeborene Fehlentwicklungen der Herzkranzgefässe. Gräni hat mithilfe der künstlichen Intelligenz (KI) ein Verfahren entwickelt, das seltene und potenziell gefährliche Fehlentwicklungen in der Computertomografie (CT) automatisch entdeckt. Dieses Verfahren hilft, seltene Herzkrankheiten zu diagnostizieren, die sonst möglicherweise übersehen würden.
Risikobeurteilung und Behandlung optimieren
Die Gefahr eines plötzlichen Herztods droht auch Patient*innen mit bestimmten Ausprägungen der Herzinsuffizienz. Unter Einbezug der modernen Herz- Magnetresonanztomographie (MRI) kann man besser voraussagen, bei welchen Betroffenen das Risiko hoch ist. Christoph Gräni hat in einer grossen Studie aufgezeigt, dass das Ausmass der Vernarbungen im Herzmuskel viel genauere Voraussagen liefert als das herkömmliche Verfahren, welches die Pumpfunktion der linken Herzkammer ermittelt. "Dank der neuen Risikobeurteilung verbessert man künftig die Therapie", sagt Gräni. So erhalten einerseits Patient*innen mit einem niedrigen Risiko nicht unnötigerweise eine Behandlung, in diesem Fall einen implantierbaren Defibrillator (ICD). Andererseits können diejenigen, die ein hohes Risiko haben und die man früher möglicherweise übersehen hat, mit diesem Defibrillator geschützt werden.
Wichtige Publikationen:
Marios Psychogios:
Endovascular Treatment for Stroke Due to Occlusion of Medium or Distal Vessels. N Engl J Med. 2025 Apr 10;392(14):1374-1384. doi: 10.1056/NEJMoa2408954. Epub 2025 Feb 5. PMID: 39908430. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2408954
Christoph Gräni:
AI-based detection and classification of anomalous aortic origin of coronary arteries using coronary CT angiography images. Nat Commun. 2025 Apr 1;16(1):3095.
https://www.nature.com/articles/s41467-025-58362-9
Risk Stratification in Nonischemic Dilated Cardiomyopathy Using CMR Imaging: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA 2024 Sep 19;332(18):1535-50
https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2823869
Zum Forschungspreis der Schweizerischen Herzstiftung
Seit 1981 verleiht die Schweizerische Herzstiftung einen Forschungspreis. Ausgezeichnet werden eine oder mehrere hervorragende wissenschaftliche Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Prävention, Diagnose und Behandlung der Herz-Kreislauf-Krankheiten und des Hirnschlags. Der jährliche Forschungspreis Kardiologie und der zweijährliche Forschungspreis Hirnschlagmedizin sind mit je 20'000 Franken dotiert.
Hinweis für Medienschaffende
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